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2021, CAM Jazz

Mit Axiom hat sich Schlagzeuger Dejan Terzić eine Band zusammengestellt, die seine Vision umsetzt, von Balkan-Volksmusik inspirierte Melodien mit modernem Jazz New Yorker Prägung zu verschmelzen. Nach »Prometheus« (CAM Jazz, 2016) ist dies das zweite Album der Band. Alle 10 Kompositionen stammen von dem serbisch-stämmigen, seit Kindertagen in Deutschland lebenden Terzić. Das Album beginnt mit dem Titelstück »Silent Dancer«, einer Ballade mit eindringlicher Melodie. »Synchronicity« überrascht mit einem Techno-Beat und entwickelt sich in eine kreativ-chaotische Gruppenimprovisation. Auch »One Shot Not« startet mit hartem Beat von Terzić, immer wieder abgelöst von perkussiven Einwürfen von Pianist Bojan Zulfikarpašić, international besser bekannt als Bojan Z, und kurzen melodischen Statements von Tenorsaxofonist Chris Speed. »Rêve de Voler« kommt romantisch daher mit einschmeichelnder Melodie von Speed und ausdrucksstarkem Solo von Bassist Matt Penman. Die Verbinding von Melodie und Rhythmus gelingt besonders eindrucksvoll in »Mysterious Life of Blowfish« mit originellem Wechselspiel von Speed und Bojan Z. Die Band hat ihre eigene Sprache gefunden.

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Clifford Brown (tr), Max Roach (dr), Harold Land (tenor sax), George Morrow (b), Richie Powell (p) 

Cherokee« ist ein Jazzstandard, fast ein »Gassenhauer«, den der englische, in den USA lebende Komponist Ray Noble 1938 für seine »Indian Suite« nach seiner Übersiedlung in die USA komponierte. An die Spitze stelle ich eine Aufnahme von Clifford Brown, weil vielleicht die bekannteste Version aus dem Jahr 1955. 

Die »Indian Suite« und »Cherokee« griffen schon 1939 Charlie Barnet, Count Basie und Duke Ellington, später auch Lionel Hampton und Stan Kenton auf – etliche Musiker des Bebop folgten. Hier die Swing-Version des Count Basie Orchestra.  

Der »Indian Love Song« ist ursprünglich eine Liebeserklärung an eine junge Frau mit indigenem Hintergrund. Ray Noble schrieb auch den Liedtext, der das »Sweet Indian Maiden« preist. Mit leicht abgewandeltem Text hierzu die wunderbare Sarah Vaughan:

Brave Indian warrior, 
Since first I met you I can’t forget you, 
Cherokee sweetheart! 
Child of the prairie, 
Your love keeps calling, 
My heart enthralling, 
You Cherokee!
In the Summertime Of lover time gone by, 
From my memory, 
So tenderly inside! 
My brave Indian warrior, 
One day I’ll hold you, 
In my arms hold you, 
My Cherokee! In the Summertime 
Of lover time gone by,
From my memory, 
So tenderly inside! 
My brave Indian warrior, 
One day I’ll hold you, 
In my arms I’ll hold you, 
My Cherokee!

Bereits Anfang der 1940er Jahre entdeckte auch Charlie Parker das Stück und spielte es häufig wegen seiner interessanten Harmonien. In der Stilistik des Bebop wurde das Stück aber weitaus schneller gespielt als im mit moderatem Tempo versehenen Original als Liebeslied. 

Charlie Parker (alto saxophone) Benny Carter (alto saxophone) Willie Smith (alto saxophone) Nat King Cole (p) Oscar Moore (g) Johnny Miller (b)Buddy Rich (dr)

Das Stück ist unverwüstlich und wird in den unterschiedlichsten Variationen auch aktuell gerne gespielt. Zwei dieser Beispiele aus den USA :

Zunächst eine junge Band mit Alex Hahn:

Alex Hahn (Alto Saxophone) mit Stefan Karlsson (p) Young Heo (b)  Ed Soph (dr)

Und eine digitale Variante zu Corona-Zeiten unter Leitung des New Yorker Saxophonisten Chad Lefkowitz-Brown – The Chad LB Virtual Big Band 

Wir bleiben in New York, aber zurück in die Historie: Wer Lust hat, mehr von Clifford Brown mit seiner großartigen Band (Clifford Brown (tr), Max Roach (dr), Harold Land (tenor sax), George Morrow(b), Richie Powell (p)) aus dem Jahr 1955 zu hören, dem sei die folgende Aufnahme ans Herz gelegt… sie startet mit »Cherokee«…..

»Cherokee« – 5:44 »Jacqui« – 5:11  »Swingin’« – 2:52  »Lands End« – 4:57  »George’s Dilemma« – 5:36  »Sandu« – 4:57  »Gerkin for Perkin«- 2:56  »If I Love Again« – 3:24  »Take the ‘A’ Train« – 4:16

Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, SSP Music

Der Pianist Martin Sasse hat in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl von Alben veröffentlicht, die seine kontinuierliche Entwicklung zu einem der besten europäischen Straight Ahead Pianisten dokumentieren. Die Triobesetzung mit Bassist Henning Gailing und Schlagzeuger Joost van Schaik spielt schon sehr lang zusammen und hat in der Reihe Trio Classics die Folgen 1 und 2 bereits 2007 und 2011 vorgelegt. Diese Reihe orientiert sich in Layout und musikalischem Stil an den klassischen Blue Note Aufnahmen der 1950er und 1960er Jahre, auch wenn Blue Note meist größere Bands unter Vertrag hatte. Das Programm beginnt mit Duke Ellingtons »Just Squeeze Me« mit Swing in mittlerem Tempo. In »Moanin‘« gelingt es Sasse, Bobby Timmons in schnellem Tempo zum Leben zu erwecken, ohne diesen zu kopieren. Henning Gailing startet die Ballade »In The Wee Small Hours Of The Morning« mit seinem gestrichenen Bass, bevor Sasse die schöne Melodie über van Schaiks geschmackvoll zurückhaltendem Schlagzeugspiel interpretiert. McCoy Tyner’s »Effendi« spielt Sasse als schnellen Swinger und zeigt den unbändigen Groove, der ihn aus der Vielzahl der Pianisten deutlich heraushebt.

Text: Hans-Bernd Kittlaus

1957 Miles Davis (tr) Barney Wilen (sax), René Urtreger (p) Pierre Michelot (b) Kenny Clarke (dr)

Ein genialer Sound. Komponiert und interpretiert von Miles Davis. Es ist die Vorwegnahme des Post-Bop-Stils des späteren Quintetts mit mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams. Und außerdem der Vorläufer der berühmten Alben »Milestones« (1958) und »Kind of Blue« (1959).

»Générique«  ist das Leitmotiv des Albums »Ascenseur pour l’echafaud« und in der Entstehung nichts anderes als eine Filmmusik, die am 4. und 5. Dezember 1957 in Paris aufgenommen wurde als Soundtrack zu »Fahrstuhl zum Schafott« von Louis Malle aus dem Jahr 1958.

Als der Jazz-verrückte Malle sich um eine Filmmusik bemühte, war es ein Glücksfall, dass sich gerade zu dieser Zeit Miles Davis in Paris aufhielt. In nur einer Nacht, zwischen zehn Uhr abends und fünf Uhr morgens, spielte Davis den Soundtrack in einem Studio an den Champs-Élysées komplett improvisiert ein. 

Malle war der erste, der einen durchgängigen Jazz-Soundtrack verwendete, Er bewertete den Beitrag von Miles Davis zum Film sehr hoch: »Was er machte, war einfach verblüffend…. … Ich war ein Jazz-Freak. Die Musik ……ist einzigartig. Es ist eine der wenigen Filmmusiken, die komplett improvisiert wurden… Ich ging durch die Sequenzen, die wir musikalisch machen wollten, und er begann, mit seinen Musikern zu proben… Der Film war verwandelt. Als wir die Musik hinzufügten, war er plötzlich vom Himmel.«

Nicht nur »Générique«, sondern der gesamte Originalsoundtrack ist absolut hörenswert

00:00 – Générique  2:53 – L’assassinat de Carala  5:04 – Sur l’autoroute  7:24 – Julien dans l’ascenseur  9:37 – Florence sur les Champs-Élysées  12:29 – Dîner au motel  16:27 – Évasion de Julien  17:21 – Visite du vigile  19:26 – Au bar du Petit Bac  22:20 – Chez le photographe du motel

Und natürlich gehört auch eine Filmpassage zu dieser Musik – auch der Film mit der großen Jeanne Moreau  ist berühmt und sehr sehenswert. Die Sequenz betrifft die Situation, in der die von Moreau gespielte Frau glaubt, ihr Geliebter habe sie verlassen. Wie in Trance bewegt sie sich durch das beginnende Nachtleben, begleitet von der eindringlichen Musik von Miles Davis. Auf der Suche streift sie durch den nächtlichen Regen, vorbei an Geschäften, Bars und Cafés…


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, Neuklang

Der Schlagzeuger Jens Düppe legte 2019 die Aufnahme eines Live-Konzerts seines Quartetts vom September 2018 in den Ludwigsburger Bauer Studios vor. Sein sechs Eigenkompositionen stammen überwiegend aus seinen beiden vorangegangenen hochgelobten Alben »Dancing Beauty« (Personality Records) und »Anima« (Double Moon), doch die Arrangements sind deutlich verändert. So wirkt »Everything We Do Is Music« mit Lars Dupplers E-Piano und Düppes hartem Schlagzeugspiel viel rockiger. Darüber bläst Frederik Köster seine sehr cool klingende Trompete. »Sleeping Beauty« gibt Bassist Christian Ramond reichlich Platz, den er mit inspiriertem Solo füllt. »Peanut Butter & Jelly«, Düppes Greatest Hit und ein Ohrwurm, wird recht funky dargeboten mit einem Solo Kösters von größter Intensität. Köster veredelt auch das getragen melodische »Magnolia« mit seinem brillanten Trompetensound. Das Album endet mit »30 Little Jelly Beans«, einer älteren Düppe-Komposition, die er rhythmisch vorantreibt und Köster mit ekstatischen Tönen ins Ziel führt. Bei dem Konzert wäre man gern dabei gewesen.  

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Der Kompositionswettbewerb des Cologne-Jazz-Supporters e.V. (CJS) für Jazzer aus NRW hat auch im zweiten Jahr ein überwältigendes Echo gefunden. Nun stehen die Preisträger*innen fest.


Charlotte Illinger

Der erste Platz des diesjährigen Kompositionswettbewerbs der Cologne Jazz Supporters geht an das Stück »Take a Breath« von Charlotte Illinger. Die junge Sängerin hat gerade ihren Master-Abschluss an der Folkwang Universität Essen mit Auszeichnung gemacht.

Die Komposition »Bioluminescence« von Chris Mehler liegt auf Platz 2. Der Trompeter ist seit seinem Master-Abschluss an der Manhattan School of Music wieder Teil der Kölner Szene und spielt in zahlreichen Formationen, insbesondere Big Bands wie der WDR Big Band und dem Subway Jazz Orchestra.

François de Ribaupierre gewinnt mit »A Foggy Day in Lockdown Town« den dritten Preis. Der Saxofonist und Komponist, gebürtiger Schweizer, ist seit vielen Jahren in Köln als Musiker und Musiklehrer beheimatet und spielt in unterschiedlichen Formationen von Duo bis Big Band.    

Alle Preisträger kommen aus Köln. Der Wettbewerb ist mit Geldpreisen von € 1.500, € 1.000 und € 500 plus Auftritten im Kölner King Georg Klub dotiert.

CJS Vorsitzender Dr. Jochen Axer: »Die CJS haben sich als gemeinnütziger Verein der Förderung des Jazz in Köln und Umgebung verschrieben. Wir freuen uns, dass dieser Wettbewerb erneut so gut angenommen worden ist.«

Martin Sasse, Vorsitzender der Jury: »Die Qualität der Mehrzahl der eingereichten Kompositionen ist beachtlich.« Jury-Mitglied Caroline Thon: »Es hat mir große Freude gemacht, diese zahlreichen interessanten Einreichungen zu begutachten und zu bewerten. Der Wettbewerb sollte in meinen Augen unbedingt weitergeführt werden.« Caroline Thon hat auch in unserem Podcast über ihre Jury-Tätigkeit gesprochen. Hier geht es zur Folge von »Jazzcast – Die gute Unterhaltung« mit der Saxofonistin und Komponistin.

Dr. Jochen Axer ist auch Betreiber des King Georg Jazz Klubs: »Wie letztes Jahr werden wir über die PreisträgerInnen hinaus weitere Teilnehmer*innen zu Konzerten ins King Georg einladen.«

Die Preisverleihung wird am 30. Juni 2021 bei uns im King Georg Jazz Klub stattfinden. Mit anschließendem Konzert von Charlotte Illinger & Band. Alles natürlich auch im Live Stream.  

Foto: Gerhard Richter




 

Caroline Thon

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

22. Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit der Saxofonistin und Komponistin Caroline Thon, die in diesem Jahr auch Mitglied der Jury des CJS Kompositionswettbewerbs war.

Foto: Gerhard Richter

Billie Holiday mit Artie Shapiro & John Simmons (bass), Larry Bunker (drums), Barney Kessel (guitar), Jimmy Rowles (piano), and Harry »Sweets« Edison (trumpet), 1955

Ein Jazz- und Blues-Standard aus den 1930er Jahren – immer noch eine großartige Melodie, gespielt in einer Vielzahl von Versionen, zum Beispiel von Cab Calloway, Louis Armstrong oder Benny Goodman. Aber aus meiner Sicht gehört dieser Blues in die Interpretation einer Sängerin – und alle großen Damen des Jazz aus der Zeit haben dies auch getan. Deshalb biete ich heute drei Versionen an mit Billie Holiday, Ella Fitzgerald und Sarah Vaughn – drei unterschiedliche, aber wunderbare Stimmen. Möge jeder seinen Favoritin auswählen:

Neben Billie Holiday, siehe oben, auch Sarah Vaughn  

(Sara Vaughn mit dem Count Basie Orchestra)

 und Ella Fitzgerald  

Ella Fitzgerald 1955

Text: 

I gotta right to sing the blues
I gotta right to feel low-down
I gotta right to hang around
Down around the river

A certain gal in this old town
Keeps draggin’ my poor (old) heart around
All I see for me is misery

I gotta right to sing the blues
I gotta right to moan and sigh
I gotta right to sit and cry
Down around the river

I know the deep blue sea
Will soon be callin’ me
It must be love; say what you choose
I gotta right to sing the blues


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, Jazz & People

Das Yes! Trio besteht schon über 20 Jahre, nachdem sich die drei Protagonisten Anfang der 1990er Jahre im Rahmen ihrer Ausbildung kennengelernt hatten. Dies ist bereits das zweite Album des Trios. Das Programm besteht aus zehn Titeln, darunter acht Eigenkompositionen. Der Jackie McLean Song »Dr. Jackle« swingt gewaltig und beweist, dass man überzeugenden Hardbop auch ohne Bläser spielen kann. Avital trägt hier ein virtuoses Basssolo über Jacksons angedeutetem Rhythmus bei, Pianist Goldberg fasziniert mit kreativen Ausflügen. Der Standard »I’ll be seeing you« inspiriert die Band zu besonderer Intensität im Zusammenspiel. Auch die Eigenkompositionen bringen Highlights. Avitals »Muhammad’s Market« wird vom Komponisten mit Hochenergie-Swing angetrieben, der Goldberg zu beeindruckenden Läufen motiviert. Auch Goldbergs eigenes Stück »Tokyo Dream« ist keine Ballade, wie der Titel vermuten lässt, sondern ein Swinger. Jacksons Titelsong macht seinem Namen alle Ehre. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann den zwar klaren, aber überpräsenten Sound. Ansonsten bietet dieses Gipfeltreffen von drei Meistern des Straight Ahead Jazz puren Genuss. 

Text: Hans-Bernd Kittlaus

David Helm

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

21. Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit dem Musiker David Helm.

Foto: Gerhard Richter