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Moderation: Wolfgang Frömberg

Eine Lesung aus der Reihe Literatur zur Zeit

Vom Ende der Pop-Utopien

Mit Ende vierzig wird Peter Justen von der Zeit und dem Leben in der großen Stadt überrollt und zurück in die Gegend seiner Herkunft geworfen. Ein ungewolltes Comeback, das im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgeht. Er hatte sich in der großen Stadt eine Welt aufgebaut, in der er sich wie ein Jemand fühlte. Eine Welt aus Liedern, Romanen, linker Theorie, Memoirs und Essays über Herkunft und Geschlecht, Manifesten zum Klimawandel, klugen Feuilleton-Beiträgen und langen Gesprächen über Popkultur in angesagten Bars, postdramatischen Theateraufführungen, japanischen Filmklassikern und aufrührenden Konzerten. Dazu Begegnungen mit interessanten Künstlerinnen und kuriosen Hochstaplern, narzisstisch Gestörten und anregend Größenwahnsinnigen. Nun verblasste diese Welt und er war wieder der Niemand, als der er vor langer Zeit aufgebrochen war.

»Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo« ist ein melancholisch-komischer Roman über die Versprechen der Popkultur und die Frage, ob sie diese jemals eingelöst hat.

Maik Brüggemeyer, geboren 1976 in Mettingen, aufgewachsen im Tecklenburger Land, dann ­aufgebrochen in »a bigger brighter world, a world of books and silent times in thought«. Schreibt seit 2001 unter anderem für den »Rolling Stone« über Musik, Literatur, Film und Popkultur. Er hat bisher zwei Romane und mehrere Sachbücher veröffentlicht – zuletzt »Schöner kann es gar nicht sein. The Beatles von 1957 bis 1970« ­(Reiffer, 2021), ist Herausgeber der Anthologie »Look Out Kid. Bob Dylans Lieder, unsere Geschichten« (Ullstein, 2021) und hat Robert Forsters Memoiren »Grant & I« (Heyne, 2017) ins Deutsche übersetzt.

 

Moderation: Wolfgang Frömberg

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

»Gemalte Feuer« ist ein soghafter Roman über Freundschaft, Schicksal, Selbstbestimmung und eine künstliche Befruchtung. Mit hypnotischen Sätzen und feinem Humor erzählt Eva Hegge von einer Frau, die sich auf der Suche nach einem Kind in einer Zwischenwelt wiederfindet, und stellt die Frage, wie wir ausbrechen können aus Ordnung und Norm.

Rebekka ist Mitte dreißig, studiert, und Verkäuferin in einem Möbelgeschäft. Sie lebt in einer Beziehung, sehnt sich nach einem Kind, das nicht kommt, und fragt sich, warum dieser Wunsch so stark ist und weshalb er nicht einfach verschwinden kann.

Als ihre beste Freundin Jenny schwanger wird, zieht sich eine Schlinge um Rebekkas Herz. Und es überkommt sie das Gefühl, dass sich nun alles in ihrem Leben in eine schicksalhafte Ordnung fügt. Sie begibt sich auf eine Odyssee – in fensterlose Arztpraxen, in Bibliotheken, an die Orte ihrer Kindheit und der Freundschaft zu Jenny, zu ein paar Nonnen und in die rätselhaften Mythen einer fernen Vergangenheit.

Eva Hegge wurde 1982 in Köln geboren. Studium in Leipzig und Aberdeen. Arbeit für die Internationalen Kurzfilmtage Ober­hausen und das Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität Köln. Sie hat mehrere Kurz­- und Experimental­filme gedreht, die auf großen deutschen Filmfestivals gezeigt wurden. »Gemalte Feuer« ist ihr erster Roman. Sie lebt in Köln.

 

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

Moderation: Wolfgang Frömberg

»Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.« So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem Unrecht blutige Vergeltung übt. Sein Rachefeldzug ist noch zweihundert Jahre später Vorbild und Handlungsanweisung für Michaela Kohlhaas, eine stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein. Es ist von Nachteil, sich zu wehren. Doch selbst wenn alle Welt sie für wahnsinnig erklärt – sie geht »mit wehenden Fahnen« ihrem Ende entgegen, auf ein gutes Ende hoffend, und doch ahnend: Ein solches Ende wird es vielleicht nicht geben.

Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

Moderation: Wolfgang Frömberg

Dorothee Elmigers bildgewaltiger Roman – eine mitreißende Erfahrung. Wer diesen Text betritt, fällt in den Abgrund unserer Welt und blickt mit aufgerissenen Augen in die Finsternis. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, dem Schweizer Buchpreis und dem Bayerischen Buchpreis 2025

Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen.

Dorothee Elmiger, geboren 1985 in der Schweiz, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in New York. Ihre Bücher »Einladung an die Waghalsigen« (2010), »Schlafgänger« (2014) und »Aus der Zuckerfabrik« (2020) wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, für die Bühne adaptiert und vielfach ausgezeichnet. Ihr Roman »Die Holländerinnen« erhielt 2025 den Deutschen Buchpreis, den Bayerischen Buchpreis und den Schweizer Buchpreis.

 

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

»Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« – Christiane Rösinger.

Moderation: Christina Mohr

Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt. In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat.

 

 

»Die Geschichte einer Emanzipation – stark und unverwechselbar.« Anne Rabe

 

Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.

 

München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.

Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor*innenwerkstatt des LCB eingeladen. Mit Die kurzen Karrieren stand sie in dem Jahr auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. 2024 wurde sie durch das Spaltmaße-Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung gefördert, 2025 durch das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW.

 

Foto: Maximilian Gödecke

Hinter der perfekten Idylle lauert die »Tradwife«-Szene – Hannah Lühmanns Roman über ein virales Thema und den Rechtsruck in unserem Land

Als Jana mit ihrer Familie aufs Land zieht, merkt sie schnell: Hier gelten andere Regeln. Hinter der bürgerlichen Fassade lauert ein höchst problematisches Weltbild, wie selbstverständlich wird hier AfD gewählt. Auch Janas charismatische Nachbarin Karolin hat sich ganz der Rolle als Hausfrau und Mutter verschrieben. Je mehr Zeit Jana mit Karolin verbringt, desto klarer wird ihr, dass sie auf eine sehr zeitgemäße Weise ultrakonservativ ist – sie kämpft als »Tradwife« im Namen der Tradition gegen alles, wofür Jana eigentlich steht. Jana versucht, sich gegen ihre Faszination zu wehren, und ertappt sich doch immer wieder bei dem verstörenden Gedanken, dass sie Karolin um ihr Leben beneidet …

Hannah Lühmann, geboren 1987, hat Philosophie in Berlin und Paris studiert. Sie schrieb unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Die Zeit“. Von 2014 bis 2025 war sie als leitende Redakteurin im Kulturressort bei der „Welt“ und „Welt am Sonntag“ tätig. Hannah Lühmann lebt als freie Journalistin mit ihrer Familie in Berlin.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

Moderation: Wolfgang Frömberg

Nepal, 2001. Ein Mädchen lebt als wiedergeborene Göttin, eingesperrt in einem Tempel. Die Pilger, die sie täglich aufsuchen, sind ihr einziger Kontakt zur Außenwelt. Doch ihre Zeit als sogenannte »Kumari« läuft ab. Während ihr zu Ehren in ganz Nepal ein blutiges Opferfest gefeiert wird, bereiten maoistische Rebellen im Hinterland den Sturz des Königs vor. Ein Bürgerkrieg droht.

Auf dem Höhepunkt des Fests erreicht die junge Partisanin Rupa Rana mit einem entscheidenden Geheimauftrag die Hauptstadt Kathmandu. Auch Kronprinz Dipendra kehrt in seine Heimat zurück, den Kopf voll fremder Ideen und erfüllt von einem unerklärlichen Hunger. Ihre Wege kreuzen sich. Vom Ausgang ihrer verhängnisvollen Begegnung hängt ab, ob die Feiern mit einem Neuanfang oder einem Blutbad enden …
Ein packender, sprachmächtiger Roman über Liebe und Familie, Freiheit und Gehorsam und das Wagnis, in all dem Chaos das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Frei nach den historischen Ereignissen um die Kindgöttin Kumari greift das Buch ein Thema auf, das noch nie als Roman erzählt wurde.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Specials »Pop, Literatur und Gesellschaft – Mind the Gaps« in der Reihe »Literatur zur Zeit«.

Mind the Gaps IV: Ein Roman und seine Gegenwart

Moderation: Wolfgang Frömberg

1995 erschien Marcel Beyers Roman »Flughunde« über den die Literaturkritikerin Sigrid Löffler damals schrieb, er mache »das Dritte Reich als Medien-Phänomen, als eine Erscheinungsform der akustischen Propaganda und Massensuggestion, zu seinem Thema, personifiziert in der sinistren Gestalt eines Akustikers … Karnau, das Horch-Ungeheuer, ist der fürchterlichste Roman-Unhold, seit Patrick Süskind in seinem Roman »Das Parfum« das Geruchsmonster Grénouille erfand, das die Menschen experimentell umbrachte, um ihnen die Gerüche zu rauben.«

Wir wollen mit dem Autor darüber sprechen, ob und wie ihn der Roman in den vergangenen 30 Jahren und bis heute selbst beschäftigt(e) – auch in Bezug auf die gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit. Marcel Beyer lebte zur Zeit des Erscheinens von »Flughunde« in Köln und schrieb u.a. für das Popmagazin Spex. Der Plattenspieler des ehemaligen Spex-Geschäftsführers ziert das originale Buchcover – und steht womöglich am Abend mit auf der Bühne.

Gefördert vom Kulturamt der Stadt Köln, der Kunststiftung NRW und in Kooperation mit dem Kölner Literaturhaus.

Der dritte Abend des vierteiligen Literatur zur Zeit-Specials »Pop, Literatur und Gesellschaft – Mind the Gaps«. Gefördert vom Kulturamt der Stadt Köln und der Kunststiftung NRW:

»Re:Writing Hi(s)story«

Moderation: Wolfgang Frömberg

Wir sprechen über die Romane der Autorinnen und über das Phänomen des Um- oder Neu- oder Andersschreibens von Werken der Kanonliteratur sowie über literarisches Empowerment von Figuren, die in der fiktionalen Verarbeitung zum Teil realer Begebenheiten erst ganz allmählich zu Wort kommen.  Nicole Flatterys Roman »Nichts Besonderes« wirft ein anderes Licht auf die (Kunst-)Geschichte, in dem sie eine unscheinbare Mitarbeiterin von Warhols Factory als Hauptfigur wählt.
Lea Ruckpaul antwortet mit »Bye Bye Lolita« literarisch auf Nabokovs Klassiker – das größte Missverständnis der Literaturgeschichte«.

Nicole Flattery, geboren 1990, lebt in Dublin. 2017 erhielt sie den White Review Short Story Prize, was zur Veröffentlichung ihres ersten Erzählbandes führte. »Zeig ihnen, wie man Spaß hat« erschien 2020 bei Hanser Berlin. »Nichts Besonderes« (2023) ist ihr Debütroman

Lea Ruckpaul, 1987 in Ost-Berlin geboren. Seit 2023 ist sie Ensemblemitglied des Residenztheaters München. Ihre ersten Texte entstanden für das Theater. Ihr Debüt »My Private Jesus« wurde 2023 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt und zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. 2025 wird Lea Ruckpaul mit dem Kurt-Meisel-Preis ausgezeichnet. »Bye Bye Lolita« ist ihr erster Roman.

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