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Hanna Fearns

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

28. Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit Singer-Songwriterin Hanna Fearns

Lou Donaldson (alto sax) , Jimmy Smith (org), Kenny Burrell (g), Grady Tate (dr)

Das ist seine Erkennungsmelodie, das Eingangsstück des Albums »Blues Walk« aus dem Jahr 1958 und der Song gleichen Namens: Lou Donaldsons unbestrittenes Meisterwerk. Das Video stammt natürlich aus einem späteren Jahr, aber die grandiose Besetzung ist unverändert mit Jimmy Smith, Kenny Burrell und Grady Tate. Mit diesem Album setzte er sich langsam ab vom alleinigen Charlie-Parker-Einfluss und spielte eher in Richtung »rauchiger Blues«. Weiter klarer Bebop, vital und unverwechselbar, gleichzeitig warm und einnehmend. Der leicht swingende Titelsong ist ein Klassiker, Donaldsons sanft singender Bläsersatz einschmeichelnd und melodisch und trotz aller neuen Ideen gutmütig und zugänglich. In Donaldsons umfangreichem Katalog gibt es zahlreiche sympathische Platten, aber Blues Walk ist für mich die beste von ihnen allen.

Wer mehr von diesem Album hören möchte: Bitte sehr – zum Start nochmals der »Blues Walk«, dann »Move«, »The Masquerade Is Over«, »Play Ray«, »Autumn Nocturnme«, »Calling All Cats«:



Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, Sessionheads United

Pianist und Komponist Marc Cary ist zwar erst 54, aber kann auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere zurückblicken, die allein schon den Albumtitel »Life Lessons« rechtfertigt. Sein Trio mit seinen beiden jungen Schülern Bassist Dan Chmielinski und Schlagzeuger Diego Joaquin Ramirez ist bestens eingespielt durch jahrelange wöchentliche Auftritte in New Yorker Clubs im Rahmen von Carys Reihe »The Harlem Sessions«. Im Zentrum des Albums steht Carys intensive, mit E-Piano und E-Bass eingespielte Komposition »It’s not a good day to die«, entstanden nach 9/11 und jetzt durch die Erlebnisse der Corona-Zeit ins Bewusstsein gerückt. Cary erinnert sich an seine Zusammenarbeit mit Abbey Lincoln mittels ihrer Komposition »And it’s supposed to be love«. Eingeleitet von Chmielinskis fettem akustischem Basssound erreicht Cary die Ausdrucksstärke von Lincolns Gesang mit seinem Pianosolo. Das lebensfrohe »It’s tricky« vertreibt alle trüben Gedanken mit schnellem Tempo. Mit »Trust«, das Roy Hargrove in Carys Haus schrieb, gedenkt der Pianist dem verstorbenen Trompeter, unterstützt durch Ramirez‘ höchst kreative Perkussion. Carys Religiösität kommt im Stück »God is love« zum Vorschein. Das Album endet mit zwei nicht auf dem Cover angekündigten Bonus-Stücken, einer Solo-Piano-Interpretation von »Trust« und einer akustischen Trio-Version von »It’s not a good day to die“. Über die gesamt Laufzeit von 65 Minuten drücken sich Triumph und Tragik des Lebens in einem breiten musikalischen Spektrum aus – Life Lessons. 

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Stefan Rey

Unser wöchentlicher Podcast über das Leben, die Musik und alles, was dazugehört.

27. Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit dem Bassisten Stefan Rey.

Es ist die Komposition von Oscar Peterson, zwar weltweit bekannt, aber vielleicht weniger, dass sie von O.P. stammt. Hier seine Original-Aufnahme aus dem Jahr 1964 mit seiner legendären und kongenialen Trio-Besetzung mit Ray Brown am Bass und Ed Thipgen am Schlagzeug. Sie gelten bis heute als eine der besten Jazz-Trios aller Zeiten. Der Song  erschien 1963 auf dem wunderbaren Album »Night Train«, also liegt nahe, dies in voller Länge anzuhören in der genannten Besetzung. Vorab der Titelsong Night Train, auch bekannt unter »Happy-Go-Lucky-Local«

Aber gerne auch alle anderen Stücke dieses Albums mit Jazz-Standards, Duke-Ellington-Kompositionen und Stücken aus dem Great-American-Songbook; denn man spürt sofort, wie entscheidend ist, wer spielt! Und Oscar, Ray und Ed schließen ab mit »Hymn To Freedom«:

00:00 C Jam Blues 03:26 Night train 08:19 Georgia My Mind 12:05 Bags’ Groove 17:48 Moten Swing 20:42 Easy Does It 23:28 Honey Dripper 25:52 Things Ain’t What They Used To Be 30:33 I Got It Bad And That Ain’t Good 35:42 Band Call 39:38 Hymn To Freedom

Wer nicht nur hören, sondern auch sehen will (was in der Tat nochmals eine zusätzliche Dimension eröffnet), hier – mit nochmals anderen Songs, unter anderem dem von mir so geliebten »You Look Good To Me« (ab 08:45) siehe anderer Lieblingssong – eine Aufnahme aus Amsterdam 1965 als »TV-Special« und weiterhin in der berühmten Trio-Besetzung.

»Someday My Prince will Come«, »Maria«, »You Look Good To Me«, »Tonight Goodbye«, »Golden Striker«

Zurück zur »Freiheitshymne«, die tausendfach interpretiert wurde – gefunden habe ich noch eine nette Aufnahme als »Tribute to Oscar Peterson« von Dione Taylor, Oliver Jones und Dave Young:

Ich bin also nicht der einzige, der sich tief vor Oscar Peterson, aber auch Ry Brown und Ed Thipgen verbeugt – viel Spaß!



Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, ACT

Der Titel der CD ist für Deutschsprachige etwas irritierend. Im Englischen gibt es »harp« nicht nur als Harfe, sondern auch als »mouth harp«, was für Mundharmonika stehen kann. Genau das sind die Instrumente des gebürtigen Kolumbianers Castaneda und des gebürtigen Schweizers mit afro-amerikanischen Vorfahren Maret. Die Kombination dieser beiden Instrumente im Duo erzeugt ein faszinierendes Klangbild, das überraschenderweise ein Novum zu sein scheint. Castaneda spielt die Harfe eher perkussiv und damit jazz-affin und verzichtet weitgehend auf die ausschweifenden Glissandi, für die die Harfe in der Klassik bekannt ist. Maret ist legitimer Nachfolger von Toots Thielemans, von dem er einiges in sein Spiel übernommen hat. Gemeinsam machen sie auf dieser CD höchst abwechslungsreiche Musik mit starkem Fokus auf melodische Improvisation. Béla Fleck’s Gastbeiträge am Banjo bleiben eher im Hintergrund, während Andrea Tierra, Sängerin und Ehefrau Castanedas, mit ihrer schönen dunklen Stimme zusätzliches lateinamerikanisches Flair zaubert. Als Beispiele herausgegriffen seien Charlie Haden’s „Our Spanish Love Song“ mit Maret’s etwas schwermütiger Darbietung der Melodie und Castaneda’s melodischer Improvisation, bei der seine Harfe mitunter an eine Gitarre erinnert, sowie Luiz Bonfá’s etwas schnelleres »Manha de Carnaval«. Die beiden Virtuosen stellen sich ganz in den Dienst der Musik und produzieren Schönheit mit Ecken und Kanten.

Text: Hans-Bernd Kittlaus

Charlotte Illinger

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26. Folge: Wolfgang Frömberg im Gespräch mit der Sängerin und Komponistin Charlotte Illinger, die mit ihrem Stück »Take a Breath« den Kompositionswettbewerb der Cologne Jazz Supporters 2021 gewonnen hat.

Berühmt wurde das lateinamerikanische Stück durch die Veröffentlichung des gleichnamigen Albums des Vibraphonisten Cal Tjader mit seiner Aufnahme 1964. Das Stück bietet eine verblüffende Mischung aus Mambo, Samba, Bolero, Boogaloo vor dem Hintergrund einer großartigen Rhythmusgruppe und natürlich den Soli des Vibraphones. Wer da nicht ins Fußwippen kommt, dem ist nicht zu helfen. Ursprünglich stammt das Stück aber von Chano Pozo und Dizzy Gillespie, bereits 1954 von Cal Tjader im Marines Memorial Theater in San Francisco gespielt. Deshalb hier eine Live-Aufnahme. a vom Monterey Jazz Festival 1975 in der Besetzung mit Dizzy Gillespie (tp) und dem Cal Tjader Quintett mit Cal Tjader (vib) Al Zulaica (p) Terry Hillliara (b) Big Black, Armando Peraza (d, perc)

Von genau diesem Festival gibt es auch eine Video-Aufzeichnung eines anderen Stücks, das in der Performance durch Dizzy und Cal (ab 4:10 min) nur als supercool bezeichnet werden kann.

Cal Tjader ist vielleicht heute kein Name, der für das breite Publikum bekannt ist – und er hat auch keinen musikalischen eigenen Stil geprägt oder ihm seinen Stempel aufgedrückt, wie es anderen Jazzgrößen gelungen ist. Aber er hat den Latin-Jazz mit begründet, obwohl selbst nicht lateinamerikanischer Herkunft, hat das Vibraphon als Jazzinstrument neben Gary Burton, Bobby Hutcherson und Milt Jackson etabliert und war sehr bekannt, berühmt, erfolgreich in den 50er und 60er Jahren, zudem heute noch hoch respektiert insbesondere bei den Musikern aus dem lateinamerikanischen Umfeld.

Dazu ein nettes Interview aus dem Jahr 1965 mit Cal Tjader.

Jedenfalls ist er jenseits aller Entwicklungen seinem Stil immer treu geblieben. Hier zwei Jahre vor seinem Tod eine Aufnahme aus dem Jahr 1980 mit dem Querflötisten Roger Glenn…..ein klassischer Mambo

 😊



Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

»Una Mas (One More Time)« – 00:00  »Straight Ahead« – 15:20  »Sao Paolo« – 24:19  »If Ever I Would Leave You« (Alan Jay Lerner, Frederick Loewe) – 31:39

Una Mas« ist der auf den Bossa-Nova-Stils zurückgreifende wunderbare Titelsong eines Jazzalbums des Trompeters Kenny Dorham und seines Quintetts, das 1963 veröffentlicht wurde. Kenny Dorham hatte  leider nie den Erfolg, der ihm hätte zukommen müssen, er zog  sich daher nach 1964 zunehmend zurück. Oben das gesamte Album »Una Mas«, das bis auf ein Stück seine Kompositionen wiedergibt. 

(Besetzung: Kenny Dorham – trumpet (voice end of track 1) Joe Henderson – tenor saxophone Herbie Hancock – piano Butch Warren – bass Tony Williams – drums)

Dorham war einer der aktivsten Bebop-Trompeter. Er spielte mit Dizzy Gillespie, Lionel Hamptons,Mercer Ellingtons, Charlie Parker Quintett, Horace Silver and the Jazz Messengers, Thelonious Monk und vielen anderen Jazz-Größen. 

Vielleicht überzeugt ein Zitat von Miles Davis Miles: »Kenny war ein höllisch guter Trompeter, mit einem fantastischen Stil. Ich mochte seinen Klang und seine Phrasierung. Und er war wirklich kreativ und fantasievoll, ein Künstler auf seinem Horn. Kenny fand nie die Beachtung, die er verdient hätte.«

Wir beachten ihn hier und heute. Und zwar zusätzlich mit seinem Album »Quiet Kenny« aus dem Jahr 1959, das mit Sicherheit zu den besten Jazz-Alben seiner Zeit und bis heute gehört. 

Lotus Blossom 0:00 My Ideal 4:40 Blue Friday 9:44 Alone Together 17:09 Blue Spring Shuffle 24:49 I Had the Craziest Dream 29:30 Old Folks 34.45 Mack The Knife 37:51

(Besetzung: Kenny Dorham –trumpet, Paul Chambers – bass, Tommy Flanagan – piano, Arthur Taylor -drums)

 Und wer den Trompeter in einr Video-Sequenz sehen will, dem sei die nachfolgende Aufnahme aus Stockholm 1963 angeboten:

Kenny Dorham Quartet –  (Besetzung: Kenny Dorham tpt / Goran Lindberg p/ Goran Peterson b/ Leif Wennerstron dm)



Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

2019, Sunnyside

Allison Miller gehört seit vielen Jahren zu den führenden amerikanischen Musikern ihres Instruments, des Schlagzeugs. International bekannt ist sie insbesondere mit ihrer Band Boom Tic Boom. Das vorliegende Album präsentiert ihre neue Band mit der Pianistin Carmen Staaf. Die beiden haben jeweils vier Stücke komponiert und spielen sie mit Bassist Matt Penman und auf einzelnen Stücken Trompeter Ambrose Akinmusire und Tenorsaxofonist Dayna Stephens. Es beginnt furios mit dem Stück »What?«. Akinmusire, der auf seinen Aufnahmen unter eigenem Namen immer etwas kopflastig wirkt, spielt hier einige wirklich frische, inspirierte Soli. Auch Stephens agiert höchst motiviert und zelebriert »Symmetry« mit seinem warmen kultivierten Saxofonklang. »Ready Steady« ist ein Trio-Titel mit melodischem Solo von Penman und improvisatorischem abstrakterem Höhenflug von Staaf über dezentem Swing von Miller und Penman. Diese Balance von Intellekt und Gefühl, von traditionellem Swing und freieren abstrakten Elementen prägt das gesamte Album. Eine hörenswerte Aufnahme!

Text: Hans-Bernd Kittlaus