Toots Thielemans’ 100. Geburtstag

Mit über 90 gab der 2016 verstorbene Jean »Toots« Thielemans noch berührende Konzerte. Am 29.4.22 ist der 100. Geburtstag des Mundharmonika-Spielers, Pfeifers, Komponisten und Bandleaders.


Toots Thielemans

Am 29.4.2022 ist der 100. Geburtstag des Gitarristen, Mundharmonika-Spielers, Pfeifers, Komponisten und Band Leaders Jean »Toots« Thielemans, der 2016 verstarb und auch mit über 90 noch berührende Konzerte gab. Es gibt eine Biografie von Marc Danval, die aber nur in französisch und flämisch verfügbar ist 

Jean »Toots« Thielemans wurde am 29. April 1922 in Brüssel, Belgien, geboren. Schon als Kind spielte er Akkordeon, später kamen Gitarre und chromatische Mundharmonika dazu. Schon 1949 jammte er mit Miles Davis und Charlie Parker in Paris: 

1950 tourte er mit Benny Goodman in Europa, hier in einem Konzert in Schweden:

1952 emigrierte Thielemans in die USA und spielte bald mit Charlie Parker. 1953 wurde er Mitglied des George Shearing Quintet. Der blinde englische Pianist war in der Zeit bereits ein Jazz-Star in USA, Thielemans spielte Gitarre. Hier ein Mitschnitt aus Chicago 1953 mit Al McKibbon, Cal Tjader und Bill Clark:

Die Shearing Band im Video 1957: 

Im selben Jahr erschien Toots‘ amerikanisches Debut-Album “Man Bites Harmonica“ (Riverside) mit Pepper Adams, Kenny Drew, Wilbur Ware und Art Taylor:

Seine erfolgreichste Komposition war »Bluesette«, von ihm 1961 erstmals aufgenommen. Der Song wurde zu einem Jazz Standard, auch als Gesangstitel. Hier eine besonders jazzige Gesangsinterpretation von Mel Tormé, aufgenommen beim North Sea Jazz Festival in Den Haag 1981: 

In den 1960er Jahren etablierte Toots die Mundharmonika als Jazz-Instrument und sich selbst als einen internationalen Star. Hier in einer amerikanischen Fernsehshow 1961: 

Mit Peggy Lee und »Makin‘ Whoopee« im amerikanischen Fernsehen: 

1969 spielte Toots sein »Bluesette« mit der legendären brasilianischen Sängerin Elis Regina im schwedischen Fernsehen. Er zeigte seine virtuose Pfeif-Kunst:

Die brasilianische Musik bekam immer größere Bedeutung für ihn. Mit Elis Regina nahm er 1969 ein komplettes Album auf: 

Immer wieder wurde Toots engagiert für Filmmusik. Quincy Jones nahm mit ihm die Musik für »The Getaway« 1972 auf: 

1974 nahm er Michel Legrand’s »The Summer Knows« als Thema des Films »Summer of ‘42« auf: 

Toots blieb auf dem Laufenden hinsichtlich musikalischer Entwicklungen. Hier im Konzert mit E-Bassist Jaco Pastorius 1979, mit dem ihn eine generationsübergreifende Freundschaft verband:

Mit dem Rob Franken Trio mit Rob Langereis und Bruno Castellucci trat er 1982 in Lugano auf:

1987 spielte Thielemans beim ZDF Jazz Club in Stuttgart mit Fred Hersch, Harvie S und Adam Nussbaum:

Quincy Jones lud Toots zu seinem Konzert mit George Benson und Rachelle Farrell in Montreux 1991 ein, hier mit der Gänsehaut-Interpretation von »Everything Must Change«:

1994 trat Toots mit seinem Brazil Project bei Umbria Jazz auf, u.a. mit Ivan Lins und Eliane Elias:

Pianist Kenny Werner war ein musikalischer Vertrauter, mit dem Toots oft zusammenwirkte, auch vielfach in Deutschland. Hier beim Jazz Baltica Festival 1998: 

1999 wurde Stevie Wonder der Polar Music Award in Schweden verliehen. Gemeinsam mit Toots spielte er dessen »Bluesette«, beide an der Mundharmonika: 

Die WDR Big Band spielte 2004 mit Toots und Jeff Hamilton »Killer Joe« in Bühl: 

Mit Richard Galliano’s New York Trio mit Scott Colley und Clarence Penn trat Toots 2004 in Berlin auf: 

Jamie Cullum war sein Gast beim North Sea Jazz Festival 2007 in Rotterdam:

Bei Jazz Middelheim (Antwerpen) 2008 mit Kenny Werner, David Sanchez, Johannes Weidenmueller und Cindy Blackman:

2009 wurde Toots als NEA Jazz Master ausgezeichnet, der höchsten Ehre für Jazz-Musiker in USA, die nur sehr selten an Ausländer verliehen wird. 

Auch mit 90, im Rollstuhl und mit Asthma-Problemen, gab er noch berührende Konzerte, hier in Lüttich 2012: 

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte Toots mit Philip Catherine in La Hulpe, Belgien, 2014:

Sie waren über Jahrzehnte eng befreundet – Quincy Jones und Toots 2014: 

Toots im Interview über seine Karriere: 

Toots starb 2016. Viele Musiker halten die Erinnerung an ihn wach. Hier Gregoire Maret und Kenny Werner in Köln 2018: 

Zum 100-sten Geburtstag wird es zahlreiche Tribute Konzerte geben, u.a. mit dem Metropole Orkest, das schon 2017 mit Martijn Luttmer an Toots erinnerte: 

Lang lebe Toots – zwischen einem Lächeln und einer Träne!

Text: Hans-Bernd Kittlaus