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Dietmar Hagen Horn

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

13. Folge: Jochen Axer im Gespräch mit dem Biologen, IT-Fachmann und Jazzmusker Dietmar Hagen Horn.

Bessie Smith (voc) Louis Armstrong (cornet)  Fred Longshaw (organ),  1925


Klassischer geht´s nicht mehr. »The St. Louis Blues« war und ist der erste  klassische Blues, von W. C. Handy 1914 geschrieben, der als Song der populären Musik langfristig Erfolg hatte. Und ist damit gleichzeitig Jazz-Standard und Evergreen.

Insbesondere die Interpretation von Bessie Smith und Louis Armstrong verhalfen dem Song zu großer Popularität. Aber natürlich soll auch die Version des Komponisten W.C.Handy hier gewürdigt werden, eine Aufnahme aus der Ed Sullivan Show 1949: 

https://youtu.be/EkOcO5HXbk8

Es geht weniger um die Stadt St.Louis, vielmehr erzählt der Text von einer  raffinierten Frau aus dieser Stadt, die der Sängerin den Freund ausgespannt hat.

Der gesamte veröffentlichte Text ist, wie oft bei einem Blues, spannend genug, um ihn hier wiederzugeben:

I hate to see de ev’nin’ sun go down,
Hate to see de ev’nin’ sun go down
Cause ma baby, he done lef’ dis town.
Feelin’ tomorrow lak ah feel today,
Feel tomorrow lak ah feel today,
I’ll pack my trunk, make ma git away.

Saint Louis woman wid her diamon’ rings
Pulls dat man ‘roun’ by her apron strings.
‘Twant for powder an’ for store-bought hair,
De man ah love would not gone nowhere, nowhere.
Got de Saint Louis Blues jes as blue as ah can be.
Dat man got a heart lak a rock cast in the sea.

Or else he wouldn’t have gone so far from me. Doggone it!
I loves day man lak a schoolboy loves his pie,
Lak a Kentucky Col’nel loves his mint an’ rye.
I’ll love ma baby till the day ah die.

Been to de gypsy to get ma fortune tole,
To de gypsy, done got ma fortune tole,
Cause I’m most wile ’bout ma Jelly Roll.
Gypsy done tole me, “Don’t you wear no black.”
Yes, she done told me, “Don’t you wear no black.

Go to Saint Louis, you can win him back.”
Help me to Cairo, make Saint Louis by maself,
Git to Cairo, find ma old friend Jeff,
Gwine to pin maself close to his side;
If ah flag his train, I sho’ can ride.
Got de Saint Louis Blues jes as blue as ah can be.
Dat man got a heart lak a rock cast in the sea.

Or else he wouldn’t have gone so far from me. Doggone it!
I loves day man lak a schoolboy loves his pie,
Lak a Kentucky Col’nel loves his mint an’ rye.
I’ll love ma baby till the day ah die.

You ought to see dat stovepipe brown of mine,
Lak he owns de Dimon’ Joseph line,
He’d make a cross-eyed o’man go stone blin’.
Blacker than midnight, teeth lak flags of truce,
Blackest man in de whole of Saint Louis,


Blacker de berry, sweeter am de juice.
About a crap game, he knows a pow’ful lot,
But when worktime comes, he’s on de dot.
Gwine to ask him for a cold ten-spot,
What it takes to git it, he’s cert’nly got.

Got de Saint Louis Blues jes as blue as ah can be.
Dat man got a heart lak a rock cast in the sea.
Or else he wouldn’t have gone so far from me. Doggone it!
I loves day man lak a schoolboy loves his pie,
Lak a Kentucky Col’nel loves his mint an’ rye.
I’ll love ma baby till the day ah die.

Extra choruses:
A black-headed gal makes a freight train jump the track, said a black-headed
Gal makes a freight train jump the track,
But a long tall gal makes a preacher ball the jack.

Lawd, a blonde-headed woman makes a good man leave the town, I said
Blonde-headed woman makes a good man leave the town,
But a red-headed woman makes a boy slap his papa down.

Oh, ashes to ashes and dust to dust, I said ashes to ashes and dust to dust,
If my blues don’t get you, my jazzing must.

(nicht autorisierte eigene Übersetzung)

Ich hasse es, die Sonne untergehen zu sehen,
Hasse es, die Sonne untergehen zu sehen
Weil mein Baby, er hat die Stadt verlassen.
Fühle den morgigen Tag, wie ich mich heute fühle,
Fühle morgen, wie ich mich heute fühle,
Ich packe meinen Koffer und verschwinde.

Eine Frau aus St. Louis mit ihren Diamantenringen
Zieht den Mann an ihren Schürzenbändern herum.
Sie will Puder und gekauftes Haar,
Der Mann, den sie liebt, würde nirgendwo hingehen, nirgendwo.
Hat den Saint Louis Blues, so blau wie ich nur sein kann.
Der Mann hat ein Herz wie ein Fels in der Brandung.

Sonst hätte er sich nicht so weit von mir entfernt. Verdammt noch mal!
Ich liebe den Mann wie ein Schuljunge seinen Kuchen,
wie ein Kentucky Col’nel seine Minze und seinen Roggen.
Ich liebe mein Baby bis zu meinem Todestag.

Ich war bei der Zigeunerin, um mein Vermögen zu holen,
Bei der Zigeunerin hab ich mein Glück gemacht,
Denn ich bin ganz verrückt nach meinem Jelly Roll.
Die Zigeunerin sagte zu mir: “Zieh kein Schwarz an.”
Ja, das hat sie mir gesagt: “Trag bloß kein Schwarz.

Geh nach St. Louis, du kannst ihn zurückgewinnen.”
Hilf mir nach Kairo, mach Saint Louis selbst,
Geh nach Kairo, finde meinen alten Freund Jeff,
Ich will mich an seine Seite heften;
Wenn ich seinen Zug beflagge, kann ich bestimmt mitfahren.
Habe den Saint Louis Blues, so blau wie ich nur sein kann.
Der Mann hat ein Herz wie ein Fels in der Brandung.

Sonst hätte er sich nicht so weit von mir entfernt. Verdammt noch mal!
Ich liebe den Mann wie ein Schuljunge seinen Kuchen,
wie ein Kentucky Col’nel seine Minze und seinen Roggen.
Ich werde mein Baby bis zu meinem Tod lieben.

Ihr solltet mal mein braunes Ofenrohr sehen,
Als ob ihm die Dimon’ Joseph-Linie gehört,
Er würde einen schielenden Mann zum Blinzeln bringen.
Schwärzer als Mitternacht, Zähne wie Waffenstillstandsflaggen,
Der schwärzeste Mann in ganz St. Louis,

Schwärzer als die Beere, süßer als der Saft.
Wenn es um ein Spiel geht, weiß er eine Menge,
Aber wenn’s an die Arbeit geht, ist er zur Stelle.
Ich will ihn um einen kalten Zehner bitten,
Was man braucht, um es zu kriegen, das hat er ganz sicher.

Er hat den Saint Louis Blues, so blau, wie man nur sein kann.
Der Mann hat ein Herz wie ein Fels in der Brandung.
Sonst hätte er sich nicht so weit von mir entfernt. Verdammt noch mal!
Ich liebe den Mann wie ein Schuljunge seinen Kuchen,
wie ein Kentucky Col’nel seine Minze und seinen Roggen.
Ich liebe mein Baby bis zu meinem Todestag.

Extra Refrains:

Ein schwarzhaariges Mädel  lässt einen Güterzug aus dem Gleis, sagte, ein schwarzhaariges Mädel lässt einen Güterzug aus dem Gleis springen,
Aber ein langes, großes Mädel lässt einen Prediger den Buben bumsen.

Eine blonde Frau bringt einen guten Mann dazu, die Stadt zu verlassen sagte ich,
Eine blonde Frau bringt einen guten Mann dazu, die Stadt zu verlassen,
Aber eine rothaarige Frau bringt einen Jungen dazu, seinen Papa zu ohrfeigen.
Oh, Asche zu Asche und Staub zu Staub, ich sagte, Asche zu Asche und Staub zu Staub,
Wenn mein Blues dich nicht kriegt, muss mein Jazzen (“aufpeppen”) es schaffen.

Noch eine Version von und mit Louis Armstrong mit der Sängerin Velma Middleton, außerdem:  Trummy Young (tb), Barney Bigard (cl), Billy Kyle (p), Arvell Shaw (sb), Barrett Deems (dm) aus dem Jahr 1954)

Der Titel des Liedes wurde auch der Namensgeber des US-amerikanischen Profi-Eishockey-Teams The St. Louis Blues aus St. Louis, Missouri.

In den vielfachen Coverversionen (ca. 130 !!) wurden der Melodie ganz unterschiedliche Rhythmen und Ausdrucksformen unterlegt. Beispiele mögen sein:

Benny Goodman & His Orchestra (1938, Carnegie Hall)
Dave Brubeck – piano Paul Desmond – alto saxophone Eugene Wright – bass Joe Morello – drums (1964)

Und aus neuester Zeit:

Hugh Lauire  (2013)

Selbst als Musikfilm kam der Titel, die Melodie und der Text früh zu Ehren mit Bessie Smith als Darstellerin und Sängerin und  dem Fletcher Henderson Orchester, 1929). Hier der gesamte 15minütige Film (Song ab 6:20):

Und damit: Es war Bessie Smith´Lied und sogar der kurze Film hörenswert!


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2020, Edition Records

Das Pablo Held Trio mit Bassist Robert Landfermann und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel hat in den 14 Jahren seines Bestehens zu einer Form der Gruppenimprovisation gefunden, die von einem Grad an Vertrautheit und Risikofreude geprägt ist, die ihresgleichen suchen. Die Hinzunahme eines weiteren Musikers stellt ein etwas andersartiges Risiko dar. Sie gelingt mit dem brasilianischen Gitarristen Nelson Veras vorzüglich. Veras beeinflusst die Musik nicht in Richtung brasilianischer Rhythmen, sondern sorgt – auch typisch brasilianisch – für eine stärkere Fokussierung auf Melodien. Das hat meist eine kammermusikalische Anmutung wie in »Forest Spirits« oder in »Seizing«. Sehr schön gerät Mompous »Musica Callada #24« mit Helds melodischer Improvisation über Landfermanns unterstützenden tiefen Tönen und Burgwinkels nervöser Beckenarbeit, bevor Veras zu seiner einfallsreichen melodischen Improvisation ansetzt.  Besonders spannend ist es, wenn – wie in »Unlocking Mechanism« – das Trio wild um Veras‘ melodisches Spiel drum herum improvisiert. Dieses Album eröffnet neue überraschende Perspektiven für und auf Pablo Helds Band.

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Michael Spiteller

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

Folge 12: Jochen Axer im Gespräch mit dem Umweltchemiker Michael Spiteller.

Cannonball Adderley Quintet: Cannonball Adderley (alto saxophone); Nat Adderley (cornet); Joe Zawinul (acoustic & electric pianos); Victor Gaskin (bass); Roy McCurdy (drums) 1966

Eine Melodie, die heute viele gar nicht originär dem Jazz zuordnen mögen. Aber Joe Zawinul hat sie 1966 für die Sängerin Esther Marrow geschrieben, durch das Album  »Mercy, Mercy, Mercy! Live at ‘The Club« des Cannonball Adderley Quintet mit Joe Zawinul am Wurlitzer-Piano wurde sie sehr bekannt.

Das gesamte Album ist sehr hörenswert.

1968 mit einem Grammy ausgezeichnet und mit einem Text von Marlena Shaw unterlegt, wurde das Stück immer wieder auch in neuerer Zeit neu interpretiert. Hier ganz unterschiedliche Beispiele von Maceo Parker und Nils Landgren:

Mit Text eine mitreißende, klassisch arrangierte  Version von Queen Latifah:

(Lyrics Marlena Shaw)

It seems life has played a game on me
I’m lost in a sea of misery
My love has turned her back on me
Heartaches, why won’t you let me be?

I said now, baby, have some mercy please
Don’t leave me, baby, on bended knee
Oh please, mercy, mercy, mercy please
Have mercy on me
Mercy, mercy, mercy please

How can I face life without you
What would I do if we were through?

Don’t you know, love
I wait for you every single night
Hoping you’ll return and make things right
You don’t show and I’m sitting here all alone
To pray you’re gonna call me on the phone


Baby, have some mercy please
Don’t leave me, baby, on bended knee
Oh please, mercy, mercy, mercy please
Have mercy on me
Mercy, mercy, mercy please

You know I love you and I’m begging
For one more chance, one chance, once more

I know life’s got many a twist
Loving you, baby, is a thing I can’t resist
Your love and understanding you’ve been giving me
Without it, I just can’t go on living

Baby, have some mercy please
Don’t leave me, baby, on bended knee
Oh please, mercy, mercy, mercy please
Have mercy on me
Mercy, mercy, mercy please
Have mercy on me.

Und noch eine Instrumentalversion von Buddy Rich:


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, Eigenverlag

Der junge Kölner Trompeter Thimo Niesterok liebt und zelebriert den Jazz der Swing-Periode, etwa mit seiner Formation Cologne Clambake. Dieses Album entstand in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Posaunisten Dan Barrett, der in der deutschen Traditional Jazz-Szene kein Unbekannter ist. Kompetent unterstützt von Pianist Harry Kanters und Bassist Stefan Rey versetzen Niesterok und Barrett den Zuhörer sehr stilsicher in die 1930er Jahre zurück mit elf Songs aus der damaligen Zeit, die meisten davon Standards, und zwei Eigenkompositionen Niesteroks. Das ist keineswegs ein Rekreieren alter Aufnahmen, sondern eine durchaus frische Neuinterpretation im alten Stil. Besonders gelungen ist Niesteroks Titelstück, in dem Barrett und Niesterok in einen Dialog über Reys solidem Bass eintreten. Die beiden harmonieren vorzüglich in »I’ll Be Seeing You«, etwas schneller als üblich vorgetragen, und unisono in »Lulu’s Back In Town«. Der Bereich des Traditional Jazz ist heute von Amateur-Bands dominiert. Hier nehmen sich Profis mit sehr kultiviertem Sound der Musik an und bereiten ein besonderes Hörvergnügen.

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Zen Zinatra, Lei Macolata, Daisy Heroine und Maximilian Meisenmann in einer ganz besonderen Live-Show…

Begleitet von der skurrilen Moderatorin Zen Zinatra laden she-dog die »lonely hearts vor dem Screen« zu einem speziellen Konzert ein: Zum Valentinstag spielt die Kölner Band – in der Besetzung Lei Macolata (Gesang/Bass), Daisy Heroine (Gitarre/Gesang), Maximilian Meisenmann (Schlagzeug)eine von Herzblatt inspirierte Love-Show in der Klubbar King Georg.

Wer noch mehr von she-dog sehen möchte: Nach dem Debüt »Baptized In A Swimming Pool« haben sie gerade ihre zweite Single »Deep In A Mine« samt Video veröffentlicht:


Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

Elfte Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit dem Saxofonisten Denis Gäbel.

Foto: Fabian Stürtz

 Chick Corea – Fender Rhodes electric piano; Stanley Clarke – double bass; Joe Farrell – flute, soprano saxophone, tenor saxophone; Airto Moreira – drums, percussion; Flora Purim – vocals, percussion 

Als Erinnerung und Verbeugung vor der Lebensleistung von Chick Corea kann anlässlich seines Todes vor einigen Tagen heute nur »Spain« als Lieblingssong ausgewählt werden. 

Diese Melodie ist das bekannteste Stück von Chick, der mit den Alben »Bitches Brew« , »Return To Forever« und eben »Light As A Feather« Meilensteine de Jazz Anfang der 1970er Jahre gesetzt hat. Unfassbar kreativ und immer wieder auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen prägte er den Jazz-Rock und Fusion-Jazz in beeindruckender Weise bis in die Neuzeit.

Chick und sein Leben haben an anderer Stelle einen eigenen Beitrag verdient. Deshalb seien hier nur einige der unendlich vielen Versionen seines »Spain« aufgeführt und vorgeschlagen.

Einer meiner Favoriten ist sicher die Gitarrenversion mit  den Großmeistern  Al Di Meola, John McLaughlin, Paco De Lucia:

In ganz unterschiedlicher Weise haben Künstler gemeinsam mit Chick Corea oder auch eigenständig diese Melodie und Idee immer wieder genutzt und neu interpretiert.

Hier ein Beispiel von Chick mit Bobby McFerrin aus dem Jahr 2012 (Wien):

Und eine Version von Stevie Wonder (2008, London)

Chick war auch im hohen Alter aktiv wie kaum jemand: Eine Aufnahme aus 2018 im Alter von 76 Jahren (San Sebastian):

Chick Corea – Piano, John Patitucci – Bass, Dave Weckl – Drums, Gary Burton – Vibraphone,  Wallace Roney – Trumpet, Joshua Redman – sax  – Japan, Parthenon Concerts

Und schließlich wieder eine Version mit Chick Corea selbst, der in der letzten Dekade seines unermüdlichen Schaffens unter Nutzung klassischer Stilemente auch symphonischen Klang entwickelte:

Und die nächsten Touren dieser Reihe waren geplant für 2021 und 2022 – leider werden wir sie nicht mehr erleben können.

Danke, Chick Corea!

Rest in Peace.


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2020, Clean Feed

Bei seinem letzten New York Besuch im Juni 2019 ging Simon Nabatov mit vier New Yorker Kollegen ins Aufnahmestudio. Das Titelstück »Plain« beginnt mit Chris Speeds rundem Klarinetten-Sound sehr melodisch, bevor es mit Herb Robertsons nervöser Trompete über dem intensiven Rhythmus von Bassist John Hèbert und Schlagzeuger Tom Rainey etwas freier wird. Nabatov spielt dazu perlende Tonkaskaden auf dem Klavier. Dann wird die Musik langsamer und die ordnende Hand des Komponisten Nabatov führt die Band zum Ende. »Cry From Hell« spiegelt Nabatovs Begeisterung für brasilianische Musik, aber es wäre nicht Nabatov, wenn das ohne Ecken und Kanten ablaufen würde. »Ramblin‘ On«, die einzige freie Improvisation auf der CD über einem Text von Herb Robertson, steht im Kontrast zu den übrigen strukturierteren Stücken und klingt wie ein wütender Protest. Die CD endet mit der Herbie Nichols Komposition »House Party Starting«, eine Reminiszenz an Nabatovs exzellentes Herbie Nichols-Programm vor vielen Jahren. Speed spielt ein inspiriertes Tenor-Solo, bevor Nabatov von perkussiv bis melodisch improvisiert. Selten hat Simon Nabatov seine (und Nichols’) Kompositionen und Arrangements so ausgeschrieben in den Mittelpunkt gestellt. Daraus ist ein gelungenes Album entstanden, das auch Modern Jazz-Fans gefallen sollte.

Text: Hans-Bernd Kittlaus