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Lee Morgan (trumpet) Joe Henderson (tenor saxophone) Barry Harris (piano) Bob Cranshaw (bass) Billy Higgins (drums) (New Jersey 1963)

The Sidewinder« ist – neben der Erkennungsmelodie »Moanin’« des Trompeters Lee Morgan (1938-1972) ein Song, der weltbekannt ist und es sogar zur Werbemelodie für Chrysler schaffte. Lee Morgan ist einer der wichtigsten Exponenten des Hard Bop. Als Trompeter mit enormer Technik und Erfindungsgabe entwickelte er seinen eigenen Stil, indem er klassische Bebop-Motive mit moderneren Rhythmen, Harmonien und Melodien verschmolz. Schon mit 18 Jahren war er prominentes Mitglied der Big Band von Dizzy Gillespie, seit 1958 dann prägendes Mitglied der Jazz Messengers von Art Blakey. Die Messengers-Besetzung mit Morgan wird allgemein zu den besten in der über dreißigjährigen Geschichte dieses stilbildenden Ensembles gerechnet, allerdings musste Morgan wegen seiner Heroinsucht 1961 die Band verlassen. 1963 kehrte er nach New York zurück und stieg für kurze Zeit wieder bei den Messengers ein. Hier gelang ihm die Einspielung von »The Sidewinder«, ein Stück, das mit dem damals populären Boogaloo-Rhythmus ganz im Trend des frühen Funk der 1960er Jahre lag. 

Das gleichnamige Album unterstreicht die Kunst des Trompeters Lee Morgan.

Lee Morgan (Trumpet, Composer) Joe Henderson (Tenor Saxophone) Barry Harris (Piano) Bob Cranshaw (Bass) Billy Higgins (Drums)

The Sidewinder 00:00 – 10:18 
Totem Pole 10:18 – 20:31
Gary’s Notebook 20:31 – 26:40
Boy, What a Night 26:40 – 34:15 
Hocus-Pocus 34:15 – 40:39

Die Leistung und vielfältigen Stücke von Lee Morgan werden durch andere Bands immer wieder geehrt. Zwei Beispiele 

The James Brown Orchestra, 1967 Paris (Pee Wee Ellis sax solo und Waymon Reed trumpet solo)
2016, at Dizzy’s  in New York –  Terrell Stafford trumpet, Tim Warfield tenor sax, Bruce Barth piano, Peter Washington bass, Billy Williams drums.

Noch ein wenig berühmter als »The Sidewinder« ist ein anderer Sound von Lee Morgan, nämlich »Moanin´«,  hier als von mir favorisierte Aufnahme aus dem Jahr 1959 mit Oscar Peterson.

https://youtu.be/8HvbNM8ZhE8

Ein auf Lee Morgan ausgerichteter Zusammenschnitt soll seine Art des Trompetenstils verdeutlichen. Dieses gekürzte Video stammt aus einem längeren Konzert, an dem Art Blakey (Schlagzeug), Wayne Shorter (Saxophon), Jymie Merritt (Bass) und Bobby Timmons (Klavier) teilnahmen. Dieses soll trotz aller anderen Heroen ein Fokus auf Lee Morgan sein. Lee Morgan war ein Verfechter der treibenden Jazz-meets-Funk-meets-Blues-Grooves, die von Blue Note in den 1960er Jahren produziert wurden. 

Den Erfolg des »Sidewinder« konnte Morgan nicht mehr wiederholen, war aber weiter aktiv und erfolgreich mit seinem zusehends abstrakteren,  modal orientierten Avantgarde-Hard Bop.  Seine privaten Drogen- und Beziehungsprobleme bekam Morgan leider nie in den Griff. Während eines Eifersuchtsdramas erschoss ihn seine Frau Helen Morgan am 19. Februar 1972 bei einem Auftritt im New Yorker Jazzclub Slug’s.

Morgans tragische Lebensgeschichte wurde im 2016 erschienenen Dokumentarfilm »I Called Him Morgan« vom schwedischen Regisseur Kasper Collin mit Hilfe von Found Footage sowie neuen Interviews nacherzählt.

Der Dokumentarfilm wurde über einen Zeitraum von sieben Jahren, 2009 – 2016, produziert und über einen Zeitraum von drei Jahren geschnitten. Unter den Teilnehmern sind Wayne Shorter, Jymie Merritt, Billy Harper, Judith Johnson, Bennie Maupin, und ist mit Sicherheit einer der großartigsten Filme nicht nur über einen Jazz-Künstler und dessen Höhen und Tiefen, sondern über den Jazz. Wer eine Chance hat, ihn zu sehen, sollte sie nutzen.



Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, NoBusiness Records

Im Oktober 2015 kam es im Kölner Loft zu einem Gipfeltreffen des Avantgarde-Jazz, das jetzt auf dem litauischen Label NoBusiness erscheint. Für Pianist Simon Nabatov, den gebürtigen Russen, zwischenzeitlichen New Yorker und langjährigen Kölner, war es ein Heimspiel. Zu Besuch kamen der Engländer Barry Guy am Bass und der Amerikaner Gerry Hemingway am Schlagzeug. Das Trio bietet Gruppenimprovisation ohne Netz und Sicherung zwischen Wohlklang und heftigster Dissonanz. Die Begriffe Zeit, Takt und Rhythmus werden hier sehr relativ und sind ebenso Elemente der Improvisation wie Melodie und Harmonie. Das Spektrum reicht von Nabatovs zartem Streicheln der Tasten in »Forty Days« über Hemingways melodische Marimba zu Nabatovs Klavierperlen in »Basket Glide« bis zu Guys dumpfen Basseskapaden zu Nabatovs Klavierstakkato und Hemingways Schlagzeug-Unwetter in »Vacant Prophecy«. Die zwölf Titel bieten eine Tour de Force zum Stand der Kunst freier Improvisation. Nichts für Ängstliche, aber lohnend für Mutige. 

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Simon Below

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

25. Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit dem Pianisten und Komponisten Simon Below

Foto: Kilian Amrehn

https://youtu.be/6NhkjW9DYLw

Ein Jazz-Standard von GeneDe Paul, mit Text von Sammy Cahn aus dem Jahr 1953. Gesungen zunächst von Janet Brace, dann einer Vielzahl von Künstlerinnen des Jazz, Dinah Washington, Helen Grayco, Brenda Lee, Jo Stafford, Nat King Cole, Dinah Washington, und, und, und. Heute ist es eine Erinnerung an die großartige Sängerin Amy Winehouse, die  am 23. Juli 2011 im Alter von nur  27 Jahren verstorben ist. . Sie ist als Soul- und Popkünstlerin bekannt. Hört man aber ihr erstes Album »Frank« aus dem Jahr 2003, dann ist sofort klar, dass ihre Karriere auch ausschließlich in den Jazz hätte führen können. Mit einer unverwechselbaren Stimme ausgestattet und als eine ebenso einzigartige Emotionalität verkörpernde Künstlerin mit ist der Hörer sofort gefangen. 

Den internationalen Durchbruch schaffte Winehouse dann drei Jahre später mit dem Album »Back To Black«. Sie verkaufte in ihrer nur achtjährigen Karriere unfassbare 33 Millionen Tonträger und wurde unter anderem mit sechs Grammy Awards ausgezeichnet. 

Sehr schade, dass ihr Umfeld ihr nicht die Stabilität verschafft hat, über Jahrzehnte die Musik zu beeinflussen und uns alle zu erfreuen. Ihre Musik zieht uns heute unverändert in ihren Bann. Deshalb hier nochmals eine tiefe Verbeugung und Reminiszenz an eine tolle Jazz-Sängerin mit Ausschnitten aus Auftritten in 2004 auf dem North Sea Festival 2004 mit »Know You Now« und »October Song«

Schließlich das gesamte Album »Frank« aus dem Jahr 2003 (am Ende taucht dann auch wieder »Teach Me Tonight« auf) . Aus meiner Sicht ein wirklich wunderbares Album. 

00:00 Intro 1 
00:22 Stronger than me 
04:46 You sent me flying /
10:23 Cherry 
13:01 Know you now 
16:56 Fuck me pumps 
20:29 I Heard Love Is Blind 
23:28 (There Is) No Greater Love 
25:45 IN MY BED 
30:04 Take the box 9 
34:40 October Song 
39:08 Brother 
44:06 Mr Magic
48:05 Best Friends, Right? 
55:22 I should care 
59:01 Lullaby Of Birdland 15
1:01:30 Teach Me Tonight

Amy Winehouse, Rest in Peace. 



Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Der Saxofonist Salim Javaid über die unterschiedlichen Reize von Komposition, Interpretation und Improvisation.


Salim Javaid

Ein Gongschlag, blitzschnelle Läufe, perkussive Klänge, Mehrklänge, Luftgeräusche, Zischen, elektronische Klänge, ein lautes Saxophon-Solo, präpariertes Klavier – auf den ersten Blick (beim ersten Hören) können eine Komposition Neuer Musik und eine freie Improvisation viele Sounds und Bausteine gemein haben.

Doch unter der Klangoberfläche verbirgt sich der große Unterschied.

Bei der Komposition saß ein*e Komponist*in beispielsweise nächtelang am Schreibtisch und überlegte sich genau, wie die Klänge miteinander verbunden werden sollen und welche Dramaturgie das Stück haben soll. Die Interpret*innen üben/proben die Komposition und führen diese dann auf.

Bei der Improvisation kommunizieren erfahrene Musiker*innen mit ihren ganz eigenen Klangpaletten und schaffen zusammen »on the fly« ein Musikstück.

Ich frage mich in meiner Arbeit oft, warum ich mich der Improvisation und Interpretation/Komposition gleichermaßen so hingezogen fühle, wie sie sich gegenseitig bereichern können und warum mir persönlich immer wichtig ist, in meiner Musik und meinem Alltag die Waage zwischen den Bereichen zu halten – warum das Ganze?

Ich selbst bin Saxofonist, habe Jazz, Klassik und Neue Musik studiert und stehe vor allem als Improvisator oder als Interpret (zum Beipsiel mit Trio Abstrakt) auf der Bühne. Für mich und mein Schaffen gehören Improvisation und Interpretation untrennbar zusammen – als zwei verschiedene Macharten, eine Musik von heute zu schaffen, aber gleichzeitig auch als entgegengesetzte Pole von Spielhaltungen.

Als Interpret*in müssen stets Noten geübt und »fremdes« Material angeeignet werden. Als Improvisator suche ich hingegen nach Klängen und Material, um mein eigenes Arsenal auszubauen.

Vor allem, wenn ich an aufeinander folgenden Tagen abwechselnd Konzerte mit Neuer Musik und als Improvisator spiele, wird mir der Unterschied nochmal ganz deutlich.

Nicht nur die Art der Konzentration beim Spielen, sondern auch der Rahmen schafft oft eine derart andere Atmosphäre – Jazzclub vs. Aufgang mit Applaus und Vorbeugung zum Beispiel.

Auch die Zeitwahrnehmung ist eine komplett andere: beim Interpretieren werden am laufenden Band Noten entziffert und als Klänge ausgeführt – hier kann sich schonmal ein Gedanke einschleichen wie »Gleich kommt die fiese Stelle…« oder »Oh, das hat gut geklappt…«. Das Evaluieren kann vielleicht gar nicht komplett ausbleiben, da es ja eine formvollendete Version gibt: die Partitur.

Beim Improvisieren hingegen sind wir in Echtzeit damit beschäftigt, Zusammenhänge zwischen uns und den anderen Musizierenden und deren Klängen zu schaffen. Außerdem verarbeiten wir Informationen und kommunizieren mit den anderen – kommentieren/konterkarieren/verneinen/bejahen etc. deren Nachrichten, die durch Klänge ausgedrückt werden. Hier können wir uns fast schon in der Klangwelt verlieren und wundern uns, wenn das Set dann vorbei ist.

Im zweiten Lockdown 2020 kuratierte ich den November-Podcast von ON Neue Musik Köln, in dem ich Carl Ludwig Hübsch, Marlies Debacker, Prof. Michael Edwards und Santiago Bogacz interviewte – allesamt Persönlichkeiten, die sich immer wieder mit der Schnittstelle zwischen Improvisation/Interpretation oder Improvisation/Komposition beschäftigen – und kam dadurch mit inspirierenden neuen Ansätzen und Erfahrungen in Kontakt. Gleichzeitig empfinden wir in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Hier geht’s zur ersten Folge:

Wenn es für mich um das eigene Komponieren geht – und hier spreche ich als komponierender Improvisator, nicht als studierter Komponist – dann möchte ich vor allem Muster aufbrechen. Dann gebe ich mir und meinen Kolleg*innen zum Beispiel kleine Anweisungen oder komponierte Miniaturen, die es zu vollenden gilt, sodass wir improvisatorisch in Gefilde kommen, die wir sonst gar nicht entdeckt hätten.

Vor kurzem hatte ich beispielsweise das Vergnügen, für ein 11-köpfiges Ensemble bestehend aus Musiker*innen des Kölner Kollektivs IMPAKT und des Zürcher Kollektivs GAMUT zu komponieren. Hierbei fand ich einfach spannend, den Spieler*innen den Handlungsspielraum einzuschränken und zum Beispiel einen einen festen Tonvorrat vorzugeben. So konnte ich eine Dramaturgie komponieren, ohne den Ausübenden Material ohne Auswahlmöglichkeiten aufzwingen zu müssen. In einem anderen Stück habe ich alle Musiker*innen einfach nacheinander einen einzelnen Ton spielen lassen, in den verschiedenen Takes im Studio kamen hier viele spannende 11-tönige Konstellationen zustande, die gleichzeitg »konzentriert exekutiert« als auch überraschend klangen.

Wenn ich andere Improvisator*innen frage, was man nicht improvisieren kann, ist die Antwort oft: »Ein Unisono!« Also ein »Gleichklang«, wie zum Beispiel eine zu zweit im Gleichschritt gespielte Melodie.

Stimmt, 1:0 für die Komponist*innen also. Interessant finde ich auch folgenden Gedanken:

Wenn ich »einfach drauf los« improvisieren würde und im Anschluss daran zehn Sekunden des Gespielten wahrheitsgetreu notieren müsste, dann wäre das ja unheimlich viel Arbeit! Ich müsste erstmal eine rhythmisch korrekte Notation finden, die Tonhöhen bestimmen (eventuell auch mit geringen feinen Abweichungen, die in der Hitze des Moments entstanden sind) und die Lautstärken bestimmen, ebenso Artikulation und Phrasierung. Unter Umständen notiere ich dann ein wahnsinnig komplexes Gebilde – aber hey, war das überhaupt so gemeint?

An Kompositionen von (etablierten) Komponist*innen Neuer Musik reizt mich, dass ein kluger Kopf zig tolle Ideen via handwerklichem Geschick in eine schlüssige Komposition verarbeitet hat. Ich als übender Interpret kann dann voll und ganz in die Gedankenwelt und den Klangkosmos der Komponist*in eintauchen und eigne mir Aspekte an, die mir gefallen. Das färbt auch ganz sicher auf meine Ohren und Klangvorstellung ab und in der Konsequenz klingt auch meine eigene Musik dann ganz anders!

Im Grenzbereich

Das ist ähnlich, wie wenn ich jahrelang nur Sonny Rollins Soli transkribiere und übe – irgendwann muss sich das doch in meinem Sound, meiner Haltung und meinem Ideenreichtum widerspiegeln! Mittlerweile gibt es auch einen riesigen Fundus an großartiger Neuer Musik für Saxofon.

Beim Improvisieren hingegen finde ich ganz wichtig, den emotionalen Aspekt nicht zu unterschätzen. Großartige Improvisationen dürfen schmutzig klingen und müssen nicht zwangsläufig so hochpoliert werden wie eine erprobte Komposition. Beim freien Spiel ist der Weg von meiner Gefühlswelt zum Klang viel kürzer und unmittelbarer. Meine Frustration, mein Humor, meine Art der Kommunikation oder sogar meine Unsicherheit – alles wird direkt in Klang umgewandelt und erfahrbar. Hier kann ich mich nicht hinter einer ausgeklügelten Komposition verstecken!

Als Zuhörer fand ich es immer spannend, viele Konzerte unterschiedlicher Musiken hintereinander zu hören. Nach einem Konzert Kammermusik klingt Noise ganz anders und vice versa.

In der letzten Zeit interessieren mich vor allem die Grenzbereiche zwischen Komposition und Improvisation.

Im Moment befindet sich das Trio Abstrakt beispielsweise in einem Austausch mit dem amerikanischen Komponisten Anthony J. Stillabower, der dem Trio ein neues Werk komponiert und widmet. Das Material für die Komposition generiert Stillabower, in dem er den Ensemblemitglieder*innen Vokalimprovisationen schickt, zu denen diese dann improvisieren. Anhand dieser Improvisationen kristallisiert Stillabower dann »natürliches und persönliches« Material heraus, das er für seine finale Komposition nutzt.

Mich reizt es jedenfalls zunehmend, die verschiedenen Bereiche miteinander zu verknüpfen – Neue Musik im Rock-Sound, Neue Kompositionen mit meiner persönlichen Improvisations-Klangpalette, modulare und andere Mischformen u.v.m. – da freue ich mich schon auf die kommenden Experimente und Projekte!

Text: Salim Javaid, Fotos: Rebecca ter Braak

– Improvisierte Musik mit dem US-amerikanischen Improvisatoren und Komponisten Elliot Sharp spielen Hübsch/Debacker/Javaid + Sharp am 12.09.2021 im LOFT Köln

– Neue Musik im Spannungsfeld von Kammermusik und progressive Rock präsentiert Salim Javaid mit dem Trio Abstrakt + Mauricio Galeano (electric guitar) am 16.11.2021 im Stadtgarten Köln mit Werken von Marco Momi & Clemens Gadenstätter.

2019, Sunnyside

Nach zwei überaus erfolgreichen Trio-Live-Aufnahmen überrascht Pianist Benny Green mit den sehr unterschiedlichen Stilen auf dem vorliegenden Album. Es beginnt mit »Donny Hath a Way« mit Flötistin Anne Drummond als 1970er Jahre Fusion Reminiszenz. Die junge hochtalentierte Sängerin Veronica Swift agiert in »For Regulars Only« mit Scat auf den Spuren von Lambert Hendricks & Ross. »Latin America« führt dann rhythmisch ebendort hin. In »Naturally« klingt Veronica Swift wie eine Cool Jazz Sängerin à la June Christy. Erst »Minor Contention« liefert das virtuose heftig swingende Klaviertrio-Spiel mit Bassist David Wong und Schlagzeuger Kenny Washington, das man seit über 30 Jahren mit Green verbindet. Swift zeigt ihre gesanglichen Qualitäten in der Ballade »Something I Dreamed Last Night« mit Greens sehr geschmackvoller Begleitung, bevor das Trio mit »Wiggin‘« nochmals heftig aufdreht und das Album swingend beendet. Der Titel »Then And Now« deutet darauf hin, dass Green hier seine prägenden Einflüsse in Beziehung stellen möchte mit seinem heutigen Spiel. Die daraus resultierenden Stilwechsel werden nicht jedermanns Sache sein, auch wenn die einzelnen Stücke jeweils für sich überzeugen. 

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Ute Hasenauer-Ramirez

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

24. Folge: Jochen Axer im Gespräch mit der Geigerin Dr. Ute Hasenauer-Ramirez

Bereits mit 10 Jahren wurde Hasenauer zusammen mit Frank Peter Zimmermann in einer bundesweit erstmaligen Sonderregelung an der Folkwang Musikhochschule in Essen als Jungstudentin zugelassen. Später studierte sie dort bei Valery Gradow sowie in Mannheim und Köln und absolvierte zahlreiche Meisterkurse bei renommierten Hochschullehrern. 1993 wurde sie als erste Frau in der Geschichte des Orchesters Konzertmeisterin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in München und wurde anschließend bei den Bamberger Symphonikern und seit 1999 beim London Philharmonic Orchestra verpflichtet. Darüber hinaus wirkte sie in zahlreichen Fernseh- und Rundfunkaufnahmen mit und trat seit frühester Kindheit mehrfach als Solistin mit diversen Orchestern auf und gab zahlreiche Sonatenabende im In- und Ausland. Darüber hinaus entstanden in dieser Zeit zahlreiche Fernseh- und Rundfunkaufnahmen bei in- und ausländischen Sendern.

Charles Mingus- bass, George Adams- sax/vocalist, Don Pullen- Piano, Jack Walrath- Trumpet, Dannie Richmond- Drums

Charles Mingus (1922-1979) ist sicher einer der bedeutendsten Kontrabassisten und Komponisten des Modern Jazz, immer auf der Basis des Hardbop, aber mit vielen Ausflügen in Gospel, Blues, Klassik und Free Jazz. Ausgewählt habe ich einen Blues aus seinen letzten Jahren, der sich bei mir festgesetzt hat, weil er ihn auf seiner Tournee 1975 in Montreux gespielt hat /(Album »Changes One/Two«) und ich ihn da zum ersten Mal hörte. Deshalb hier auch diese Aufnahme:

Mingus hat unglaublich viele Werke geschrieben. Sein zentrales herausragendes  Werk aus meiner Sicht ist das Album »Pithecanthropus Erectus«  aus dem Jahr 1956 mit vollkommen neuen Ansätzen jenseits des bis dahin konventionellen Jazz.

  Charles Mingus – bass Jackie McLean – Alto saxophone J. R. Monterose – tenor saxophone Mal Waldron – piano Willie Jones – drums.

Sein großorchestrales Werk »Epitaph« aus dem 1962 wurde unter Leitung von Gunther Schuller nach dem Wiederauffinden und Rekonstruieren der Partitur 1989 eingespielt, hier gibt es eine NDR-Aufnhame von 1991.

Am bekanntesten sind sicher die Komposiitionen aus den 60er Jahren

»The Black Saint and the Sinner Lady« (1963) 


»Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus« (1963)

Und sehr spannend ist  der Dokumentarfilm »Triumph Of An Underdog« aus dem Jahr 1997, realisiert durch Don McGlynn mit vielen seiner Stücke, eine tolle Hommage an Charles Mingus.


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2021, FLOATmusic

Melodie-orientierter Straight Ahead Jazz ist in den letzten Jahren auch unter jüngeren Musikern wieder im Kommen. Mit mitreißender Frische wird er hier dargeboten von dem jungen Quartett des gebürtigen schweizer Altsaxofonisten Tobias Haug, der auch alle neun Stücke komponiert hat und seit 2016 in Köln lebt. In »PB« soliert Haug über dem Hardbop-Rhythmus von Bassist Luca Müller und Schlagzeuger Felix Ambach, bevor Pianist Felix Langemann kreative Läufe über Müllers Basslinie legt. »Pocket Knife« könnte aus dem Band Book der Cannonball Adderley Band stammen. Der Titelsong »Empty Streets« besticht durch seine besonders gelungene Melodie. Haug und Langemann spielen ihre besten Soli im schnellen »Back Home«. Die Ballade »Remember« wird von Haug ausdrucksstark zelebriert, wobei sein schöner Altsaxofonton von Toningenieur Stefan Deistler im Kölner Loft brillant eingefangen wurde. Das Album endet mit dem »BBQ Burger Blues«, sehr schnell vorangetrieben vom wohlklingenden Walking Bass Müllers und dem variablen Drumming Ambachs. Diese Aufnahme macht von Anfang bis Ende Freude.

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Frank Beumer

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

23. Folge: Jochen Axer im Gespräch mit Frank Beumer, Seniorpartner und Mitglied der Vertriebsleitung im Unternehmen HORBACH. 

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Münster stieg er 1996 als Trainee im Unternehmen in Köln ein. Neben seiner Tätigkeit bei Horbach ist er auf vielfältige Art und Weise ehrenamtlich in Köln engagiert. Durch sein Engagement hat er sich ein breites Netzwerk über Kölns Grenzen hinaus aufgebaut. Darüber hinaus ist er Mentor und Referent an verschiedenen privaten und öffentlichen Hochschulen.