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Ein Standard, ein Welthit, eine Jazz-Melodie, die fast jeder kennt – komponiert 1962 von Herbie Hancock im zarten Alter von 22 Jahren, gespielt mit den herausragenden Dexter Gordon und Freddie Hubbard. 

Da ich mich nie mit allzu viel Technik und musikalisch-technischen Experimenten anfreunden konnte, bleibt mein Favorit die Original-Einspielung. Gleichwohl wurde die Melodie Teil des Fusion Jazz und daher hier einige Aufnahmen von Herbie Hancock in verschiedensten Formationen – allesamt sehr unterschiedlich.

https://www.youtube.com/watch?v=OhudcqowhgU

Und als Zugabe, da es ja um den Song geht, auch noch zwei Einspielungen von anderen Gruppen, die mir durchaus auch zusagen:

Übrigens: Mit 22 Jahren hat Herbie Hancock nicht nur einen Klassiker komponiert, sondern eine ganze Reihe. Also gerne noch zwei Beispiele:

Cantaloupe Island 

Maiden Voyage (Aufnahme live München 1989)


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Lee Konitz With Warne Marsh

Ein Klassiker des Cool Jazz aus dem Jahr 1955. Hier von dem Originalalbum mit dem Namen »Lee Konitz with Warne Marsh. Ein gemeinsames Spielen zweier Freunde, ohne Druck und Angeberei, ein Altsaxophonist, ein Tenorsaxophonist und sparsame Begleitung durch Oscar Pettiford am Kontrabass. Cool – nothing more, nothing less. Und in Nachfolge des großen Lennie Tristano. Wer das Album komplett hören mag, kann dies hier tun (und hört dann auch noch Sal Mosca, Piano, Track 2, 4-6 und 8, Ronnie Ball Piano Track 7, Billy Bauer an der Gitarre und niemand geringeren als Kenny Clarke am Schlagzeug),  

Glücklicherweise hat Lee Konitz »I Can’t Get Started« auch zu späteren Video-Zeiten gespielt, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2012, in der er 84jährig das Stück interpretiert.

Optisch schon ein bisschen verändert, naja, wem geschieht dies nicht. Aber deshalb hier noch eine Aufnahme aus dem Jahr 1965 mit dem großartigen Bill Evans am Klavier und den Stücken »How Deep is the Ocean« und »Beautiful Love« – in der Besetzung mit Niels-Henning Orsted Pedersen (Bass); Alan Dawson (Drums).


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

My Funny Valentine« stammt aus dem Broadway-Musical »Babe In Arms«, komponiert von Richard Rodgers 1937.  Erst durch die Version von Chet Baker – und später Miles Davis – wurde es bekannt und zählt heute zu den Jazzstandards. 

Oben die »Kult«-Originalaufnahme von Chet Baker mit Gerry Mulligan aus dem Jahr 1952. 

Aber die – dann auch mit Videos unterlegten – Versionen aus 1987 (Tokio) in kleiner Besetzung

oder 1988 (Hannover mit der NDR-Bigband, rund 14 Tage vor dem tragischen Tod Chet Bakers) 

sind von mindestens gleicher Intensität. Melancholisch, glasklar, melodisch vollendet, fast ein musikalisches Abbild seines Lebens, das zwischen dem Titel des »James Dean des Jazz« und dem Drogen-Wrack mit eingefallenen Wangen und ausgefallenen Zähnen oszillierte, um dann mit nur 58 Jahren durch einen Fenstersturz zu enden. 

Vieles wäre zu dem überragenden Trompeter zu sagen und doch lässt sich mit Worten kaum beschreiben, was Chet Baker ausmachte – man muss ihn aller Ruhe anhören. Hier mit einem Konzert aus dem Jahr 1986 aus dem wunderbaren Ronnie Scott´s in London (mit Van Morison, Elvis Costello, Michel Grailler, Riccardo del Fra)


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Er gilt vielen als größter noch lebender Jazz-Improvisator. Wohl dem, der ihn an einem seiner guten Tage live erleben durfte. Am 7. September 2020 feiert Sonny Rollins seinen Neunzigsten.


Sonny Rollins

Am 7.9.2020 ist der 90. Geburtstag des Saxofonisten, Komponisten und Band Leaders Theodore Walter »Sonny« Rollins, der sich noch immer regelmäßig zu Wort meldet, aber leider seit einigen Jahren wegen Lungenproblemen nicht mehr öffentlich auftritt. Es gibt eine Vielzahl von Büchern über Sonny Rollins, z.B. John Abbott + Bob Blumenthal: »Saxophone Colossus: A Portrait of Sonny Rollins« und Eric Nisenson: »Open Sky«

Sonny Rollins wurde am 7. September 1930 in New York City geboren. Seine Eltern waren von den Jungferninseln eingewandert. Er spielte schon als Kind Klavier und Altsaxofon. Mit 16 wechselte er zum Tenor. 1949 wurde er Profi-Musiker. Hier »Audoban« mit J.J. Johnson 1949 (nur Audio): 

und »52nd Street Theme« mit Bud Powell und Fats Navarro 1949 (nur Audio): 

In dieser Zeit wurde er heroinabhängig und musste mehrfach ins Gefängnis. Trotzdem entstanden weiterhin bemerkenswerte Aufnahmen, so etwa die Stücke »Airegin«, »Oleo« und »Doxy« 1954 mit Miles Davis, Horace Silver, Percy Heath und Kenny Clarke (nur Audio): 

https://www.youtube.com/watch?v=GRL_wGpIu_w

1955 machte Rollins eine Entziehungskur mit Methadon-Programm und wurde die Sucht los. In der Folge entstanden exzellente Aufnahmen unter seinem Namen, darunter seine Prestige LP »Saxophone Colossus« mit Tommy Flanagan, Doug Watkins und Max Roach von 1956 (nur Audio):

https://www.youtube.com/watch?v=UA2XIWZxMKM&list=PLXlq4LVUyCx7K7uJ5Y1mYlJbk1wA3KXHN

und die LP »Way Out West« mit Ray Brown und Shelly Manne von 1957 (nur Audio): 

Stand heute gibt es keinen Jazz Club auf der Welt, in dem mehr Live-Aufnahmen entstanden als im Village Vanguard, NYC. 1957 war Sonny Rollins der erste, der eine solche Live-Aufnahme im Village Vanguard einspielte und auf Blue Note als LP veröffentliche (nur Audio):

Schon 1958 nahm er Stellung zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung mit »Freedom Suite« mit Oscar Pettiford und Max Roach (nur Audio): 

1959 tourte er im Trio mit Bassist Henry Grimes und den Schlagzeugern Pete LaRoca beziehungsweise Joe Harris in Europa: 

Danach zog er sich bis 1961 gänzlich zurück und übte täglich stundenlang auf der Williamsburg Bridge. Auslöser war vermutlich die durch Ornette Coleman und andere in Gang gesetzte Entwicklung in Richtung Free Jazz, die Rollins als herausragenden Saxofonisten der 1950er Jahre zum Nachdenken brachte. Nach seiner kreativen Pause trat er selbst in die freieste Phase seiner Karriere. Hier ist er mit Don Cherry und Henry Grimes und Billy Higgins in Rom 1962:

1962 spielte er in der TV Serie Jazz Casual mit Jim Hall und Bob Cranshaw und Ben Riley, u.a. mit dem Stück »The Bridge«

In Dänemark spielt er 1965 im Trio mit Niels-Henning Ørsted Pedersen und Alan Dawson und 1968 mit Kenny Drew und Niels-Henning Ørsted Pedersen und Albert »Tootie« Heath:

1971 trat er mit Bobo Stenson und Arild Andersen und Jon Christensen beim Kongsberg Festival in Norwegen auf

https://www.youtube.com/watch?v=6yceXwaiJ8U

1974 spielte er nochmal in Kongsberg, diesmal mit dem Dudelsackspieler Rufus Harley

https://www.youtube.com/watch?v=S294s3HeOGY

Im gleichen Jahr trat er in Kopenhagen mit Rufus Harley auf 

1975 brachte ihn zusammen mit Rahsaan Roland Kirk und McCoy Tyner, Stanley Clarke, Lenny White, George Benson, Freddie Hubbard, Hubert Laws, Bill Watrous und Airto in der Downbeat Readers Poll Award Session, unter anderem mit einem faszinierendem Duett mit McCoy Tyner über »In A Sentimental Mood« (mit Ansagen von Quincy Jones und Chick Corea)

1978 spielte er mit den Milestone Jazz Stars mit McCoy Tyner, Ron Carter und Al Foster in einer meiner liebsten Aufnahmen (nur Audio):

1980 trat er beim Jazz Jamboree in Warschau mit Al Foster u.a. auf, 1973 in Laren, Niederlande mit Walter Davis Jr. und anderen.

1981 war er Live under the Sky in Tokio mit George Duke, Stanley Clarke und Al Foster

1982 spielte er majestätisch beim Jazz Festival Prag 

Im gleichen Jahr in Montreal

1985 trat er im Montmartre Jazz Club in Kopenhagen auf

https://www.youtube.com/watch?v=sJURC9hPnT4

1986 wurde er in der Dokumentation »Saxophone Colossus« portraitiert mit Interviews und Live-Aufnahmen: 

1987 traf er Dizzy Gillespie mit Hank Jones + Rufus Reid + Mickey Roker:

1992 sah ich ihn in der Münchener Philharmonie mit seinem Sextett:

1998 spielte er mit Kevin Hays unter anderem beim Umbria Jazz Festival

https://www.youtube.com/watch?v=H-RSnLhKS2o

2005 trat er in Juan-les-Pins auf

2010 kam es in NYC zum einzigen dokumentierten Zusammentreffen mit Ornette Coleman (nur Audio): 

Hier äußert er sich im Kurzportrait zu seinem 80. Geburtstag 2010 zu seinem Verständnis von Jazz

Auch mit über 80 war er immer noch in der Lage, faszinierende Konzerte zu geben, hier in Vienne 2011 

… und bei einem seiner letzten Auftritte in Detroit 2012 

Superlative in der Kunst sind immer zweifelhaft. Trotzdem kann ich verstehen, warum Sonny Rollins häufig als der größte lebende Jazz-Improvisator bezeichnet wird. Diese Videos demonstrieren warum. Der verblüffende Grad der Verschmelzung von Musiker und Instrument und die Kombination aus Ideenfluss, Ausdrucksstärke, dramatischer Gestaltung und schierer Kraft wird jedem ein Leben lang in Erinnerung bleiben, der das Glück hatte, Sonny Rollins an einem guten Tag live zu erleben. Wünschen wir Sonny Rollins zum Neunzigsten, dass er das Leben noch einige Jahre genießen kann.

Text: Hans-Bernd Kittlaus, Foto: Creative Commons

Das Lied, das von Nina SimoneS 1968er Album »Nuff Said!« stammt und zwei Songs aus dem Musical Hair kombiniert, ging mir in den letzten Wochen angesichts des ungelösten Themas der Diskriminierungen auf Grund von Herkunft und Hautfarbe insbesondere in den USA durch den Kopf. Nina Simone (1933- 2003) brachte wie kaum eine andere Jazzsängerin  ihre politische Überzeugung zum Ausdruck und trat unerschrocken für ihre Position als Bürgerrechtsaktivistin ein. Ihre eigene Lebensgeschichte hat sie dabei sehr geprägt, nicht zuletzt ihre Ablehnung am Curtis Institute of Music. Sie verband Jazz, Blues R&B, Soul – und nannte ihre Musik selbst »Black Classical Music«.

Der Text des Lieds sei wiedergegeben:

Ain’t got no home, ain’t got no shoes

Ain’t got no money, ain’t got no class

Ain’t got no skirts, ain’t got no sweaters

Ain’t got no perfume, ain’t got no love

Ain’t got no faith Ain’t got no culture

Ain’t got no mother, ain’t got no father

Ain’t got no brother, ain’t got no children

Ain’t got no aunts, ain’t got no uncles

Ain’t got no love, ain’t got no mind

Ain’t got no country, ain’t got no schooling

Ain’t got no friends, ain’t got no nothing

Ain’t got no water, ain’t got no air Ain’t got no smokes, ain’t got no tickets

Ain’t got no… Ain’t got no water

Ain’t got no love Ain’t got no air

Ain’t got no God Ain’t got no wine

Ain’t got no money Ain’t got no faith

Ain’t got no God Ain’t got no love

Then what have I got

Why am I alive anyway?

Yeah, hell

What have I got

Nobody can take away

I got my hair, got my head

Got my brains, got my ears

Got my eyes, got my nose

Got my mouth, I got myself

I got my arms, got my hands

Got my fingers, got my legs

Got my feet, got my toes

Got my liver, Got my blood

I’ve got life, I’ve got lives

I’ve got headaches, and toothaches

And bad times too like you

I got my hair, got my head

Got my brains, got my ears

Got my eyes, got my nose

Got my mouth, I got my smile

I got my tongue, got my chin

Got my neck, got my boobs

Got my heart, got my soul

Got my back I got my sex

I got my arms, got my hands

Got my fingers,got my legs

Got my feet, got my toes

Got my liver, Got my blood

I’ve got life, I’ve got my freedom

Ohhh I’ve got life!

Wenn man die politische Haltung der Sängerin nachverfolgen will, ist dies mit zwei weiteren Liedern leicht möglich:

Zum einen mit »Mississippi Goddam«, hier in einer Live-Aufnahme aus dem Jahr 1965:

Zum zweiten mit »To Be Young, Gifted, and Black« aus dem Jahr 1969.

Nina Simone galt als komplizierte, schwierige Person, was sicher auch mit ihrer politischen Konsequenz zu tun hat, wohl auch mit ihrem unsteten privaten Leben.

Aber kein falscher Eindruck: Nina Simone war erfolgreich mit unverwechselbarem Stil und Stimme: Einem breiten Publikum bekannt wurde Nina Simone mit anderen Songs: Zu nennen sind »My Baby Just Cares For Me« von 1957, der 1987 in einem Chanel-Werbespot Verwendung fand:

Und natürlich »Sinnerman«, ein Gospel, der 1999 zur Leitmelodie des Films »Die Thomas Crown Affäre« wurde.

Nina Simones bestes Album: »At Town Hall« aus dem Jahr 1959:

https://www.youtube.com/watch?v=rkseq8IoOH4

Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Mal wieder ein Lieblingssong, der Spaß macht und Menschen aus dem Sessel treibt. Er steht zugleich für den Vibraphonisten Lionel Hampton. Ich habe mehrere Aufnahmen ausgesucht, einmal aus dem Jahr 1994 aus der Münchener Philharmonie, als  Hampton mit dem klassischen Orchester St. Peterburg im Alter von 76 Jahren den Saal zum Kochen brachte. Sicher merkt man sein Alter und »Junior« Mance am Piano ist »vorne« – und trotzdem ist da so viel Power und Spielvergnügen, dass es einen mitreißt. Der Song stammt von Milt Buckner, der oft mit Hampton zusammen spielte. 

Die Leute mit diesem Song mitzunehmen, gelang Hampton nicht nur einmal – als weiteres Beispiel eine Aufnahme aus 1978 vom North Sea Festival, hier sein ganzes Konzert (»Hamp´s Boogie« ab 40:08)

Und dann zeitlich zwischendurch 1988:

Der 1908 geborene und 2002 verstorbene Lionel Hampton war und ist einer der überragenden Vibraphonisten des Jazz – neben Milt Jackson –, wobei er seine Karriere als Schlagzeuger startete und außerdem Klavier spielte. Jedenfalls war er der erste, der das erst 1920 erfundene Vibraphon bekannt machte. Er schaffte dies über die Zusammenarbeit mit Benny Goodman.

Zusammenarbeit mit Benny Goodman

Goodman war zunächst vorsichtig: Er riskierte in Zeiten der »Segregation« nicht sofort, Schwarze in seiner Bigband zu integrieren. Der erste war Pianist Teddy Wilson, den er zusammen mit dem Schlagzeuger Gene Krupa – und sich selbst – als Abwechslung zur BigBand ins Programm nahm. Die »Band within the Band«. Das Konzept war erfolgreich, und als Hampton dazu stieß, war »The Quartet« geboren. Zwei weiße, zwei schwarze Musiker – damals eine Sensation. Musik zum Zuhören – durchaus anders als viele spätere Nummern von Hampton. Oft fast Kammermusik in Abgrenzung zur Swing-Tanzmusik (aus dem Jahr 1937)

Hier aber in einer frühen Aufnahme aus dem Jahr 1937. »Vollgas«: Benny Goodman, Teddy Wilson, Gene Krupa und eben Lionel Hampton in »full speed«.

Trotz des Namens war »Hamp’ s Boogie« nicht die Erkennungsmelodie von Lionel, sondern der Titel »Flying Home«. Das Stück entstand 1939, als die Goodman Band von Los Angeles aus nach Atlantic City flog und Hampton erstmals ein Flugzeug bestieg. Gegen seine Angst vor dem Flug summte er vor sich hin. Goodman fragte ihn, wie das Stück heiße, worauf er antwortete: »Flying Home«. Am gleichen Abend spielte Goodman das Stück mit dem Quartett. 

Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1988 (»Flying Home« ab 3:25)

Und noch etwas: »Flying Home« aus dem Jahr 1942 gilt manchen als erste Rock-’n’-Roll-Platte. Für Quincy Jones war Hampton »so etwas wie ein Rock ’n’ Roller«.

Als Ergänzung des großartigen  Könnens des Vibraphonsten Lionel Hampton noch eine Aufnahme des Jahres 1947 des Songs »Stardust« in der Besetzung Lionel Hampton (Vibraphon)  / Charlie Shavers (Trompete) / Willie Smith (Altsaxofon) / Corky Corcoran (Tenorsaxofon) /Tommy Todd (Piano) / Barney Kessel (Gitarre) / Slam Stewat (Bass) / Lee Young (Schlagzeug)


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

»Bird« wurde nur 34 Jahre alt, seine Legende lebt weiter. Viele Saxofonist*innen orientieren sich heute an seinem Sound.


Charlie Parker

Am 29.8.2020 ist der 100. Geburtstag des Altsaxofonisten, Komponisten, Arrangeurs und Band Leaders Charles »Charlie« Parker Jr. , der auch unter den Spitznamen »Yardbird« und später »Bird« bekannt war. Es gibt zahlreiche Bücher und Artikel, in denen sein Leben und Werk behandelt werden, zum Beispiel Wolfram Knauers Biografie.

Charlie Parker wurde am 29. August 1920 in Kansas City, Missouri, geboren. Er war Einzelkind und hatte afro-amerikanische und indianische Vorfahren. Schon als Jugendlicher schlug er eine Karriere als professioneller Musiker ein und übte bis zu 16 Stunden am Tag. Er heiratete das erste Mal 1936. Im selben Jahr trug er schwere Verletzungen an Wirbelsäule und Rippen bei einem Autounfall davon und bekam Morphin. Das war der Start seiner Suchtkrankheit, von der er nie wieder los kam. Er konsumierte Alkohol, Nikotin, Medikamente und dann Heroin. 

Nachdem er zunächst lokal in Kansas City spielte, wurde er 1938 Mitglied der Band des Pianisten Jay McShann und tourte landesweit. Hier eine Aufnahme von »Hootie’s Blues« 1941:

und mit »Swingmatism« 1941:

1940 lernte er den Trompeter John Birks »Dizzy« Gillespie kennen, mit dem er 1942 in der Band von Earl Hines spielte. Parker nahm schon 1942 in Kansas City »Cherokee« und »Body and Soul« in einer Weise auf, die Bebop-Elemente enthielt:

Parker und Gillespie wurden dann maßgebliche Innovatoren in New York City und gehörten zu den Musikern, die Bebop entwickelten. Leider ist die Zeitspanne 1942 – 1944 wegen eines Aufnahmestreiks nicht dokumentiert. Ab 1945 machten sie gemeinsam mit Musikern wie Thelonious Monk, Bud Powell, Miles Davis, Max Roach und anderen für die Labels Savoy und Dial die Aufnahmen, die für den Bebop ähnliche Bedeutung haben wie Louis Armstrong’s Hot-5 und Hot-7 Aufnahmen für den frühen Jazz, von »Billie’s Bounce« über »Yardbird Suite«, »Night in Tunesia«, »Ko-ko«, »Ornithology« bis zu »Now’s the Time« und viele andere, die überwiegend von Parker komponiert wurden:

Parkers Leben und Arbeit waren von psychischen Problemen und seiner Suchtkrankheit geprägt, die immer wieder zu Ausfällen und Unzuverlässigkeiten führte und auch der Grund war, warum Dizzy Gillespie schließlich nicht mehr mit ihm eine gemeinsame Band haben wollte. Parkers überragende musikalische Bedeutung und Fähigkeit führte dazu, dass zahlreiche andere Musikern glaubten, nur mit Heroin-Konsum an Parker heranreichen zu können, obwohl Parker sich immer vehement gegen diese Deutung und »Vorbildfunktion« zur Wehr setzte.

Es gibt nur wenige Video-Aufnahmen von Parker. Hier ist er mit Coleman Hawkins, Hank Jones, Ray Brown und Buddy Rich 1950: 

https://youtu.be/mZ5eGEest0g

Wie so viele Jazz-Musiker wollte auch Charlie Parker unbedingt mit Streichern aufnehmen. Norman Granz erfüllte ihm den Wunsch 1950:

https://www.youtube.com/watch?v=DP7E0K4IMqo

Ein zweites Video mit Dizzy Gillespie und »Hot House« 1951:

1953 fand das legendäre Jazz at Massey Hall Konzert mit Parker, Gillespie, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach in Toronto statt, das Mingus auf LP veröffentlichte: 

https://www.youtube.com/watch?v=H8fnoVgNSvc

Parker heiratete noch ein zweites Mal, lebte dann aber mit Chan zusammen, mit der er formal nicht verheiratet war. Die beiden hatten zwei Kinder, Tochter Pree starb mit nur 3 Jahren 1954. Diese Erfahrung verschärfte seine Gesundheitsprobleme und trieb ihn zu zwei Selbstmordversuchen. 

Am 12. März 1955 starb er 34-jährig im Apartment seiner Freundin und Mäzenin Baroness Pannonica de Koenigswarter in New York City. Der Arzt, der die Autopsie vornahm, schätzte sein Alter auf 50 bis 60. 

Eine breite internationale Bekanntheit entwickelte sich erst nach seinem Tod. Seine Legende lebt bis heute weiter. Seine Musik war und ist immer verfügbar gewesen, in aktuellen Kompilationen sogar in verblüffend guter Tonqualität. Seine Kompositionen werden noch immer viel gespielt. Schon zu seinen Lebzeiten wurde der Club Birdland nach ihm benannt, später Festivals. Viele Saxofonisten orientierten ihren Sound an seinem Vorbild. In USA etwa Phil Woods und Charles McPherson, in Europa sind aktuell unter anderem zu nennen der Italiener Francesco Cafiso, hier in Marciac 2005:

und der junge Däne Oilly Wallace, hier im Live Stream im März 2020:

Zu Parker‘s 100. Geburtstag wird es zahlreiche Tributes geben, sowohl online als auch in physischen Konzerten. So wird die WDR Big Band seiner am 5.9.20 in der Kölner Philharmonie gedenken. Im King Georg werden am 28.9.20 Claus Koch & The Boperators ein »Bird Lives«-Tribute spielen, am 27.10.20 Axel Fischbacher mit seinen Five Birds. 

Unmittelbar nach Parker’s Tod wurde »Bird Lives!« auf viele New Yorker Häuserwände gemalt. Es ist bis heute ein geflügeltes Wort – für die zeitlose Relevanz nicht nur von Parker’s Musik, sondern auch von Jazz im Allgemeinen.

Text: Hans-Bernd Kittlaus, Foto: William P. Gottlieb

Wynton Marsalis (Trompete), Walter Blanding (Saxofon), Dan Nimmer (Piano), Carlos Henriquez (Bass), Ali Jackson (Drums)

Black Codes« gehört zum Post Bop, aufgenommen 1985 in Nashville, Tennessee. Die darin enthaltene »Power« erwischte mich sofort – nach dem soundsovielten Hören mehr denn je. Mit Video kann man die Aufnahme in der Besetzung: Wynton Marsalis (Trompete); Walter Blanding (Saxofon); Dan Nimmer (Piano); Carlos Henriquez (Bass); Ali Jackson (Schlagzeug) anschauen, siehe oben.

Jazz-Familie

Wynton Marsalis ist Teil einer »Jazz-Familie«: Vater Jazzpianist Ellis Marsalis, älterer Bruder Jazz-Saxophonist Branford Marsalis, die beiden jüngeren Brüder Delfeayo (Posaune) und Jason (Schlagzeug) ebenfalls Jazz-Musiker. Joachim-Ernst Berendt schrieb: »Seit Dizzy Gillespie ist die Trompete im Jazz nicht mehr mit einer solch luziden instrumental-technischen Meisterschaft geblasen worden wie von Wynton Marsalis.«

Respektlose Kritik

Trotzdem war und ist er umstritten als jemand, der etwa Free Jazz oder Fusion, ja jede Verbindung des Jazz zum Rock rigoros ablehnte, ganz anders als sein Bruder Branford, der mit Rock und Pop verschiedene Genres ausprobierte.  Wynton wurde dafür von Vertretern der Jazz-Avantgarde heftig kritisiert bis hin zu Verurteilungen als »rassistisch« oder  »faschistisch«. Sein Einfluss war und blieb gleichwohl enorm. Und er war und ist ein herausragender Trompeter. Mit dem Stück »Black Codes« ist dies mehr als deutlich zu hören. Wuchtig, klar, strahlend. Überragend die Originalaufnahme von 1985 auf dem gleichnamigen Album. In der Besetzung mit seinem Bruder Branford (Saxofon), Kenny Kirkland (Piano) Charnett Mofett (Bass) und Jeff »Tain« Watts (Schlagzeug)

Der Titel erinnert übrigens an Gesetze des 19. Jahrhunderts, mit denen Rechte der Afroamerikaner in den US-amerikanischen Bundesstaaten, insbesondere Südstaaten, beschränkt wurden. Marsalis verstand diese Codes weitergehend als Sinnbild für jede Beschränkung von Individualität. Und damit drängt sich der Eindruck auf, dass einige der harschen Worte auf die Kritiker zurückfällt. Niemand, der eine eigene Meinung und Positionen vertritt, die nicht dem Mainstream oder der Avantgarde entsprechen, verdient eine respektlose Kritik.


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Leonhard Huhn und C.A.R. auf Entdeckungsreise – in die Ära des Krautrock und ins Candy Bomber Studio.


Candy Bomber Studio

 Am Morgen des 16. Juni 2020 betrete ich Hangar 4 A des riesigen Tempelhofer Flughafengebäudes in Berlin. Mit meinen Bandkollegen von C.A.R. befinde ich mich auf dem Weg zum Candy Bomber Studio. Wir sind sehr gespannt, denn in den folgenden drei Tagen werden wir unser nächstes Studioalbum mit Tonmeister Ingo Krauss und Produzent René Tinner aufnehmen. René leitete viele Jahre die ehemaligen CAN Studios, produzierte unzählige Krautrock-, Disco- und Neue Deutsche Welle-Alben und ist bis heute aktiv. Ingo begann 1988 nach dem Tod von Conny Plank in dessen Studio seine Karriere und eröffnete nach einigen Zwischenstationen die Candy Bomber Studios in Berlin. Beide sind Koryphäen und Zeitzeugen einer deutschen Musikära, die seit einigen Jahren mein Herz höher schlagen lässt: Die deutsche Krautrock-, Pop- und Elektronik-Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das präparierte Saxofon

Wir tragen unser Equipment durch den langen braun-beigen Gang in den Aufnahmeraum. Bis zum letzten Moment habe ich in Köln an meinem elektronischen Setup gearbeitet, das einen weiteren Grad an Komplexität erreicht hat. Ich verstärke den Klang meines Saxofons elektronisch und bearbeite ihn mittels semi-modularer Technik von subtiler Färbung bis hin zur völligen Verfremdung. Das rührt daher, dass ich vor vielen Jahren frei zu improvisieren begann und unter anderem mein Saxofon mit Gegenständen präparierte. Dabei stieß ich auf viele leise, mikrotonale Klänge, Obertöne und Geräusche. Als ich die frühen elektronischen Kompositionen von Karl-Heinz Stockhausen oder Iannis Xenakis entdeckte, war ich überrascht, wie sehr meine Klangexperimente am Saxofon diesen Werken der Neuen Musik ähnelten.

Immer wieder fand ich mich in folgendem Prozess wieder: Eine innere unbekannte Kraft treibt mich ins Experimentieren, ich gehe diesen Gang entlang, bin umgeben von Klangvisionen, scheitere, entdecke, teste. Irgendwann schaue ich auf und suche nach einem Anker, einer Möglichkeit, die Neuentdeckungen bei einem Konzert einzusetzen oder der Gelegenheit, jemanden zu finden, der nachvollziehen kann, was mir geschehen ist. Dabei stolperte ich vor einigen Jahren über die Ära des Krautrock der späten 1960er und 70er Jahre. 

Kein Blues in der Musik

Zurück im Studio in Berlin. Hier schließt sich der Kreis, denn plötzlich finden wir uns nach einem intensiven ersten Aufnahmetag in der Küche des Studios wieder. Eine Flasche Connemara und ein paar Bier später, und René und Ingo erzählen eine Erinnerung nach der anderen. Holger Czukay und Irmin Schmidt, Mitglieder der Band CAN, waren Studenten bei Karl-Heinz Stockhausen, und in den 60er Jahren wurde der Einfluss durch den britischen Rock’n’Roll sehr groß. Man wollte etwas einiges finden und frei sein Klang zu produzieren. So gingen Czukay, mit Kassetten voller Geräusche, und Schmidt, mit selbst gebautem Synthesizer, auf die Bühne. Über die vom amerikanischen Jazz beeinflussten, treibenden Beats des Schlagzeugers Jaki Liebezeit wurde quasi frei improvisiert. Es gab keinen Blues in ihrer Musik.

Equipment vom Bestatter

Auch die Studio-Sessions von CAN liefen oft sehr frei ab, Noten schreiben war out und Czukay ging gern heimlich in den Pausen zu den Tonbändern um entstehende Geräusche aufzunehmen. Einmal spielte man im Amphitheater von Arles in Frankreich vor 8000 begeisterten Hippies. Jedesmal, wenn die Band von der Bühne wollte, entstand ein Tumult und der Veranstalter kam, bat inständig um weitere Zugaben. So ging das bis drei Uhr morgens. Immer wenn der WDR Inventur machte und alte Geräte aussortierte, wussten die Insider, dass ein Bestatter auf der Zülpicher Straße in Köln unter dem Ladentisch dieses Equipment verhökerte. 

v.l.n.r: Leonhard Huhn, René Tinner, Ingo Krauss, Christian Lorenzen, Kenn Hartwig, Johannes Klingebiel

Ein Name fällt reichlich häufig: Conny Plank. Unzählige Alben der damaligen Zeit wurden in dessen Studio in Weilerswist bei Köln produziert. Ein Pionier der Aufnahmetechnik. Renè erzählt, wie er eines morgens Conny Plank traurig am Mischpult seines Studios vorfand. Er fragte, was los sei und Conny antwortete, dass er eine ganze Produktion wiederholen müsse. Aber er wisse jetzt, wie er besser machen könne. Also wurden die Musiker wieder eingeflogen, die gesamte Produktion noch einmal aufgenommen und Conny veränderte die Akustik des Aufnahmeraums. Nun war es gelungen.

Duke Ellington war begeistert von Conny Plank

Übrigens wohnten der junge Conny Plank, Marius Müller-Westerhagen, Udo Lindenberg und Otto Waalkes einst in Hamburg zusammen in einer WG. Damals erfuhr Conny auch, dass Duke Ellington mit seiner Big Band in der Stadt haltmachen würde und bat um die Möglichkeit eine Probe mitzuschneiden. Ellington hörte sich wenig später die Mitschnitte an und war von Connys Aufnahme begeistert. Diese erschien 2015 postum auf dem von Herbert Grönemeyer gegründeten Label Grönland, das sich hautpsächlich der Veröffentlichung der alten Krautrock-Aufnahmen und ihren Vertretern widmet. Conny Plank war ein Einfluss für viele Musiker und Künstler, seine Fähigkeit Klang und Stimmung einzufangen wurde von CAN, Neu!, Kraftwerk, Harmonia, Cluster, Grönemeyer, DAF, Ideal und vielen mehr genutzt. 

Studio zum Wohlfühlen

Hier in den Candy Bomber Studios mit Ingo aufzunehmen und von René ein Stückchen begleitet zu werden, ist wie ein weiterer kleiner Anker auf meiner Suche nach Klang und Identität. Ich habe noch nie so einen Soundcheck erlebt – es gab nämlich keinen. Zumindest gab es keinen, den ich sonderlich gemerkt hätte, denn Ingo pegelte alle Signale noch während wir aufbauten, uns an unseren Instrumenten mit dem Raum vertraut machten und einspielten. Als ich dies später ihm gegenüber bemerkte, antwortete er, dass es ihm das höchste Gut sei, den Musikern eine komfortable Aufnahmesituation zu schaffen, damit sie sich wohl fühlten und ihr Bestmöglichstes leisten könnten. 

Kollektivität, Freiheit und Träume

Ich empfinde tiefe Dankbarkeit den beiden und nicht zuletzt meinen Kollegen und Freunden von C.A.R. gegenüber. Das Entdecken vieler kaum bekannter Produktionen der Krautrock-Ära, ihre Folgeerscheinungen und nicht die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit, die diese Epoche erfährt, begeistern mich. Die rohe Kraft dieser zu vielen Teilen improvisierten Musik, die elektro-akustischen Experimente, die Suche nach Kollektivität, Freiheit und Träumen und die kurzangebundenen, roh-poetischen Texte sind ein spannendes Stück deutscher Musikgeschichte. 

www.thisiscar.de

Text: Leonhard Huhn, Fotos: privat

Das Original von »St. Thomas« mit der Originalbesetzung Sonny Rollins (ts) Tommy Flanagan (p) Doug Watkins (b) Max Roach (dr)

Eine Melodie, die jeder kennt und wiedererkennt – Tenorsaxofon und karibischer Sound, dafür steht dieser Titel, und damit auch für den großen Sonny Rollins. Früh spielte Rollins mit etlichen Jazzgrößen seiner Zeit, so kam es schon 1956  zu seinem Album Saxophone Colossus mit dem Calypso »St. Thomas« , der an die karibische Herkunft seiner Mutter erinnern sollte. 

St. Thomas wurde endgültig zum Jazzstandard durch den Soundtrack des New York-Films »Working Girl« 1988. Das gesamte Album lässt sich am besten in einer der gängigen Plattformen  hören.

 »Ich bin mir sicher, Jazz ist die freieste, radikalste, herrlichste musikalische Ausdrucksform, um sich die Welt schön zu gestalten! Gerade weil einem der Jazz ein unglaubliches Maß an Überschwänglichkeit, Kreativität und Magie bietet. Jazz bringt dich weiter.«

Sonny Rollins

Mit Video gibt es »St. Thomas« zum Beispiel auch in einer Konzertufnahme aus dem Jahr 2011, allerdings kommt an das Original (siehe oben) nichts heran. Der 1930 geborene Rollins war zum Zeitpunkt des Konzerts bereits 81 Jahre, er hat krankheitsbedingt sein letztes Konzert 2012 gegeben und dann mit dem Saxofonspiel aufhören müssen.

Sonny Rollins ist einer der überragenden Jazzmusiker seiner Zeit, dessen Spiel verbunden ist mit den Begriffen Volumen, Kraft, permanente Assoziation und mit dem Willen, immer wieder neue Wege zu finden und zu gehen. Nach seinen ersten Erfolgen in den 1950er Jahren zog er sich lange zurück, meditierte, löste sich von Drogen und übte, weil sein stundenlanges nächtliches Spielen den Nachbarn zu laut war, häufig auf der nach Brooklyn führenden Williamsburg Bridge in New York City, die deshalb von seinen Fans gerne in Sonny Rollins Bridge umbenannt würde:

»Du stehst da oben über der ganzen Welt. Du kannst runterschauen, und da ist die Skyline, das Wasser, die Bucht. Es ist ein wunderschönes Panorama. Du kannst da oben so laut spielen, wie du willst. Und du kommst ins Nachdenken. Diese Pracht gibt dir eine ganz neue Perspektive.«

Sonny Rollins

Und wer mehr von Sonny Rollins hören will, der sollte sein Album »The Bridge« aus dem Jahre 1962 hören, der Titel natürlich auch angeregt durch sein Spiel auf der Brücke.


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.