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Der Kompositionswettbewerb des Cologne-Jazz-Supporters e.V. (CJS) für Jazzer aus NRW hat mit 60 (!) Einsendungen ein überwältigendes Echo gefunden. Die Jury mit den renommierten Musiker*innen Martin Sasse, Theresia Philipp und John Goldsby war begeistert von der Qualität der eingereichten Kompositionen. Nun stehen die Gewinner*innen fest.


Jerry Lu

Der erste Platz des CJS Kompositionswettbewerbs geht an das Stück »Perspective« von Jerry Lu.

Der junge Pianist wird in diesem Jahr sein Master-Studium an der Kölner Musikhochschule abschließen. Er hat sich bereits als Musiker etabliert und schon einige Preise als Pianist gewonnen, dies ist sein erster als Komponist. 

Die Komposition »Frida Kahlo« von Kristina Brodersen liegt auf Platz 2.

Die Saxofonistin ist seit langem in der deutschen Jazz-Szene etabliert und auch international erfahren. Sie hat schon einige CDs unter eigenem Namen herausgebracht.

Marcel Tusch gewinnt mit seinem Stück »Minkus« den dritten Preis.

Der Pianist ist seit vielen Jahren als Musiker und Komponist im In- und Ausland tätig und hat bereits 4 CDs veröffentlicht. Er betreibt in Köln eine Musikschule.    

Alle Preisträger*innen kommen aus Köln. Der Wettbewerb ist mit Geldpreisen von € 1.500, € 1.000 und € 500 plus Auftritten im Kölner King Georg dotiert. Der Vorstand der CJS zeigt sich sehr zufrieden.

Jochen Axer un Hans-Bernd Kittlaus im Gespräch


Vorsitzender Dr. Jochen Axer: »Die CJS haben sich als gemeinnütziger Verein der Förderung des Jazz in Köln und Umgebung verschrieben. Mit diesem Wettbewerb wollen wir Musiker*innen mehr Sichtbarkeit geben und in dieser schwierigen Corona-Zeit helfen. Wir freuen uns, dass die Musiker*innen den Wettbewerb so gut angenommen haben und dass er so viele gelungene Kompositionen hervorgebracht hat.“ 

Hans-Bernd Kittlaus, 2. Vorsitzender: »Selbständige Jazz-Musiker*innen sind wirtschaftlich besonders schwer von den Corona-Restriktionen betroffen. Mit dem Wettbewerb wollten wir ihnen einen Anreiz geben, die freie Zeit produktiv zu nutzen, und auch zumindest einigen durch die Geldpreise und bezahlten Auftritte finanziell zur Hilfe kommen. Die CJS würden sich freuen, neue Mitglieder und Spender begrüßen zu können, damit wir diesen Kompositionswettbewerb regelmäßig durchführen können.« 

Viele Shows im King Georg

Dr. Jochen Axer ist auch Betreiber des King Georg samt Jazz-Club und Klubbar: »Wir können nur drei Preise vergeben, aber es waren unter den eingereichten Stücken deutlich mehr, die uns berührt haben. Daher werden wir über die Preisträger*innen hinaus weitere Teilnehmer*innen zu Konzerten ins King Georg einladen.« 

Die Preisverleihung wird am 4. August 2020 im King Georg Jazz-Club stattfinden. Preisverleihung und anschließendes Konzert von Jerry Lu im Duo mit Saxofonist Stefan Pfeife-Galilea werden im Live-Stream übertragen.

Live-Fotos der Gewinner*innen und Porträts von Martin Sasse und John Goldsby: Gerhard Richter. Porträt Theresia Philipp: Tino Kukulies

Hans-Bernd Kittlaus zur Idee hinter dem neuen Kompositionswettbewerb. Und die Jury-Mitglieder John Goldsby und Martin Sasse im Gespräch mit Jochen Axer über die baldige Entscheidung.


Worum es beim CJS-Kompositionswettbewerb geht, der ins Leben gerufen wurde, um Jazz-Musiker*innen während der Corona-Krise zu unterstützen: Es durften neue, das heißt noch nicht veröffentlichte und/oder öffentlich gespielte und/oder auf Tonträger veröffentlichte Jazz-Komposition von Jazz-Musiker*innen mit Wohnsitz in NRW eingereicht werden. Die drei Gewinner*innen erwarten Preise in Höhe von 1.500, 1.000 und 500 Euro plus Auftritte im King Georg (solo bis Quartett).

Die Jury, die sich aus Martin Sasse (Vorsitzender), Theresia Philipp und John Goldsby zusammensetzt, steht seit dem Einsendeschluss vor einer so reizvollen wie schwierigen Aufgabe: Aus 60 hochkarätigen Einsendungen die drei besten drei zu wählen, die in den Bewertungkriterien vorne liegen: Qualität der Komposition für Jazz-Aufführungen, insbesondere melodische  Qualität. Die Bekanntgabe erfolgt nächste Woche. Doch zunächst stehen die Juroren Martin Sasse und John Goldsby Jochen Axer im Gespräch Rede und Antwort.

Außerdem Hans-Bernd Kittlaus und Jochen Axer von den Cologne Jazz Supporters im Gespräch zu den Hintergründen:

Jazz ist immer spannend, manchmal Kopfsache, besser für mich aber pure Emotion. Und so mag ich gerne lockere Swing-Stücke, die fröhlich stimmen. Wenn man dann noch spürt, dass die Musiker selbst bester Laune sind, dann macht das Zuhören und Zusehen Spaß.  Der Jazzstandard C Jam Blues ist durch Duke Ellington bekannt geworden, der in den 1960er und 70er Jahren oft mit diesem Stück die Konzerte eröffnete. Es stammt von dem Klarinettisten Barney Bigard, der es 1941 schrieb und zu Dukes Big Band gehörte, und ist in ganz unterschiedlichen Versionen und von vielen Künstler*innen gespielt und aufgenommen worden. Unter dem Stichwort der »Freude« habe ich die Version von Oscar Peterson mit Ray Brown (Bass) und Ed Thigpen (Drums) aus dem Jahr 1964 ausgesucht.

Aber auch die Aufnahmen mit Duke Ellington selbst, nachdem er das Stück mit Text unterlegt hatte, »Duke´s place«, können sich sehen lassen.

Einmal mit Louis Armstrong (tp), Barney Bigard (cl), Trummy Young (tb), Mort Herbert (b) und Danny Barcelona (dr) im Jahr 1961:

Und hier mit Ella Fitzgerald und Cootie Williams (tp), Johnny Hodges (as), Jimmy Hamilton (cl), Paul Gonsalves (ts), Jimmy Jones (p), Grady Tate (dr) aus dem Jahr 1966:

Das alles ist großes Entertainment und macht beste Laune.

Zum Abschluss noch eine Doppel-Piano-Zugabe des damals 79jährigen Oscar Peterson mit Oliver Jones, »Just Friends« zum Thema Spaß und Freude und Emotion (Montreal Jazz Festival 2004).


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Auch dieser Lieblingssong ist ein Klassiker – und vielleicht ordnet man ihn heute gar nicht mehr dem Jazz zu. So hat er etwas gemeinsam mit Sarah Vaughan, die sich nie verorten ließ und trotzdem für mich – und natürlich viele andere – eine der großartigsten Stimmen des Jazz hatte. Deshalb habe ich ihre Version des Songs aus dem Jahr 1954 ausgewählt in der Fassung mit dem Clifford Brown Sextett ( Clifford Brown – trumpet,  Paul Quinichette – tenor saxophone,  Herbie Mann – flute,  Jimmy Jones – piano,  Joe Benjamin – bass, Roy Haynes – drums) . In besagtem Jahr trat sie auch mit großem Erfolg auf dem Newport Jazz Festival auf.

Die 1924 geborene und 1990 verstorbene Sarah Vaughan steht für mich durchaus neben Ella Fitzgerald oder Billie Holiday. Sie startete in den New Yorker Jazzclubs und landete ihren ersten »Hit« 1947 mit »Tenderly«, auch das eine mehr als bekannte Melodie, hier in einer Aufnahme aus 1058 mit Ronnell Bright (piano), Richard Davis (bass), und Art Morgan (drums).

Sarah Vaughan war hoch anerkannt und gewann etliche Auszeichnungen, produzierte dann aber auch jede Menge kommerzielle Pop-Balladen der 50er Jahre – oder jedenfalls auf der Grenze zwischen Jazz und populärer Musik.

Ihren kommerziell größten Erfolg erreichte sie 1959 mit dem Song »Broken Hearted Melody«

Aus dieser erfolgreichen Zeit stammt auch die Aufnahme von 1964 bei einer Europa-Tournee, mit »Misty«, einem Song von Erroll Garner (mit Kirk Stuart (piano), Charles »Buster« Williams (bass), and Georges Hughes (drums).

Nach schwächeren Jahren kehrte Sarah Vaughan in die Spitze der Jazzsängerinnen in den 70er und 80er Jahren zurück. Dazu noch eine Aufnahme aus 1981 mit George Gaffney (piano), Andy Simpkins (bass) und Harold Jones (drums) mit dem ebenfalls sehr erfolgreichen Song »Send In The Clowns«

Nicht nur Leonard Feather war von der Stimme mit ihrer Drei-Oktaven-Reichweite beeindruckt:  »Kürzlich hörte ich eine klassische, eine Pop- und eine Jazzsängerin. Einen Sopran, einen Contra-Alt und eine Koloratursängerin. Eine Sängerin mit der Spontaneität von Ella Fitzgerald, mit der Seele von Aretha Franklin, der Wärme von Peggy Lee und der makellosen Phrasierung von Carmen McRae. Sie waren alle in der derselben Show und sie alle waren Sarah Vaughan.«


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Videopremiere: SALOMEAs »In This Together« vom kommenden Album »Bathing In Flowers«


Rebekka Salomea

SALOMEAs Debüt-Album hatte man 2018 noch guten Gewissens in die Schublade Nu-Jazz stecken können, mit dem Nachfolger werden Genrezuschreibungen deutlich schwieriger. Die in Köln beheimatete Band um die 1991 in Herbolzheim geborene Jazzsängerin/ Komponistin hat in den vergangenen zwei Jahren offensichtlich den Weg von einer interessanten Formation aus virtuosen Einzelkönnern – außerdem: Yannis Anft (Keys), Oliver Lutz (Bass) und Leif Berger (Drums) – zu einem lebendigen Kollektiv zurückgelegt. Dessen Sound atmet, fühlt, denkt – und er entzieht sich in für die Hörer*innen überraschenden Momenten gewandt allen Erwartungen. Nur um uns an die Hand in eine noch unbekannte Sphäre zu nehmen, die bald vertraut erscheint. Da ist mehr als eine Melodie, die einen nicht mehr loslässt, mehr als ein Groove, der einen durch den Tag und durch die Nacht trägt. Am 25. September erscheint das von Ludwig Wandinger produzierte »Bathing In Flowers«, dann kann sich jede/r davon überzeugen, wie zeitgemäßer Klang und Haltung auf traditionelle Referenzen treffen.

Tanzbar, tröstlich, widerstandsfähig

Die Vorab-Single »In This Together« und das dazugehörige Video greifen nun schon eines der Grundthemen von »Bathing In Flowers« auf: die Verwandlung. Es geht in den Stücken um sehr persönliche Transformationen aber eben auch um den Flow des großen Ganzen. SALOMEAS Songs sind nicht nur schmeichelhaft, tanzbar und tröstlich in einsamen Stunden – sie wenden sich mit allem, was sie haben und nicht zuletzt in der Stimme und den Texten der Ausnahmesängerin gegen starre Positionen des Mainstreams einer verstärkt kafkaesken Welt. Ja, das kann man durchaus politisch verstehen. Es ist sozusagen eine Musik, in der antirassistische und feministische und queere Töne in allen Facetten erklingen, ohne zu Parolen zu gerinnen. Eine Tiefe und Ehrlichkeit und Widerstandsfähigkeit, die auch die intimen Passagen bestimmt, die von Krankheit, Tod und Liebe handeln. Wobei die Songs einen immer wieder umhauen, vollkommen ohne Worte – und ohne dass man dafür noch welche finden könnte.

Text: Wolfgang Frömberg, Foto: Karl F. Degenhardt

Warum heute dieser Song: Er  gehört zu den Jazz-Standards, geschrieben von Irving Berlin im Jahr 1931. Viele werden die Melodie kennen, die von etlichen Jazz-Künstler*innenn eingespielt wurden. Ich favorisiere an dieser Stelle die Variante mit Bill Evans am Piano und Lee Konitz am Altsaxophon (hier in einer Aufnahme mit Niels-Henning Orsted Pedersen am Bass und Alan Dawson an den Drums aus dem Jahr 1965 in Kopenhagen). Die Aufnahme stammt aus der großen Zeit von Evans und Konitz in der Entwicklung  vom Cool Jazz zum Modern Jazz. Und damit darf ich mich an die 70er Jahre und mein Live-Erlebnis eines Konzerts in Berlin erinnern – und dies außerdem gerade in Gedenken an Lee Konitz, der im April 2020 im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Covid19-Infektion verstarb.

Konitz  war ein wesentlicher »Cool-Innovator«, vielleicht neben Lennie Tristano, und wunderbarer Saxophonist des Modern Jazz. Ihm zu Ehren, der bis ins hohe Alter auch durch Europa tourte, hier noch eine Konzertaufnahme aus dem Jahr 2012 in Burghausen.

Bill Evans verdient natürlich einen eigenen Beitrag, deshalb kein weiteres Wort zu diesem großartigen Pianisten. Stattdessen lieber Beispiele für andere Aufnahmen von »How Deep Is The Ocean« in sehr unterschiedlichen Versionen :

Diana Krall:

Chet Baker & Paul Desmond:

Charlie Parker:

Miles Davis:

Scott Hamilton:

Ella Fitzgerald:


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Bei einem Schlagzeuger von einem Lieblingssong zu sprechen, hat durchaus einen anderen Inhalt als bei anderen Instrumentalkünstlern oder herausragenden Stimmen. Für mich waren immer die Schlagzeuger von großer Bedeutung – ihr Stil, ihr Swing, ihre Technik, ihre Emotion, ihr Drive, der in vielen Fällen für die jeweilige Band prägend war.  Einer der ersten, die mich vom Hocker rissen und mich bis heute faszinieren, war Buddy Rich auf einer Europatournee, die ihn auch nach Köln führte – das muss etwa 1970 oder 1971 gewesen sein.

Als Buddy das Handtuch warf

Dass überhaupt eine Jazz BigBand auftrat, war eher ungewöhnlich – die Beatles und deren Stil beherrschten die Szene. Ich erlebte Buddy Rich genau so, wie er noch heute kommentiert wird: als genialen »Techniker«, als Perfektionist, der aber als Star in seiner damals jungen Band keinen Zweifel daran ließ, wer der Chef war – für mich unvergessen, wie er während des Konzerts zwischen zwei Stücken sein klatschnasses Handtuch seinem Lead-Trompeter entgegenwarf, der kaum ausweichen konnte. Joachim Ernst Berendt hat dies  klug so zusammengefasst, dass »seine Bigband die spektakuläre Drum-Ästhetik ihres Leaders in wirkungsvoller Weise feierte. Die Buddy Rich Big Band produzierte Show Business im konventionellen Sinne, aber sie tat das so professionell und mitreißend, dass durchaus auch ein junges Publikum davon angezogen wurde.«

Rich war als Drummer schon als Kind ein Star und hat in seiner Karriere mit einer Vielzahl von Jazzgrößen zusammengespielt. »Duelle« mit Gene Krupa oder Max Roach sind legendär. Sein technisches und musikalisches Können, seine Allüren, sein Charisma und Showtalent machten ihn zumindest in den USA zu einem auch in den Medien sehr präsenten Musiker. Der oscarprämierte (Ton/Schnitt)  Film »Whiplash« ( USA 2014, Regie: Damien Chazelle) soll sich auch an dem Perfektionismus von Rich orientiert haben.

»Concert For The Americas«

Buddy Rich starb unerwartet im April 1987 im Alter von 69 Jahren. Der enorme Respekt Buddy Rich gegenüber mag auch daran abzulesen sein, dass fast unmittelbar nach seinem Tod eine Memorial Band gegründet wurde und über Jahrzehnte erfolgreich sein Andenken bewahrte.

Ausgesucht habe ich eine Aufnahme aus dem sensationellen »Concert for the Americas« in Puerto Rico 1982, unter anderem mit Frank Sinatra – Buddy Richs »Impossible Drum Solo«, siehe oben. Und wer sich Zeit nimmt und sich den Weg von Buddy Rich insgesamt ansehen will, dem seien die beiden Dokumentationen von Don Siegel und Rob Wallis zu den Zeiträumen 1917-1970 und 1970-1987 sehr ans Herz gelegt.

https://www.youtube.com/watch?v=XoFAiiHMhDA

Unvergessen in dem zweiten Teil wiedergegeben auch sein Auftritt in der Muppet Show (ab 38:10 min)

Sein Showtalent, aber auch sein Können spiegeln sich auch in dem Ausschnitt der Johnny Carson Tonight Show 1978.

https://www.youtube.com/watch?v=3Tx6AYk5ULc

Und seinem letzten Interview 1987:


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Er zählt seit mehr als 60 Jahren zu den Top-Pianisten der Jazz-Welt – und ist auch im hohen Alter noch aktiv. 


Ahmad Jamal

                                                                                                                           

Am 2.7.2020 ist der 90. des Pianisten und Komponisten Ahmad Jamal, der seit mehr als 60 Jahren zu den Top-Pianisten der Jazz-Welt gezählt wird und auch in seinem hohen Alter noch immer aktiv und gefragt ist.

Ahmad Jamal wurde am 2. Juli 1930 in Pittsburgh, Pennsylvania, USA, als Frederick Russell »Fritz« Jones geboren. Er konnte schon als kleines Kind Melodien nach Gehör nachspielen. Ab 7 erhielt er Klavierunterricht und wurde von den wunderbaren Jazz-Pianisten aus Pittsburgh wie  Earl Hines, Billy Strayhorn, Mary Lou Williams und Erroll Garner beeinflusst. 1950 konvertierte er zum Islam – wie es damals viele Afroamerikaner machten – und nahm den Namen Ahmad Jamal an. Ab 1951 nahm er mit seinem Trio Three Strings (Klavier – Gitarre – Bass) für das Okeh Label auf. Hier »A Gal In Calico« von 1952 (nur Audio): 

https://www.youtube.com/watch?v=cqgy79_Po3g

1957 änderte er den Sound, indem er die Gitarre durch das Schlagzeug ersetzte. Er spielte mit Bassist Israel Crosby und Drummer Vernel Fournier als Hausband in Chicago’s Pershing Hotel. Dort entstand 1958 die Live-Aufnahme, seinen USA-weiten Durchbruch bedeutete – »At the Pershing: But Not for Me«, darauf auch sein bis heute größter Hit »Poinciana« (nur Audio): 

Die LP blieb zwei Jahre lang auf den amerikanischen Jazz-Charts. Dieser Erfolg etablierte Jamal in USA. Er hat seitdem nie mehr als Sideman gearbeitet, nur als Band Leader. Und es folgte eine Kette von live aufgenommenen LPs. Sein Stil zeichnete sich dadurch aus, dass er Raum in der Musik ließ, aber auch dramatische Momente schuf durch drastische Wechsel in Rhythmus und Tempo. Miles Davis und viele andere MusikerInnen nannten ihn als Inspirationsquelle.

Hier ist er mit seinem Trio in einer Fernsehaufnahme in NYC 1960 (gemischt mit Aufnahmen von Ben Webster’s Band): 

https://www.youtube.com/watch?v=A5-RaVe2J9U

Das Geld, das er mit seinen Plattenaufnahmen eingenommen hatte, investierte er clever, u.a. in ein eigenes Restaurant »The Alhambra« in Chicago, wo er eine weitere Live-Aufnahme einspielte (nur Audio):

Die gute finanzielle Situation erlaubte ihm, sich drei Jahre lang aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen. 1964 kam er zurück mit Bassist Jamil Nasser und neuer LP »Extensions« (nur Audio): 

https://www.youtube.com/watch?v=FZYzYJ7M4H8

Er begann sich stärker auf Eigenkompositionen zu konzentrieren. Ab ca. 1970 setzte er Keyboards parallel zum Klavier ein. Seine Musik war zunehmend auf den europäischen Festivals gefragt. Hier ist er mit „Manhattan Reflections“ 1971 in Montreux (nur Audio):

Ebenfalls 1971 spielte er mit seinem Trio mit Jamil Nasser + Frank Gant in Paris:

Je mehr ab Ende der 1970er Jahre Straight Ahead Jazz wieder angesagt war, umso weniger griff er noch zu elektrischen Instrumenten. Um seinem Trio-Sound über die inherente dramatische Gestaltung hinaus mehr Abwechslung zu verleihen, begann er Gastmusiker dazu zu nehmen. Hier spielt er mit Gary Burton in Cannes 1981: 

Die Pianistin Marian McPartland lud ihn 1985 in ihre Radio-Reihe Piano Jazz ein, wo er mit ihr spielte und über seine Karriere sprach (nur Audio):

Zu dieser Zeit erlebte ich Ahmad Jamal zum ersten Mal live auf dem North Sea Jazz Festival in Den Haag und war begeistert von seiner Dynamik. Hier spielt er mit James Cammack + David Bowler in Den Haag 1989:

Zum Glück hatte ich in den letzten 35 Jahren eine Vielzahl von Gelegenheiten, ihn live zu erleben. Er trat auch immer öfter in Deutschland auf. Hier ist er mit John Heard + Yoron Israel in München 1993 

Ahmad Jamal war nie ein Anhänger des gleichberechtigten Trios. Er agierte vielmehr als wohlwollender Diktator, was auch auf der Bühne immer wieder sichtbar wurde. 1998 erzeugte er ein faszinierendes Klangbild durch die Zusammenarbeit mit Steeldrummer Othello Molineaux, hier mit James Cammack + Idris Muhammad in Poznan, Polen:

Ahmad Jamal hat über seine gesamte Karriere eine ungewöhnliche Kombination aus musikalischer Sensibilität und knallhartem Business Sense gezeigt. Ich erinnere mich an eine Ausgabe der Leverkusener Jazztage, wo Ahmad Jamal angekündigt war und auch anreiste, aber dann einen Gagenpoker startete mit dem Argument, die Fernsehaufnahme sei durch den Vertrag und die Gage nicht abgedeckt. Keiner gab nach, er trat nicht auf. 

Tatsächlich wurde er in den letzten zwanzig Jahren sehr häufig gefilmt

Mit seinem Trio mit James Cammack + James Johnson + George Coleman in Marciac 2000

Mit seinem Trio mit James Cammack + Idris Muhammad bei Jazz Baltica in Salzau 2001 

Mit seinem Trio mit James Cammack + Idris Muhammad in Grenoble 2008 

Mit seiner Band mit James Cammack + Herlin Riley + Manolo Badrena + Yusef Lateef in Marciac 2011

Mit seiner Band mit Reginald Veal + Herlin Riley + Manolo Badrena + Yusef Lateef im Olympia, Paris, 2012 

2013 luden Wynton Marsalis und das Lincoln Center Jazz Orchestra ihn und seine Band mit Reginald Veal + Herlin Riley + Manolo Badrena ins Lincoln Center, NYC, ein

Mit seiner Band mit Reginald Veal + Herlin Riley + Manolo Badrena und »Blue moon« in Marciac 2014 

Finanziell betrachtet muss er sicherlich schon sehr lange nicht mehr auftreten, will es aber immer noch. Und es ist beneidenswert, wie geistig und pianistisch frisch er noch immer wirkt. 2013 gab er ein Interview in Marciac:

2018 spielte er beim Leopolis Jazz Fest in der Ukraine mit seiner Band mit James Cammack + Herlin Riley + Manolo Badrena:

In höherem Alter nahm er gelegentlich talentierte PianistInnen unter seine Fittiche, so etwa die Japanerin Hiromi und aktuell den aserbaidschanischen Pianisten Shahin Novrasli, hier im Gespräch 2019: 

Wünschen wir dem Meisterpianisten Ahmad Jamal, dass er sich und uns diese Frische und Spielfreude noch einige Jahre erhalten kann.

Text: Hans-Bernd Kittlaus