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Eine Veranstaltung von Literatur zur Zeit (Lesung und Talk auf Englisch)

Moderation: Wolfgang Frömberg

To be working-class in a middle-class world is to be a ghost. Excluded, marginalised, and subjected to violence, the working class is also deemed by those in power to not exist. We are left with a choice between assimilation into middle-class values and culture, leaving our working-class origins behind, or total annihilation.

In The Melancholia of Class, Cynthia Cruz analyses how this choice between assimilation or annihilation has played out in the lives of working-class musicians, artists, writers, and filmmakers — including Amy Winehouse, Ian Curtis, Jason Molina, Barbara Loden, and many more — and the resultant Freudian melancholia that ensues when the working-class subject leaves their origins to “become someone,” only to find that they lose themselves in the process.

Part memoir, part cultural theory, and part polemic, The Melancholia of Class shows us how we can resist assimilation, uplifting and carrying our working-class origins and communities with us, as we break the barriers of the middle-class world. There are so many of us, all of us waiting. If we came together, who knows what we could do.

In einer Welt der Middle Class zur Arbeiterklasse zu gehören, bedeutet ein Gespenst zu sein. Ausgegrenzt, marginalisiert und der Gewalt ausgesetzt, wird die Arbeiterklasse auch von den Machthabern als nicht existent betrachtet.
In The Melancholia of Class analysiert Cynthia Cruz das Leben von Musikern, Künstlern, Schriftstellern und Filmemacher:innen aus der Arbeiterklasse im Zwiespalt – darunter Amy Winehouse, Ian Curtis, Jason Molina, Barbara Loden und viele andere – und welche Freudsche Melancholie sich daraus ergibt, wenn das Subjekt aus der Arbeiterklasse seine Herkunft hinter sich lässt, um »jemand zu werden«, nur um festzustellen, dass es sich dabei selbst verliert.

Mit »The Melancholia of Class« – Teils Memoiren, teils Kulturtheorie und teils Polemik – zeigt Cyntha Cruz Wege, sich der Assimilierung zu widersetzen , indem man die Herkunft aus der Arbeiterklasse nicht verleugnet und die Barrieren der Welt der Mittelklasse durchbricht. »Wir sind so viele, wir warten alle. Wenn wir uns zusammentun, wer weiß, was wir erreichen können.«

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

Moderation: Simone Schlosser

Ein Millenial soll Mutter werden und will alles, nur nicht die eigene deutsche Familie reproduzieren. Ein gesellschafts- und sprachkritischer Roman erzählt drei Trimester – und die Zeit danach.

»Alle Befürchtungen waren wahr, und alles war gerecht gewesen.«

Ein Test im Büro bringt die Gewissheit: Teresa Borsig ist schwanger. Von der Idee einer Familie fühlt sie sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen. Da sind die Erinnerungen an ihre Kindheit, an Distanz, Disziplin und Schläge. In der Abtreibungsklinik von den Schwestern zum Schlucken der Tablette gedrängt, geht Teresa in den Widerstand: Sie will doch Mutter werden. Nein, Mama will sie werden. Kann man geben, was einem selber fehlt?

Das Gesundheitssystem nimmt die Schwangere auf wie einst die Eltern. Effizient. Kalt. Man will doch nur ihr Bestes. Und ihr Baby in einem Wärmebett isolieren. Wie hoch ist die Überlebenswahrscheinlichkeit ihres Säuglings? Ärzte und Schwestern sprechen über ihren Kopf hinweg. Teresa schreit. Sie solle sich mal nicht so wichtig nehmen, sagt das Krankenhaus.

»MTTR« erzählt von den Auswirkungen deutscher Nachkriegserziehung, erzählt die Unfähigkeit der Babyboomer, Gefühle zu zeigen, und wenn dann nur durch Ersatzhandlungen: Kauf, Korrektur und Sorge. Jeder Dialog ist eine Boshaftigkeit. Fast bemerkt man sie nicht, denn aktengraue Gefühlstemperatur und grobe Unbeholfenheit sind Alltag in Deutschland. Werden Millennials, wie Teresa, sie reproduzieren?

 

MTTR: Mean Time To Recover bzw. auch Mean Time To Repair (abgekürzt jeweils MTTR) wird als die mittlere Reparaturzeit nach einem Ausfall eines Systems definiert. Diese gibt an, wie lange die Wiederherstellung des Systems im Mittel dauert. Sie ist somit ein wichtiger Parameter für die Systemverfügbarkeit. (Quelle: Wikipedia)



Moderation Linus Volkmann

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit

 Jasper Nicolaisen (*1979) ist Autor und systemischer Therapeut. Er mag kulturellen Schund und Schmutz, Boxen und die komplizierten Probleme anderer Leute. Sein erster Roman Ein schönes Kleid erschien 2016 im Querverlag. Weitere Veröffentlichungen: »Erwachsen«, »Totes Zen« und »Tiere, Pflanzen, Sensationen«.Im Dezember kommt im Amrun Verlag der neue Roman »Winteraustreiben« heraus. Mit Mann und Kind lebt er in Berlin.

Im Rahmen von »Tiere, Pflanzen, Sensationen und …« wird Jasper Nicolaisen aus verschiedenen Titeln lesen und mit Linus Volkmann über die Frage sprechen würde, wie seine Texte zwischen Phantastik und dem »Realistischen«  wabern und welche Rolle das in einer größeren Perspektive auf dem Buchmarkt/in der  Popkultur spielt. Let’s talk about Verlage, Publikum, Literaturbetrieb.

Frauen hatten im Laufe der Geschichte kaum ein »Zimmer für sich allein«. Auch heute gelten viele Freund*innen, viele Projekte und die Kleinfamilie als Garanten für ein glückliches Leben. Woher kommen diese Vorstellungen und warum hat sich bis heute kaum etwas daran geändert? Anhand von kulturhistorischen Betrachtungen, Interviews und der Erkundung verschiedener Lebensentwürfe entlarvt Sarah Diehl die Denkmuster, die diesen Annahmen zugrunde liegen. Dabei blickt sie ebenso auf die Bedeutung des Alleinseins innerhalb der Familie oder Partnerschaft, in der kreativen und politischen Arbeit, wie in der Natur oder auf Reisen. Sie ermutigt, eigene Bilder über das Alleinsein zu hinterfragen und die Einsamkeit immer wieder bewusst zu suchen. Denn nur so entziehen wir uns der Bewertung durch andere und erkennen unsere wahren Bedürfnisse. Zentral ist für Sarah Diehl, dass Alleinsein nicht nur als elementarer Teil der Selbstfürsorge essentiell und absolut positiv ist, sondern dass es als wesentliche Triebfeder für Veränderung auch für das gesellschaftliche Miteinander Bedeutung hat. Insofern fordert sie auch die Gesellschaft auf, neue Antworten auf soziale Fragen rund um Familie und Fürsorge zu finden, aufgrund derer die Freiräume von Frauen immer noch immens eingeschränkt sind, damit die grundlegende Freiheitserfahrung allen selbstverständlicher zugänglich ist.

Sarah Diehl ist als Aktivistin und Autorin (»Die Uhr, die nicht tickt. Kinderlos glücklich«) eine der wichtigsten Stimmen zu weiblicher Selbstbestimmung im deutschsprachigen Raum. In ihrem neuen Debattenbuch »Die Freiheit, allein zu sein« zeigt sie, wie der gesellschaftliche Blick auf unterschiedliche Lebensformen, aber auch politische und strukturelle Zwänge insbesondere Frauen in ihren Freiheiten einschränken und das Alleinsein verhindern.



Eine Veranstaltung von »Literatur zur Zeit«

Moderation: Wolfgang Frömberg

1995 fährt der elfjährige Cherubim mit seiner Pfadfindergruppe auf eine dreiwöchige Kanufahrt einen westdeutschen Fluss entlang. Sie alle tragen klingende Fahrtennamen wie Kippe, Maus und Fliegentöter. Ihren Anführer, ein paar Jahre älter als sie, nennen sie Häuptling. Je weiter der Fluss sie trägt, desto verbundener fühlt sich Cherubim den anderen, desto mehr vergisst er sein Zuhause. Dort warten ohnehin nur seine frisch getrennten Eltern auf ihn, die Mutter überfordert, der Vater depressiv. Für den blinden Benito, mit dem er sich eines der Boote teilt, entwickelt er ein zunehmend obsessives Interesse.

In eindringlicher Sprache erforscht Hendrik Otremba, was uns über unsere eigenen Grenzen treibt. Abenteuererzählung und Künstlerroman in einem entwirft Benito im dichten Wechsel zwischen zwei Zeit- und Erzählebenen ein Kaleidoskop aus Zorn und Intellekt, Aktion und Reflexion, Terror und Kunst.

»Ein Epos über Pfadfinder, einen blinden Amokläufer und die Gespenster der Bundesrepublik. Vielschichtig erzählt Hendrik Otremba in dieser existenziellen Zeitreise gegen die Dunkelheit an und reizt dabei alle Möglichkeiten der Literatur aus.« (Arno Frank)

Hendrik Otremba, geboren 1984 in Recklinghausen, ist Schriftsteller, bildender Künstler und Sänger der Gruppe Messer, außerdem arbeitet er als Dozent für kreatives Schreiben und gelegentlich als Kurator. Als freier Journalist schreibt er sporadisch über Musik. Seine Malereien werden als Plattencover und in verschiedenen Magazinen veröffentlicht und ausgestellt. 2017 ist sein Debütroman Über uns der Schaum (Verbrecher Verlag) erschienen, im August 2019 folgte sein zweiter Roman Kachelbads Erbe (Hoffmann und Campe). Mit Messer hat er bisher fünf Alben veröffentlicht, zuletzt 2021 No Future Dubs. Er lebt in Berlin.



Eine Veranstaltung aus der Reihe »Literatur zur Zeit«. Moderation: Britta Tekotte.

Deutschland im Herbst 2001, zwischen Big Brother und Harald Schmidt Show. Andreas Martin von Hohenstein, angesagter Popliterat der 90er Jahre, verpasst – von Trennungsschmerz und einer Schreibblockade geplagt – die Anschläge vom 11. September.

Er gibt das Koksen auf, zieht von Berlin aufs Land in das Haus seiner verstorbenen Eltern und begibt sich auf einen naturromantischen Selbstfindungstrip. Der findet seine Erfüllung in der homoerotisch aufgeladenen Freundschaft mit dem charismatischen Heilpraktiker Christian. Von Hohenstein entdeckt das Wahre, Schöne und Gute – und will der Ironie endgültig abschwören. 

Mit Der Naturbursche ist Josefine Rieks ein gnadenloser Roman gelungen: Mit feinem Spott seziert sie ihre schriftstellerische Vorgängergeneration, sie fühlt sich ihr verpflichtet und kann ihr doch nicht mehr ganz vertrauen – ein poetologisches Spiel, das auf abgründige Weise die Frage nach der richtigen Literatur zwischen popliterarischem Erbe und Autofiktion stellt.

Eine Veranstaltung aus der Reihe »Literatur zur Zeit«

Moderation: Wolfgang Frömberg

Hinter Franziska liegen zwei Jahre in Paris und eine auf erwachsene Art beendete Beziehung. In Sachen Selbstverwirklichung steht sie gut da – abgeschlossenes Studium, solides Einkommen, gesundes Sozialleben, untrügliches Stilempfinden – und doch scheint etwas zu fehlen. 

Auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit sitzt sie in Cafés, arbeitet Aufträge ab, treibt Sport und trifft ihre Freund:innen. Um sie herum prallen Lebensentwürfe aufeinander, Stadtflucht und reflektierter Drogenkonsum, authentische Social-Media-Profile und künstlich beschworene Zwischenmenschlichkeit. Franziska beobachtet die Ambivalenzen ihrer Gegenwart ungerührt und schreibt darüber aus sicherer Distanz in einem Romanmanuskript – bis ein unabgeschlossenes Kapitel sie mit großer Wucht einholt.

Mit feinem Humor und einer präzisen Sprache beschreibt Carla Kaspari ein Milieu, ohne ihre Protagonist:innen vorzuführen, aber auch ohne auf sie hereinzufallen.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Sonderprogramms Aufgeschlagen! des Landes Nordrhein-Westfalen

In der Reihe »Literatur zur Zeit«

Moderation: Wolfgang Frömberg 

In Krieg und Krise scheint Literatur in den Hintergrund zu treten. Doch beweist allein schon die Vielzahl von Autorinnen und Autoren weltweit, die von autoritären Machthabern gegängelt, bedrängt, inhaftiert, gefoltert und umgebracht werden, dass Literatur nicht harmlos ist, sondern eine Aktivität, die von Autokraten als gefährlich eingestuft wird. 

Das neue Buch von Enno Stahl beschäftigt sich mit der Frage, wie Literatur auch hierzulande gesellschaftliche Wirksamkeit zurückerlangen kann. Seine Essays bewegen sich dabei zwischen den titelgebenden Polen von »Realismus« und »Engagement«. Realismus wird dabei verstanden als eine grundsätzliche Ausrichtung der Weltwahrnehmung, aber auch als literarische Kategorie. Engagement besitzt hier einen ganz ähnlichen Doppelcharakter – als tätige Praxis auf der einen und als Motivation und Motiv der Literatur auf der anderen Seite. 

Es geht um die Frage, wie Literatur Ausdruck einer solchen Praxis sein kann und wie sie zugleich diese Praxis konstruktiv mit ihren eigenen Mitteln zu befördern vermag. Leider lesen heutzutage immer weniger Menschen. Die Konsequenzen sehen wir jeden Tag. Man kann darin durchaus einen der Gründe für die emotionale Verarmung und die Verrohung des gesellschaftlichen Miteinanders ausmachen. 

Zentrale literarische Texte, auch ältere, etwa aus dem Kanon der Weltliteraturgeschichte, erörtern wichtige moralische Fragen, vermitteln Werte, Ideen und Haltungen. Literatur kann Empathie stiften, Facebook offensichtlich nicht. Es ist höchste Zeit, dass Literatur auch von Akteuren der politischen Praxis als wichtiger Transmitter wahrgenommen wird.

Enno Stahl, *1962. Autor, Kulturjournalist und Germanist. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heinrich-Heine-Institut der Stadt Düsseldorf. Veröffentlichte zuletzt u.a. die Romane »Spätkirmes« und »­Sanierungsgebiete«.

 

 

 



Eine Veranstaltung aus der Reihe »Literatur zur Zeit«

Moderation: Wolfgang Frömberg

»Wie lange dauert es, bis aus einem Zuhause eine Heimat wird?«

In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord. Ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem. Die Großmutter Maryam als Gastarbeiterin in Deutschland. Die Urgroßmutter Armine auf den Straßen von Istanbul. Einfühlsam und mit feinem Humor fächert Laura Cwiertnia die verzweigten Pfade einer armenischen Familie auf, deren Erfahrungen so tiefgreifend sind, dass sie noch Generationen später nachhallen.

Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden – in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben. Eindrücklich und bewegend erzählt Laura Cwiertnia davon, wie es sich anfühlt, am Rand einer Gesellschaft zu stehen. Und davon, wie es ist, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann.

Laura Cwiertnia, 1987 als Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter in Bremen geboren, ist stellvertretende Ressortleiterin bei der ZEIT. »Auf der Straße heißen wir anders« ist ihr literarisches Debüt.

 

Eine Veranstaltung aus der Reihe Literatur zur Zeit. Moderation: Wolfgang Frömberg

Ein Reiseführer ohne Sehenswürdigkeiten – mit 100 Songs durch Italien!

Seit jeher kommt in Deutschland keine Generation ohne Italiensehnsucht aus. Das Land jenseits der Alpen zieht an, es strahlt und schmeckt – und immer klingt es! »Wir Italiener sind Spatzen und Nachtigallen. Alle singen bei uns«, sagte der große Lucio Dalla, und so gibt es keinen besseren Schlüssel, um das Land zu verstehen, als die Musik. Oder jedenfalls keinen schöneren.

Ob Mina, Ricchi e Poveri oder Adriano Celentano, die Canzone ist nationales Kultur-gut: vom neapolitanischen Lied über die jährlich neuen Sommerhits bis hin zu Italo-Disco oder den Werken der Cantautori. Eric Pfeil macht sich mit uns auf die Reise, im Gepäck 100 Lieder, die uns ein Land, seine Geschichte und seine schönsten Flecken näherbringen, und die dazu einladen, wieder und immer wieder gehört zu werden. Wir fahren mit offenem Verdeck über schmale Küstenstraßen, streifen durch die Gassen Neapels und über die Strandpromenade Riminis – und haben garantiert immer den richtigen Soundtrack im Ohr.

Mit Unterstützung des Kulturamts der Stadt Köln und der Bunt Buchhandlungen.