Die Ausstellung »Chargesheimer fotografiert Jazz« im Kölner Stadtarchiv ehrt den künstlerischen Außenseiter, dessen Bilder weitaus mehr zeigen als Musiker*innen bei der Arbeit.

Chargesheimer: Jazz, Köln

Erst in den letzten Jahrzehnten entdeckte man den Schatz, den der Fotograf Karl Heinz (oder Carl Heinz) Hargesheimer, genannt: Chargesheimer, hinterlassen hat. Bis zu seinem frühen Tod rund um das Neujahr 1972 und noch einige Zeit danach, beachtete man das fotografische (und skulpturale) Werk des Künstlers wenig. Es gab sogar Stimmen, die seine Darstellungen des Nachkrieg-Kölns, zwischen Pauperismus und Trümmerfrauen, zwischen Volks- und Brauchtum, zwischen Katholizismus und klandestinen Mauscheleien, für Schandtaten hielten. Viel Kritik musste Chargesheimer zeitlebens einstecken. So wollte sich die Stadt am Dom nicht dargestellt wissen.
Chargesheimer war ein Außenseiter, nicht unbedingt ein Intellektueller, aber einer, der um Diskurse und die aktuellen Trends und Entwicklungen Bescheid wusste; einer der auf die Weiterentwicklung hoffte und dabei einen künstlerischen Lebensentwurf pflegte. Das städtische Wirrwarr im Schatten des Doms wertete er als Zeichen einer Stadt, die von der Neuzeit in die Moderne Welt eben nicht schnellte, sondern eher humpelte.

Die Kölner Pfiffigkeit

Und überall da, wo es wiederum den Stadtobersten nicht flott genug gehen konnte, entstanden in der Regel eben keine kosmopolitischen Wunderwerke, sondern große Probleme und Verwerfungen. Wo man die pfiffigen Kölner*innen einfach machen ließ, da wartete das Besondere. Nicht immer schön, aber herzlich und lebendig.
Chargesheimer selbst war in einer selbstgewählten Zwitterrolle als Fotograf gefangen: Nicht ganz neutraler Chronist oder Archivar, der versuchte möglichst genau darzustellen, wie es um die Kölner*innen bestellt war. Er war kein Typograf, der wie sein bekannter Vorgänger August Sander die Berufe der Stadt durchfotografierte. Er war aber auch kein stilistischer Vollästhet, dem es um die perfekte fotografische Allegorie ging. Er war aber einer, der Zeitzeugenschaft hochhielt – ihr stets eine subjektive (oder gar eigene) Note hinzufügen wollte und dies auch vermochte.
Vortrefflich lässt sich das nicht nur in den längst wiederaufgelegten und bereits vergriffenen Fotobänden wie »Cologne intime« oder »Unter Krahnebäumen« erkennen, sondern auch in der derzeit laufenden Ausstellung im Neubau des Kölner Stadtarchivs: »Chargesheimer fotografiert Jazz«.

Chargesheimer: Gigi Campi und Freunde

Der Titel verrät es: Die Bildwelten sind jene des Jazz. Fotograf wie Künstler*innen lebten und wirkten unter ähnlichen Zuständen. Die Nachkriegsgesellschaft empfand sie als laut, provokant – irgendwie schick, aber nicht artgerecht für die Zeit des Vergessens und des Wiederaufbaus. In die Phase des Wirtschaftswunders passten weder die Bilder des Lumpenproletariats noch die aufmüpfige Musik jener, die nun von Besatzern, KZ-Überlebenden und Widerständlern gespielt wurde. Aber wie so oft, boomte gerade bei der jüngeren Generation alles, was den Rest der Gesellschaft störte. Aus dieser Gemengelage ergibt sich eine Liasion, die innig war, aber nie zur amour fou wurde. Chargesheimer knippste viel und häufig, wenn Jazz gespielt wurde. Seine Bilder zeigen trotzdem eine gewisse Distanz: Er war nicht verzaubert aber dennoch in den Bann gezogen. 

Nichtsdestotrotz ist die Eröffnung des Stadtarchivs im Schatten des Amtsgericht an der Luxemburger Straße durch diese Ausstellung – der Neubau des Archivs ist schon länger in Betrieb, »Chargesheimer fotografiert Jazz« aber die erste öffentliche Präsentation – eine späte Ehre, die neues Licht auf die bis dato selten gezeigten Fotografien wirft. Für uns als King Georg-Besucher*innen und Jazz-Fans kommt das Sujet der Fotografien natürlich entgegen: Die ausgestellten Bilder gehen aber weit über eine bloße Darstellung von Jazz-Musiker*innen bei der Arbeit hinaus.

Chargesheimer, Jazz, Köln

Im Foyer des in Holz, Glas und Beton gehüllten und ganz ansehnlichen Neubaus geht es durch einen kleinen Parkour an Abzügen, Original-Exponaten wie Kamera oder Schallplatten-Cover und historischen Einordnungen. Mit Einleitungen, Erklärungen und Geschichten wird nicht gegeizt. Kaum mal kommen die Foto-Abzüge alleine zum Wirken. Das brauchen sie auch gar nicht. Mit sanfter Hand verknüpft die Ausstellung nämlich die Geschichte der Stadt Köln nach dem Zweiten Weltkrieg, die ansässige Jazz-Szene und ihr Wirken in den 50er und 60er Jahren und eben die bisweilen eigenwillige Arbeitsweise und Motivfindung des Kölner Fotografen. Wer so viel zeigen möchte, der muss auch viel erklären.
Das Publikum wird herangeführt an die großen Stars des Jazz (Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Billie Holliday etc.), aber auch an die kleineren wie Hans Koller oder Attila Zoller, die für die deutsche Jazz-Szene unfassbar wichtig waren, zugegeben aber vor allen Dingen Jazz-Afficinados ein Begriff sind.
Und selbstverständlich taucht auch der große Pierluigi Gigi Campi auf. Wie auch sollte eine Ausstellung über Jazz in Köln ohne den Sohn italienischer Auswanderer auskommen; ohne den feingeistigen Geschäftsmann, der den Spagat zwischen Eis- und Milchdiele auf der einen Seite, und einer international beachteten Jazz-Bar andererseits, meisterte – und Köln zu einem Zentrum des Cool Jazz machte.

Der findige Campi

Der findige Campi ist nicht bloß Motiv, sondern auch Anlass zahlreicher Fotografien. Er verstand, dass Chargesheimers Ansatz und Auge seinesgleichen suchte, und mit den verehrten Fotografien von Francis Wolff locker mithalten konnten. So buchte er ihn das ein oder andere Mal für Konzerte oder Studioaufnahmen für das Campi-Label »Mod Records«.
Denn Chargesheimer fotografierte nicht bloß Jazzer beim Jazz-Spielen; das vermochten viele. Nein, er suchte eine Essenz dessen, was die Künstler*innen ausmachte. Und neben einigen Fotomontagen, erkennen wir vor allen Dingen eine Isolations-Technik, die Chet Baker oder Sidney Bechet immer wieder aus dem Dunkeln des Hintergrunds wie leuchtende Geister auftauchen lässt. Den vornehmlich in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder kommt immer wieder etwas Unheimliches zu. Nicht der Akt, sondern der Moment der Verausgabung wird hier eingefangen – auf und hinter der Bühne. So werden viele Bilder zu Kippfiguren: Hier der Ruhm, die Ehre und der schöne Schein; da die Einsamkeit, die Dämonen und kaputte Seelen. 
Das ist aber nicht alles: »Chargesheimer fotografiert Jazz« ist keine Begräbnis-gleiche Veranstaltung. Sie lebt eigentlich eher durch ihre lichten Momente.

Begeisterung und Zukunftsgläubigkeit

Nämlich dann, wenn sich eben darstellen lässt, wie Köln es nach dem Krieg schaffte – ganz ohne amerikanische Besatzung, die einen enormen Markt- und Talentvorteil mit sich brachte, wie Wolfram Knauer in seinem Buch »Play yourself, man!« beweist – eine Jazz-Stadt von Rang und Namen zu werden. Mit virtuosen Einzelgänger-Figuren, die Eisdielen besaßen; solchen, die als Fotokünstler in der Heimat vergleichsweise wenig zählten; und anderen, die einfach nur im Bohéme auf dem Eigelstein oder dem Tabu auf den Ringen spielen wollten, also das tun, was ihnen mehr als 12 Jahre lang im NS-Regime verwehrt wurde.

Wenn man dann aus den Bildern eine Begeisterung und eine Zukunftsgläubigkeit ablesen kann, die damals in der Stadt geherrscht haben muss, dann geht eben nicht nur Jazz-Fans das Herz auf, sondern auch jenen, die Köln eng an ihrer Brust tragen. Gerne auch in inniger Hassliebe verbunden.
Sentimental ist die Ausstellung dennoch nicht, sondern stets den Bildern und ihrer Genese und Geschichte verpflichtet. Es ist eine fotografische Präsentation, alles ganz still und kein einziger Jazz-Ton zu hören. Das macht es umso spannender, wenn man erst der mittlerweile fast vergessenen Jutta Hipp tief in die Augen schaut und später in den eigenen vier Wänden eine Platte (oder bei Bedarf auch ein Internet-Video) anwirft. Wenn Bild und Klang wieder zusammen kommen.

»Chargesheimer fotografiert Jazz«, Historisches Archiv der Stadt Köln, Di, Do, Fr 9-16 Uhr, Mi bis 19.30, Eintritt Frei, bis 4. September

Text: Lars Fleischmann/ Fotos: Rheinisches Bildarchiv, Chargesheimer

Musiker*innen, Künstler*innen, DJs und andere Kulturschaffende unterhalten sich anhand von zehn ausgewählten Platten über ihre Musikleidenschaft und ihr Leben.

Zehnte Folge: Lars Fleischmann im Gespräch mit dem Musiker & Drummer Jan Philipp.

According to the motto “Onstage & Online – Every Day Live”, we will continue to show the full concert program in the video stream. We remain hyprid. Everyone can still be there as close as possible – for a fee.

Jazz and culture should happen – despite Corona. Jazz is a live experience – and it must stay that way. Live concerts are always exclusive and unique. Acoustically, visually, artistically – especially in the atmosphere of our jazz club King Georg – and this will remain unchanged.

To date, the King Georg team has done everything technically possible to reduce health risks for the audience on site. Every physical encounter that is legally permissible, we can allow with a clear conscience thanks to our comprehensive voluntary hygiene concept. But an end to Corona’s impairments and restrictions remains unforeseeable.

Therefore, we must look very seriously at the future of our jazz club, the club bar and the people affected, whether artists or staff. And that future is – at least also – digital.

New content every day: Concerts, podcasts, articles.

Our motto is: “Onstage & Online -Every Day Live”. Every day we want to offer new content – whether live on stage or on the homepage. In the form of articles, podcasts and live streams. We are on the way to becoming a “Digital Club”.

But that also means that our exclusive programming costs money. Not only is the technology expensive, we pay artists and staff to ensure their survival – government aid is a drop in the bucket.

Despite all the donations we have received so far, for which we thank you and you very much: In order for the “Digital Club” to be sustainable, we need support through a contribution for our streams. From now on, the video streams (the vast majority of which are broadcast live), which have so far been free of charge, can be obtained for a one-time fee, or by monthly or – best of all – annual subscription. Interested parties can quickly take out a subscription here. Select offer, create profile. Pay. Our Live Abo Trio is clear and inexpensive.

The annual subscription: An investment in the future All subscribers achieve several things with their commitment: they support jazz culture locally and beyond, they enable the survival of the artists and the “people around them” – and nourish the hope of a “real” live experience in the club in the future. They can directly enjoy jazz culture “as close as possible”. And, through the digital program, make it possible for those who cannot be there in analogue form due to age, illness or residence to enjoy the content.

The Live Subscription Trio

Digital content is often free: We will not be able to do that in the long run and in the future with our high-quality and exclusive video streams without you and you: Just as it is natural to pay admission for a live concert – it should be natural to pay for a streamed concert.

As the name Live Abo Trio suggests, there are three different variants. We especially recommend the annual subscription to anyone interested: it costs 120 euros, the equivalent of five to six concerts in the club – and the return is at least more than 60 exclusive concerts per year and access to our archive, which also already includes more than 300 concerts since April 2020.

The articles on the website as well as the podcasts from the King Georg Jazzcast and Klubcast series are still freely available. All music lovers can support the continuation of this program by subscribing to it. The offerings of our website have developed rapidly over the past year. King Georg 2.0 quickly became King Georg 2.1 and 2.2 and with your support we were well prepared for the demands of the future.

We love jazz, and we want to make it possible for all of us to experience it live. There is no more intense musical experience than a jazz concert. Straight Ahead & more. We don’t want to miss that. We want to offer the best entertainment on a permanent basis. With the many jazz concerts during the week, an ambitious club bar program on the weekends including DJ sets and readings – and with the possibility to enjoy all this analog and digital.

Welcome to the “Digital Club” King Georg,

And: We look forward to your personal visit as well.

Your Team King Georg

PS: Of course, donations are very much appreciated as well. Please send any payment to our sponsoring association “Cologne Jazz Supporters e.V” –
bank details: IBAN: DE40 3705 0198 1931 7286 02 – BIC: COLSDE33xxx

Die Saxofonistin kämpfte 25 Jahre gegen Parkinson.


Barbara Thompson / Foto: Martyn Goddard

Die englische Saxofonistin Barbara Thompson wurde in Deutschland vor allem durch íhre Mitwirkung im United Jazz & Rock Ensemble ab Ende der 1970er Jahre bekannt. Zuvor hatte sie bereits in Großbritanien in verschiedenen Fusion Bands mitgewirkt und ihre eigene Band Paraphernalia gegründet, hier 1979 beim Bracknell Jazz Festival:

Sie arbeitete auch intensiv als Komponistin, u.a. für Filme und mit Andrew Lloyd Webber an „Cats“ und anderen Werken. Die BBC erstellte 1979 eine Dokumentation über Barbara Thompson und Ihren Ehemann, den Schlagzeuger Jon Hiseman, unter dem Titel „Jazz Rock and Marriage“:

Die beiden schlossen sich schon 1977 den Pianisten und Komponisten Wolfgang Dauner an bei der Gründung des United Jazz & Rock Ensemble. Dies war keine normale Fusion Band, sondern eine Band der Bandleader mit einigen herausragenden Jazz-Musikern wie Posaunist Albert Mangelsdorff, Saxofonist Charlie Mariano, Trompeter Ack van Rooyen, Bassist Eberhard Weber und Gitarrist Volker Kriegel. Hier im Konzert im Theaterhaus Stuttgart 1986:

Das Ensemble bestand bis 2002. Es wurde 2012 in veränderte Besetzung wiederbelebt, aber ohne Barbara Thompson.

1997 wurde bei Barbara Thompson Parkinson diagnostiziert. Sie wollte sich von der Krankheit so wenig wie möglich einschränken lassen und trat weiterhin öffentlich auf. Dies ist in der bewegenden BBC-Produktion „Playing against Time“ von 2012 dokumentiert:

Jon Hiseman starb 2018. Am 9. Juli 2022 ist auch Barbara Thompson im Alter von 77 Jahren nach langem Kampf gegen die Parkinson-Krankheit verstorben.

Text: Hans-Bernd Kittlaus, Foto: Martyn Goddard

Musiker*innen, Künstler*innen, DJs und andere Kulturschaffende unterhalten sich anhand von zehn ausgewählten Platten über ihre Musikleidenschaft und ihr Leben.

Zehnte Folge: Lars Fleischmann im Gespräch mit dem Journalisten, Autor und Musikliebhaber Felix Klopotek.

Der Kompositionswettbewerb des Cologne-Jazz-Supporters e.V. (CJS) für Jazzer aus NRW hat auch im dritten Jahr ein überwältigendes Echo gefunden. Nun stehen die Preisträger*innen fest.


Cologne Jazz Supporters zeichnen Jazz-Komponisten aus

Die dritte Ausgabe des Kompositionswettbewerbs des Cologne Jazz Supporters e.V. (CJS) für Jazzer aus NRW hat mit 40 Einreichungen erneut ein starkes Echo gefunden. Nun stehen die Gewinner fest.

Der erste Platz geht an das Stück „Kafka Tamura“ von Sebastian Gahler. Der Düsseldorfer Pianist spielt seit vielen Jahren erfolgreich mit eigenen Bands, insbesondere mit seinem Trio. Die Komposition wird das Titelstück seiner in Kürze erscheinenden neuen CD.

Die Komposition „Medianto“ von Marcus Bartelt liegt auf Platz 2. Der Baritonsaxofonist ist seit vielen Jahren Teil der Kölner Szene und spielt in verschiedenen eigenen Formationen wie auch in der erfolgreichen Band DePhazz. Er ist Gründungsmitglied des Cologne Contemporary Jazz Orchestra.

János Löber gewinnt mit seinem Stück „Something in Reserve“ den dritten Preis. Der junge Trompeter war Mitglied des BuJazzO und lebt und arbeitet nach seinem Studienabschluss an der Hamburger Musikhochschule in Köln.

Der Wettbewerb ist mit Geldpreisen von € 1.500, € 1.000 und € 500 plus Auftritten im Kölner King Georg Klub dotiert. CJS-Vorstandsmitglied Hans-Bernd Kittlaus: „Obwohl die meisten MusikerInnen dank der besseren Corona-Situation inzwischen viel mehr zu tun haben als in den Vorjahren, hatte der Wettbewerb wieder eine erfreulich hohe Zahl von Einreichungen. Das ist ganz im Sinne des CJS, der sich als gemeinnütziger Verein der Förderung des Jazz in Köln und Umgebung verschrieben hat.“

Martin Sasse, Vorsitzender der Jury: „Die Jury hat wie immer blind bewertet. Die Qualität der Mehrzahl der eingereichten Kompositionen ist beachtlich.“ Jury-Mitglied Charlotte Illinger: „Es war sehr anregend, so viele gute Kompositionen zu hören. Das hat es schwer gemacht, eine Auswahl zu treffen. Am Ende haben mich die drei Gewinner-Kompositionen am stärksten berührt.“ Jury-Mitglied John Goldsby: „Es ist inspirierend, all diese großartigen, frisch geschaffenen Kompositionen zu hören, die von der starken Jazzszene zeugen, die wir hier in NRW haben. Herzlichen Glückwunsch an alle, die teilgenommen haben!“

CJS-Vorsitzender Dr. Jochen Axer ist auch Betreiber des King Georg Jazz Klubs: „Die Qualität und Breite der Kompositionen ist toll. Wie in den Vorjahren werden wir viele TeilnehmerInnen des Wettbewerbs zu Konzerten ins King Georg einladen.“

Die Preisverleihung wird im King Georg Jazz Klub mit Publikum stattfinden und als Livestream übertragen. Der Termin wird in Kürze bekanntgegeben.

Foto: Fabian Stürtz




 

Der Song ist ein Klassiker aus den 60er Jahren, wieder einmal aus einem Musical (»Bye Bye Birdie«), geschrieben von Charles Strouse (Text: Lee Adams) und nicht weniger als bislang 79mal durch Künstler gecovered. Im King Georg freuen wir uns am 29.6. auf Benny Benack III, dessen Version in der Besetzung mit Christian McBride (Bass) Ulysses Owens Jr (Drums) und Takeshi Ohbayashi (Piano) wir deshalb nach vorne stellen. Er ist einer der US-amerikanischen Künstler, die in der Tradition des American Songbook stehen und Gesang und Instrument (hier Trompete) in großartiger Weise verbinden. Als jemand, der einer Musikerfamilie des Jazz über Großvater und Vater entstammt, hat eine Botschaft: Menschen an den Jazz heranführen, Lust auf Mehr machen, Standards und Contemporary Music verknüpfen. 

Seine Gastrolle (ab 8:30 min) im Mai 2021 bei Emmet Cohen, an dessen Konzerte im King Georg wir uns mit großer Freude erinnern, macht sehr deutlich, mit welcher Spielfreude hier eine junge Generation performt.

0:00 Billy Boy (tradtl., A. Jamal; Garland) 

8:28 Introduction of the Band 

10:30 On the Trail (from the Grand Canyon Suite) (Ferde Grofé) 

24:45 On the Street Where You Live (F. Loewe, A.J. Lerner) 

33:41 The Tennessee Waltz (PW King, R. Stewart)

42:21 Toast to Lo (E. Cohen) 

55:12 When a Man Loves A Woman (C. Lewis, A. Wright) 

1:05:42 To Beat or Not to Beat (Horace Silver) 

1:18:08 ‘Round Midnight (Thelonius Monk) 

1:29:33 Put A Mask on Your Face (B. Benack III) 

1:38:50 Bags’ Groove (Milt Jackson) 

1:51:20 Birthday send-of

Wer mehr über Benny Benack hören will, dem sei das lange Gespräch aus dem Podcast Judy Carmichael´s Jazz Inspired bei Spotify empfohlen (Folge April 2021)


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Der Schweizer Saxofonist François de Ribaupierre ist aus der Kölner Jazz-Szene nicht wegzudenken.


François de Ribaupierre


Auch mit dem Abstand von mittlerweile 14 Jahren wirkt der Einstieg in »Shades of Silence« des François de Ribaupierre Trios wie ein Türöffner in eine neue, eine eigene Welt: Spontan und voller Spielfreude legt der Eidgenosse, der schon länger in Köln beheimatet ist, mit dem Saxofon los, bevor Volker Heinze am Bass und Marcus Rieck an den Drums einsteigen. Leicht swingy, zuzeiten karnevalesk (mit bestimmten Blickkontakt nach New Orleans), womöglich sogar der ein oder andere Latin-Einfluss – ganz ist das nicht zu bestimmen, was hier so wunderbar antreibt. Es ist aber energiegeladen, nicht überpotent, sondern wie ein beschwingter Vorabendtee oder -Sekt, je nach Laune. Wenn sich dann Rieck im Schlagzeug-Solo mit einladender Tom-Stimmung und dezentem Einsatz der Becken in einen südatlantischen Rausch spielt, verliert sich »Who’s Next«, der Opener eben jenes Albums, komplett in Zeit und Raum.

So unverzüglich wie der Einstieg in diesen Smaragd der jüngeren Jazz-Geschichte, so früh kam auch das Interesse des jungen François de Ribaupierre. Zuhause in Lausanne stolperte er als Jungspund über die Plattensammlung seines Vaters, war sofort begeistert von der Jazz-Musik, die er da hörte. Sowas wolle er auch spielen, sagte er sich. Begann dann am Klavier, nahm bald die Klarinette dazu, lernte sechs Jahre an der Schule und versuchte sich in etlichen Bands. Mit 19 kam dann das erste Tenorsaxofon dazu. Dennoch schaute er sich weiter um, versuchte sich in einem Studium der Germanistik und Geschichte – ein wenig humanistische Bildung hat noch niemandem geschadet -, ging dann aber doch »all-in« und bewarb sich an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz. Seitdem ist de Ribaupierre nicht mehr aus der hiesigen Jazz-Szene wegzudenken.

Ein erster, größerer Knall war selbstverständlich das innovative, aufsehenerregende Gruppengefüge, das sich aus dem gemeinsamen Studium ergab: zusammen mit Christian Torkewitz, Gerit von Stockhausen, Alexander Reffgen und André Cimiotti gründete er das Cologne Saxofone Quintet. Da lohnt es sich nochmal reinzuhören:

Mit einem astreinen Cover des Vanessa Williams Klassikers »Save The Best For Last« zeigen sich die fünf Holzbläser (die hier den amerikanischen Fusion-Star Bob Mintzer featuren) von einer fast schon romantischen Seite. Offen für Pop- und Soul-Einflüsse extrahieren sie die jazzy Essenzen des Chartstürmers und spielen in der sonderbaren Formation die verschiedenen Ebenen zusammen und im beständigen Austausch. Es ist eine Kommunikation der außergewöhnlichen Art, ein Gespräch, eine Diskussion, die dann im unisono mündet.

Im Weiteren folgten verschiedene Engagements in Köln und europaweit. So spielte er nicht nur mit Terrence Ngassa auf dessen Jazzpreis dekorierten Stück »Ngassalogy«, sondern auch zusammen mit der WDR Big Band – und in etlichen Locations landein, landaus.
2021 wurde seine Komposition »A Foggy Day in Lockdown Town« beim Kompositionswettbewerb des Cologne Jazz Supporters e.V. prämiert. 
Zur gleichen Zeit entstanden auch die Stücke, die de Ribaupierre nun im King Georg vorstellen wird. Zusammen mit seinem Langzeit-Kollaborateur Volker Heinze am Kontrabass und Rolf Marx an der Gitarre geht es dann in empfindsame Gefilde: »Lune De Jour«, also ein Mond, der bereits tagsüber aufgeht; nach diesem Motiv ist das Programm benannt.

Ebenso wie seine preisgekrönte Komposition entstand »Lune De Jour« dementsprechend in Zeiten der weltweiten Corona-Pandemie und damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen, die sich im Alltag als Lockdown, Home-Office, Konzertabsagen und Hygiene-Maßnahmen wie Maskenpflicht und AHA-Regeln manifestierten; zugleich aber gerade Musiker*innen und Künstler*innen allgemein die Chance boten abseits permanenter (Re-)Präsentationspflichten zur Einkehr zu kommen. In diesen kontemplativen Zeiten sind konzentrierte Werke entstanden, die François de Ribaupierre im King Georg präsentieren wird.

Text: Lars Fleischmann, Foto: Gerhard Richter

Vielleicht ist traumwandlerisch die beste Beschreibung für die Musik von C.A.R. Ähnlichkeiten mit legendären Bands der Popgeschichte sieht man durchaus selbst – aber sehr gelassen.

C.A.R.

Manchmal sind die Ähnlichkeiten so frappierend, dass man gar nicht mehr weiter darüber nachdenkt, ob es überhaupt welche sind.
Wer die Monumentalband des deutschen Krauts, CAN, im Hinterkopf hat, der wird ohne Frage leicht Verbindungen zur Kölner (und Berliner) Projekt C.A.R. ziehen können. CAN – CAR.

C.A.R. sind dennoch nicht bloß Apologeten des besten Kölner Exportprodukts, seit Johann Maria Farina das Kölnisch Wasser erfunden hat. Das wäre auch gar nicht möglich, wie Johannes Klingebiel, Drummer und verantwortlich für die meisten Tracks der Band, sagt: »Wir wollen und können das gar nicht reproduzieren, was CAN damals gespielt haben. Ich bin zum Beispiel ein ganz anderer Typ Drummer als es Jaki Liebezeit war. Selbst wenn ich wollte, würde etwas unterschiedliches entstehen.«
Ganz klar: C.A.R. sind eine Band, die einen eigenen Sound hat, ein eigenes Gefühl für Timing und Atmosphäre – und daran in den elf Jahren ihres Bestehens auch kontinuierlich gearbeitet hat. Wobei sich in den luftigen Settings und transparenten Tracks sich nur ganz bedingt etwas wie »Arbeit« anhört. Gerade auf ihrem letztjährigen Neuling »Any Percent« geht der Band der eigene Sound so locker aus den Fingern, dass sie selbst in traumhafte Gründe abrutscht.
Kein Wunder also, dass man gerade erst beim Achtbrücken-Festival ein Programm spielte, das sich mit den Bewusstseinszuständen im Prozess des Einschlafens auseinandergesetzt hat.

»Am Anfang war alles sehr wild. Laut, verzerrt, schnell … viele Effekte«

Vielleicht ist »traumwandlerisch« auch die beste Vokabel, um die Musik zu beschreiben, die C.A.R. spielen. Andere Genrebezeichnungen können durchaus passen – die Bezüge zu Kraut und Jazz sind offensichtlich -, dennoch haben sie einen charakteristischen Sound entwickelt, der sich nur schwer einengen lässt. Es gibt starke Verbindungen hin zu Soundtrack-Klängen, zu melancholischem Indie-Jazz, sogar zu den (atmo-)spärischen Stücken von Bohren & der Club of Gore und anderer Doom-Jazz-Bands.

Warum sie so wesensgemäß klingen, hat auch mit ihrer Geschichte als Band und Musikern zu tun: Alle vier Mitglieder, neben Johannes Klingebiel sind das Leonhard Huhn (sax), Christian Lorenzen (keys) und Kenn Hartwig (bass), studierten einst gemeinsam an der Hochschule für Musik und Tanz. Pünktlich zum Diplomkonzert des Drummers Klingebiel und des Bassisten Hartwig gründete man die Combo. Klingebiel erinnert sich: »Wir kannten uns alle aus dem Studium, da man auf Grund des kleinen Jazz-Studiengangs eh einen Überblick hat mit wem man studiert. Und auch weiß, mit wem man klickt und mit wem nicht.« So habe sich die Band nach dem Konzert auch nicht aufgelöst, sondern einfach weitergemacht. »Am Anfang war alles sehr wild. Laut, verzerrt, schnell, viele Effekte“, erzählt er weiter, „das hat sich aber nach und nach gewandelt zu dem Sound, den wir heute machen.

C.A.R. live im King Georg, 2020, Teil 1


Wer nun eine der fünf erhältlichen Platten auflegt, oder ein Konzert besucht, der erlebt etwas anderes.  Jazz sticht manchmal durch, obwohl man, wie Huhn klarstellt, »mittlerweile sehr weit weg ist von der Idee: Da ist ein Jazz-Quartett und das spielt nun ein Konzert!« Vielmehr habe sich über die Ablehnung der Diktate aus dem Studium, die sie stets genervt hätten, ein eher intuitiver Entwurf herauskristallisiert. Statt der Band, die den Grund legt und den Solis, die »darüber genagelt werden« (Klingebiel), spiele man jetzt in einem anderen, gemeinsamen Jam, wo jeder Bandgefüge sei und sein eigenes Ding spielen könne. So entstehe etwas anderes.

Dieses andere ähnelt dann eben den Ahnen von CAN. Leonhard Huhn sieht die Parallelen – aber gelassen: »Irmin Schmidt und Holger Czukay von CAN haben auch in Köln studiert – bei Karlheinz Stockhausen. Und dann mit ihrem Wissen aus dem Studium wiederum einen anderen Sound spielen wollen.« Man komme auch nach fast 60 Jahren, die dazwischen liegen, zu ähnlichen Ergebnissen. Das sei vielleicht der Gang der Dinge, der sich eben mit einigem Abstand wiederhole.

C.A.R. live im King Georg, 2020, Teil 2

Was aber unverkennbar an der neuen Kölner Traditionslinie sei: Die Errungenschaften elektronischer Musik sind wie selbstverständlich inkorporiert. Gerade Klingebiel, der auch als DJ, Produzent und Labelmacher auftritt, besitzt ein Wissen und Gefühl für Synthesizer-Settings und -Sounds, für aktuelle Entwicklungen und Verknüpfungen – wie man sie zum Beispiel auch von international sehr erfolgreichen Combos wie dem Portico Quartett oder Go Go Penguin kenne. Oder eben erst aus dem letzten Jahr als die Saxophon-Legende Pharoah Sanders mit dem englischen Elektro-Tüftler Floating Points eine viel gefeierte und prämierte LP ablieferte.

Bei C.A.R. gibt es darüber hinaus diese idiomatische Note, die man als psychedelisch bezeichnen muss. Diese habe sich, so bestätigt die Band, wie von selbst entwickelt – während der gemeinsamen Jams, die eben nicht angeleitete sind und somit Platz lassen für die jeweiligen Interessen und Vorlieben der einzelnen Mitglieder. Wie schon andere Bands in den letzten 30 Jahren lassen sich die vier Musiker von C.A.R. an ihren rheinischen Vorgängern messen – gleichzeitig nutzen sie es, um sich der eigenen musikalischen Positionen und Ausdrücke zu versichern und immer wieder in Kontakt mit der eigenen Sprache zu treten. Das geht gerne auch Hand in Hand: »Any Percent« nahm man zusammen mit René Tinner auf, dem Schweizer Tonmeister und Produzenten, der das CAN-Studio in Weilerswist leitete und einer der wichtigsten Architekten des rheinischen Krautklangs war.

So ist sichergestellt: Auch in ein oder zwei Jahrzehnten werden sich Bands aus dem Rheinland mit Vorgängern auseinandersetzen müssen. Diese heißen dann eben C.A.R. – Kölner Traditionen 2.0.

Text: Lars Fleischmann. Foto: Frederike Wetzels

Das ist sicher eines der bekanntesten Themen der Musik- und Filmgeschichte. Und hier kann ich starten mit einer Kombination der Musik mit Filmschnipseln aus dem 1987– und das Saxofon-Solo spielt niemand anders als Don Menza, der uns am 7. Juni im King Georg die Ehre gibt.

Gleichzeitig gilt die Ehre natürlich wie immer dem Original mit dem Saxofon-Solo von Plas Johnson. Hier das Original als Audio mit einigen weiteren hörenswerten Stücken von Henry Mancini…

00:00 The Pink Panther Theme 
02:39 It Had Better Be Tonight (Instrumental) 
04:26 Royal Blue 
07:39 Champagne And Quail 
10:28 The Village Inn 
13:06 The Tiber Twist 
15:58 It Had Better Be Tonight (Vocal) 
17:58 Cortina 
19:55 The Lonely Princess 
22:25 Something For Sellers

25:14 Piano And Strings 

27:51 Shades Of Sennett

Und als Video eine Aufnahme mit der Terry Gibbs Band mit Henry Mancini am Piano und Plas Jonsohn am Saxofon

Unter all den berühmten Musikstücken Henry Mancinis dürfte »The Pink Panther Theme« vermutlich den Spitzenplatz einnehmen, was Bekanntheit und Wiedererkennungswert betrifft. Das jazzige Titelstück aus Blake Edwards‘ Komödie um den tolpatschigen Inspektor Clouseau und den englischen Meisterdieb Sir Charles Lytton ist ein Klassiker der Filmmusikgeschichte. Es wurde zudem als Eingangsmelodie für die aus dem Vorspann des Films hervorgegangene Zeichentrickserie genutzt, die über Jahre hinweg im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, und machte Generationen von Kindern mit Mancinis Musik bekannt.

Henry Mancini wurde für »The Pink Pantherv Theme« mit drei Grammys ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.

Denn zu deren Geburtszeiten erblickte auch dieser Boadway-Song aus dem Musical »Everybody´s Welcome« das Licht der Welt: 1931 von Herman Hupfeld, bekannt geworden 1942 durch den Film-klassiker »Casablanca«. Man mag gar nicht die beste Version auswähle, so oft ist der Song gespielt worden. Neben Frank Sinatra:


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.