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Jothan Callins & The Sounds Of Togetherness : »Winds Of Change«

2022, Mad About

Selbst Eingeweihten sagt der Name Jothan Callins vergleichsweise wenig. Callins hat als Side- und Bandman in verschiedenen Konstellationen gespielt, landete auch bei B.B. King und Stevie Wonder, dennoch sind seine diskografischen Beiträge spärlich gesät. Einen großen Teil seiner Musikkarriere verbrachte er als Dozent und Lehrer – und vier bedeutende Jahre auch beim Sun Ra im Arkestra. Es sollten die letzten vier Jahre des charismatischen Jazz-Innovators und »Alien auf Durchreise« Sun Ra sein. Callins und ihn verband, dass sie beide in Birmingham, Alabama geboren wurden. Sun Ra 1914, Callins 28 Jahre später. Das berüchtigte Zentrum der Segregation und rassistischen Unterdrückung der Schwarzen Bevölkerung brachte die Musiker hervor – natürlich sind sie jeweils Autodidakten gewesen.
Vor seiner Zeit im Arkestra (ab 1989) war Callins natürlich dennoch auch abseits der Musikschule unterwegs. Das einzige Artefakt dieser Zeit ist diese Platte, die nun vom portugiesischen Label »Mad About« nach 50 Jahren wiederveröffentlicht wird. »Winds Of Change« und hat weder mit den Scorpions noch mit dem Mauerfall zu tun. Nein, die Winde, die hier den Wandel bringen, sind spirituelle, musikalische, frei blasende und pustende.

Es ist die Aufnahme einer Session in New York, 1972. Neben Callins, der hier als Trompeter auftritt (er spielte in seiner Karriere auch noch Kontrabass), bilden Roland Duval (Percussion), Norman Connors (Drums), Joseph Bonner (Piano, Tambourin) die Besetzung. Der bekannteste Name ist Cecil McBee. Den Kontrabassist kennt man vor allen Dingen als Sideman für Wayne Shorter, Yusef Lateef, Alice Coltrane und unzählige weitere.

Es ist gewissermaßen eine bande à part, eine Gruppe außerhalb des Scheinwerferlichts, fernab der großen Hall of Fame. Dennoch: »Winds Of Change« ist eine hervorragende Spiritual Jazz-Platte, nicht überbordend, sondern der Sache verpflichtet. Gelegentlich taucht man in Träumereien ab, meist aber spielt man einen vertrauten Strata-East-Sound. Für seine Zeit fast schon konservativ erscheint der Opener »Prayer For Love and Peace«, das Chaos setzt erst im Titelstück ein. »Sons And Daughters Of The Sun« ist supergeschmeidig; trotz ordentlicher Dynamik in der Rhythmus-Sektion. Auch der Closer »Triumph: Invitation« schiebt kräftig an. Es ist immer wieder schön anzuhören, wie hier die verschiedenen Instrumente auseinander laufen und dann wieder zusammenkommen. Was soll man sagen: Die B-Mannschaft versteht ihr Handwerk. So ist diese Reissue vor allen Dingen eine Aufforderung an uns Hörer*innen, auch mal abseits der großen Prachtboulevards zu suchen und Nischen auszutesten. Es warten noch unzählige Werke à la »Winds Of Change”, die wiederentdeckt wollen.

Text: Lars Fleischmann