O Que Sera« ist ein Lied von Chico Buarque aus dem Jahr 1976, oben in einer der ersten Aufnahmen mit Milton Nascimento.Bei diesem brasilianischen Stück besticht das Zusammenspiel der beiden Künstler, unabhängig von der großen Band, die dahintersteht.  Und ein Liebeslied von großer Zärtlichkeit, Zuneigung und gleichzeitig Freude an dieser Musik. 

Francisco Buarque de Hollanda, im Volksmund Chico Buarque  ist ein 1944 geborener brasilianischer Allround-Künstler als Singer-Songwriter, Gitarrist, Komponist, Dramatiker, Schriftsteller und Dichter. Seine Musik und Texte reflektieren oft soziale, wirtschaftliche und kulturelle Themen Brasiliens. Zeit seines Lebens hatte er sich daher mit den verschiedenen Regimes auseinanderzusetzen.

Seine Protestsingle »Apesar de Vocé« (»Trotz du« – in Anlehnung an die Militärdiktatur) wurde von den Militärzensoren übersehen und zu einer wichtigen Hymne in der demokratischen Bewegung. Nach dem Verkauf von über 100.000 Exemplaren wurde die Single schließlich zensiert und vom Markt genommen. 1974 verboten die Zensoren jeden Song, der von Chico Buarque geschrieben wurde. Er arbeitet unter Pseudonym weiter – in den 1970er und 1980er Jahren zusammen mit Filmemachern, Dramatikern und Musikern an weiteren Protestwerken gegen die Diktatur. Er schrieb später »Budapeste«, einen Roman, der auf nationaler Ebene Anerkennung erlangte und den brasilianischen Literaturpreis erhielt.

Seine Kombination aus Musik und Text legt nahe, auch den Liedtext zu veröffentlichen, hier in einer nicht autorisierten deutschen Übersetzung.

Was könnte das sein?
Nach denen sie in den Schlafzimmern seufzen?
Nach dem sie in Versen und Strophen flüstern?
Über die sie sich in der Dunkelheit der Nester einig sind?

Das in Köpfen lebt, in Mündern lebt?
Für das sie in den Gassen Kerzen anzünden?
Über die sie in den Kneipen lautstark sprechen?
Über die sie auf den Märkten schreien? Dass sie mit Sicherheit

Kann in der Natur gefunden werden, wie auch immer sie sein mag
Was keine Gewissheit hat und nie haben wird
Was keine Besserung hat und nie haben wird
Was keine Größe hat

Was könnte das sein?
Das lebt in den Ideen dieser Liebenden?
Das wird von den wahnsinnigsten Dichtern gesungen?
Das von den betrunkenen Propheten verheißen wird?

Das in den Pilgerfahrten der Verstümmelten geschieht?
Das sich in den Phantasien der Unglücklichen findet?
Das sich im Alltag der Prostituierten abspielt?
In den Plänen der Diebe, der Hilflosen

In jeder Hinsicht, sei was du willst
Was keinen Anstand hat und nie haben wird
Was keine Zensur hat und nie haben wird
Was keinen Sinn macht

Was könnte das sein?
Dass all die Warnungen nicht verhindern werden?
Denn jedes Lachen wird trotzen
Weil alle Glocken läuten werden

Denn alle Hymnen werden heiligen
Und alle Kinder werden weggeschleudert
Und alle Schicksale werden einander begegnen
Und der Ewige Vater selbst, der sich nie in die Nähe

Der Blick über diese Hölle wird sie segnen
Was keine Regel hat und nie haben wird
Was keine Scham hat und nie haben wird
Was hat kein Urteilsvermögen

Was könnte es sein, das mich quält?
Könnte es sein, dass mich das von innen heraus aufrührt?
Könnte es sein, dass es an der Oberfläche meiner Haut blüht?
Das sich auf meinem Gesicht erhebt und mich erröten lässt?

Das springt mir in die Augen und verrät mich
Und verkrampft sich in meiner Brust und lässt mich gestehen
Es gibt keine Möglichkeiten, sich zu verbergen.
Und was ist nicht richtig, dass jemand sich weigert

Und macht mich zum Bettler, lässt mich betteln
Was kein Maß hat und nie haben wird
Was keine Medizin hat und nie haben wird
Was kein Rezept hat

Was könnte das sein?
Das geschieht im Inneren der Menschen und sollte nicht geschehen?
Das untergräbt die Menschen und ist ein Makel?
Was wirkt wie ein harter Schnaps, der nicht sättigt?

Fühlt sich das an, als würde es nach der Feier wehtun?
Was die zehn Gebote niemals in Einklang bringen werden?
Und auch nicht alle Salben werden lindern
Weder alle Hexereien, noch alle Alchemie

Und weder alle Heiligen, sei es, was es wolle
Was keine Gnadenfrist hat und nie haben wird
Was keine Müdigkeit hat und nie haben wird
Was keine Grenzen hat

Was könnte es sein, das mich quält?
Könnte es sein, dass mich das von innen heraus verbrennt?
Das meinen Schlaf stört, könnte das sein?
Dass all die Beben, die kommen und mich erschüttern.

Dass mich all die unangenehmen Wärmegefühle schüren
Dass mir der ganze Schweiß auf die Nerven geht
Dass alle meine Nerven mich anflehen
Dass alle meine Organe schreien nach

Und ein schreckliches Gebrechen lässt mich betteln
Was keine Scham hat und nie haben wird
Was keine Regel hat und nie haben wird
Was hat kein Urteilsvermögen

Die Melodie wurde sehr häufig bearbeitet und genutzt, sowohl von Chico Buarque selbst wie von anderen Jazzern. Hier eine Version mit Roberto Carlos aus dem Jahr 1993:

.

Großartig gefällt mir die instrumentale Variante von und mit Brad Mehldau (und Jef Ballard, Larry Grenadier), mitgeschnitten bei einem Konzert 2005 in Toulouse (hier in der Aufnahme ab 11:13 min)

Und schließlich noch die mehr als hörenswerte Version des deutschen Trompeters Till Brönner:


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

The Girl from Ipanema« – im  Jahr 1962 von Antônio Carlos Jobim komponiert, wurde durch eine Aufnahme vom 19. März 1963 in New York, die im Folgejahr auf der Langspielplatte »Getz/Gilberto« erschien, zu einem der weltweit bekanntesten Songs der Bossa nova.  Die Kombination des Jazz-Tenorsaxophonisten Stan Getz mit dem brasilianischen Sänger und Gitarristen João Gilberto, mit Jobims Frau Astrud waren für den Sprung in die »Weltklasse« entscheidend.

Durch den Welterfolg wurden die typischen stilistischen Eigenheiten des Bossa-nova-Gesangs international bekannt. Dazu entwickelte man einen damals völlig neuartigen, betont leisen Gesangsstil, der nach den Worten von João Gilberto wirken sollte, »als ob man dem Zuhörer ins Ohr flüstere«. Und dazu gehörte dann auch der Wortlaut in portugiesicher Sprache, der noch in der Übersetzung »klingt«.

(»Schau, was für ein schöner Anblick, so voller Anmut, ist dieses Mädchen, die dort wiegenden Schrittes auf ihrem Weg zum Meer vorübergeht. Mädchen, deren Körper die Sonne von Ipanema vergoldet hat, ihr Gang ist vollendeter als ein Gedicht, sie ist das Schönste, das ich je vorbeigehen sah!«)

Girl, Boy… Hauptsache Ipanema!

Ob heute ein solcher Text ohne gesellschaftliche Diskussion noch möglich wäre, darf man sich nach dem Vorfall aus 2017 zum Gedicht von Eugen Gomringer fragen – denn dort behauptete die Kritik an seinem Gedicht eine »Degradierung der Frau zu bewunderungswürdigen Objekten im öffentlichen Raum«. Seltsam, dass zu ganz anders gearteten Texten des Rap solche Diskussionen nicht aufkommen. Und beruhigend, dass die Muse selbst, die es tatsächlich gab und gibt (»Helô«) bis heute keinen Anstoß nimmt.

Die Melodie gehört zu den am häufigsten interpretierten überhaupt, angeblich über 150mal. Am bekanntesten mag diejenige von Frank Sinatra sein, deshalb füge ich dessen Version aus dem Jahr 1967 bei (mit Antônio Carlos Jobim!). Man beachte die Zigarette…

…und diejenige mit und von Diana Krall von 2009, allerings mit anderem Text. »The Boy From Ipanema«. So ändern sich eben die Zeiten ….

Tall and tan and young and handsome
The boy from Ipanema goes walking
And when he passes, each girl he passes goes, ah

When he walks he’s like a samba
That swings so cool and sways so gentle
That when he passes each girl, he passes goes, ah

Oh, but I watch him so sadly
How can I tell him I love him?
Yes, I would give my heart gladly
But each day when he walks to the sea
He looks straight ahead, not at me

Tall, and tan, and young and handsome
The boy from Ipanema goes walking
And when he passes I smile but he doesn’t see
No, he doesn’t see, he doesn’t see me

Oh, but I watch him so sadly
How can I tell him I love him?
Yes, I would give my heart gladly
But each day when he walks to the sea
He looks straight ahead, not at me

Tall, and tan, and young and handsome
The boy from Ipanema goes walking
And when he passes I smile but he doesn’t see
He just doesn’t see, he just doesn’t see

Und über den großartigen Stan Getz reden wir an anderer Stelle…


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Heute mal etwas ganz anderes – und vielleicht für den einen oder anderen gar nicht aus der Schublade Jazz. »Don’t Worry Be Happy« ist der Titel eines Liedes des US-amerikanischen Jazzsängers Bobby McFerrin aus dem Jahr 1988. Er transportierte damit für viele die Botschaft des Gurus Meher Baba in Calypso-Form – und erfreute Millionen Menschen.

Here’s a little song I wrote
You might want to sing it note for note
Don’t worry, be happy.
In every life we have some trouble
But when you worry you make it double
Don’t worry, be happy.
Don’t worry, be happy now.
[2]

McFerrin hat in diesem Stück – und anderem – alle Stimmen im a-cappella-Stil durch die Technik des Overdubbing gesungen. Alle  vermeintlichen Instrumente imitierte McFerrin mit seiner Stimme beziehungsweise den Rhythmus mit Fingerschnipsen (auch wenn im Musikvideo Robin Williams und Bill Irwin mitspielen). Für den Song wurde McFerrin bei den Grammy Awards 1989 dreimal mit einem Grammy ausgezeichnet.

Damit wird der Blick auf Bobby McFerrin gerichtet, der am ehesten als Vokalkünstler beschrieben werden kann, mit enormem Stimmumfang und der Fähigkeit, verschiedene Instrumente zu imitieren. Er arbeitete mit einer Vielzahl von bekannten Musikern insbesondere aus dem Bereich des Jazz und entwickelte auch Kompetenz als Dirigent. Berühmt sind seine Improvisationen und unbegleiteten Solo-Konzerte. Derzeit ist er unter anderem Honorarprofessor an der Universität der Künste Berlin. 2020 erhielt er den Titel des Jazz Master der National Endowment for the Arts und damit die höchste Auszeichnung des Jazz in den USA.

Seine enormen Fähigkeiten seien an zwei wunderbaren Beispielen dokumentiert –  zunächst mit einem Improvisationsbeispiel aus dem Jahr 2012 (Millenium Stage):

Und wer sich die Zeit nehmen kann, sollte sein großartiges Konzert aus dem Jahr 2005 in Montreal von Anfang bis Ende anschauen und hören. Und feststellen, dass McFerrin die Gabe hat, hohe künstlerische Qualität mit Performance und Intensität in Richtung Publikum zu verbinden. Womit er eine Fröhlichkeit und tiefe Zufriedenheit bei seinen Gästen erreicht, die nur ein Künstler seiner Klasse erreichen kann. A la bonne heure!


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Besetzung: Klaus Doldinger (sax) Michael Hornek (keys) Martin Scales (guit) Patrick Scales (bass) Christian Lettner (drums) Ernst Ströer (perc) Biboul Darouiche (perc) Joo Kraus (trumpet)

Wade in the Water« ist eine Melodie, die nahezu jeder kennt, hier in einer aktuellen, zeitgemäßen und sehr gelungenen Interpretation von Klaus Doldingers Passport aus dem Jahr 2020.

Ursprünglich war dies ein Spiritual aus dem 19. Jahrhundert. Teil  der sogenannten »Songs of the Underground Railroad«: Sklaven organisierten ihre Flucht und  »Wade In The Water« erinnerte die Flüchtenden daran, im Wasser von Bächen zu laufen, damit die Suchhunde der Sklavenhalter ihre Spur verloren. 

Die erste Tonaufnahme des Liedes machten 1925 die Sunset Four Jubilee Singers.

Seitdem ist das Stück von etlichen Interpreten in verschiedenen Stilen (Gospel, Folk, Jazz, Blues, Soul ) genutzt worden

Zu den bekanntesten Aufnahmen von »Wade In The Water« gehören die des Golden Gate Quartet (1946):

Natürlich ließe sich eine Menge zu dem Golden Gate Quartet oder zu Klaus Doldinger und Passport sagen, aber das würde ablenken von dem Musikstück, das hier im Mittelpunkt stehen soll. Deshalb lieber noch eine andere Version: Jazz-Funk aus dem Jahr 1972 von Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass. Und wir verzichten auch auf Kommentare zu dieser tollen Formation und dem großartigen Peter Herbolzheimer, selbst wenn es schwerfällt… wir holen das an anderer Stelle nach…)

Peter Herbolzheimer Rhythm Combination & Brass, 1972:

(Besetzung:
Trumpets: Rick Kiefer, Dusko Goykovich, Art Farmer, Ack van Rooyen
Flutes, altosax: Herb Geller; Trombones: Jiggs Whigham, Rudi Fuesers, Peter Herbolzheimer 
Organ: Dieter Reith;  Bass: Jimmy Woode jr.;  E-Bass: Heinz Kitschenberg;  Drums: Tony Inzalaco;  Conga, percussion: Horst Muhlbradt;  Timbales, percussion: Hermann Mutscheler;  Sitar: Sigfried Schwab


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Dizzy Gillespie (tp), Johnny Griffin (ts), Vince Benedetti (p), Alby Cullaz (b), Art Taylor (ds) , Aufnahme aus dem Jahr 1971

A Night in Tunisia« ist ein weiterer Jazz-Standard des Bebop, geschrieben 1942 von Dizzy Gillespie.

Es war die Erkennungsmelodie von Gillespie’s Bebop-Big Band und ist von vielen Künstlern interpretiert worden, am bekanntesten vielleicht durch Charlie Parker, Art Blakey, Ella Fitzgerald und viele andere (auch Manhattan Transfer 1985). Für Gillespie typisch, eine Melodie mit »latin/oriental feeling« zu entwickeln und damit für das Einfließen lateinamerikanischer Rhythmen in den Bebop stilbildend zu werden. 

Aufnahmen aus verschiedenen Dekaden sind interessant, da sie die sehr unterschiedlichen Interpretationen abbilden, ohne  den afro-orientalischen Einfluss in Frage zu stellen sondern wunderbar zu nutzen. Hier etwa Dizzy mit Stan Getz 1978  (Dizzy Gillespie: Trompete/ Barney Wilen, Stan Getz: Tenor Saxofon/ Andy Laverne: Piano/ Rodney Jones: Gitarre/ Mike Richmond: Bass/ Mickey Roker, Billy Hart: Schlagzeug, Percussion), Nizza 1978.

Der 1917 geborene und 1993 verstorbene Dizzy Gillespie ist als Trompeter, Komponist, Arrangeur und Bandleader einen beeindruckenden Karriereweg gegangen. Startend mit Swing-Bands wurde er einer der prägenden Figuren des Bebop und insoweit Integrationsfigur, als er mit lateinamerikanischen, afrokubanischen und afrikanischen Einflüssen jonglierte. Als zunächst Jazz-Intellektueller der 1940er und 50er Jahre änderte er über politisches Eintreten gegen Rassismus und seinen Glauben der Bahai ab den 70er Jahren deutlich sein Auftreten.

Zunächst eine von mir sehr geliebte Aufnahme aus dem Jahr 1966 mit seinem Quintett mit dem großartigen James Moody an der Querflöte und Rudy Collins: Schlagzeug/ Christopher White: Bass/ Kenny Barren: Piano/ James Moody: Alt Saxofon/Flöte.

Sein Fähigkeit, Musikstile und Musiker zusammenzubringen, lässt sich unter anderem mit einem Konzert des »Dizzy Gillespie United Nations Orchestra« aus dem Jahr 1989 belegen. Und auch hier zum Abschluss mit »A Night in Tunisia« Royal (Festival Hall, London 1989)

 00:00:00 – Manteca 00:01:10 – Tin Tin Deo 00:11:08 – Seresta 00:14:38 – Samba For Carmen 00:20:26 – And Then She Stopped 00:28:41 – Moody’s Mood For Love 00:32:44 – Tanga 00:46:17 – Esquinas 00:52:56 – Kush 01:02:02 – Dizzy Shells 01:09:12 – A Night In Tunisia 

Besetzung :

Alto Saxophone, Clarinet – Paquito D’Rivera 
Alto Saxophone, Tenor Saxophone, Flute – James Moody 
Bass – John Lee 
Bass Trombone – Steve Turre 
Congas, Percussion – Giovanni Hidalgo 
Drums – Ignacio Berroa 
Guitar – Ed Cherry 
Percussion – Airto Moreira 
Piano – Danilo Perez Piccolo 
Trumpet, Flugelhorn – Arturo Sandoval 
Tenor Saxophone, Sopranino Saxophone – Mario Rivera 
Trombone – Slide Hampton 
Trumpet – Claudio Roditi, Dizzy Gillespie 
Vocals – Flora Purim


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Ein absoluter Klassiker der frühen Jahre, nämlich von Cole Porter, aus dem bekanntesten von ihm geschriebenen Musical »Kiss Me, Kate« von 1948.  Mit nicht weniger als 1077 Aufführungen am Broadway eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. Eine großartige Melodie, 1956 von Ella Fitzgerald interpretiert, siehe oben.

Und wie bei vielen Cole Porter -Melodien immer aufs Neue und mit neuen Nuancen genutzt und aufgenommen, hier zum Beispiel im Jahr 2008 von der wunderbaren Fay Claassen

Der durchaus doppeldeutige Text verdient es, auch wiedergegeben zu werden:

It’s too darn hot
It’s too darn hot
I’d like to sup with my baby tonight
Refill the cup with my baby tonight
I’d like to sup with my baby tonight
Refill the cup with my baby tonight
But I ain’t up to my baby tonight
‚Cause it’s too darn hot

It’s too darn hot
It’s too darn hot
I’d like to stop for my baby tonight
And blow my top for my baby tonight
I’d like to stop for my baby tonight
And blow my top for my baby tonight
But I’ll be a flop with my baby tonight
‚Cause it’s too darn hot

According to the Kinsey report
Every average man you know
Much prefers to play his favorite sport
When the temperature is low
But when the thermometer goes way up
And the weather is sizzling hot
Mister Adam for his madam is not
‘Cause it’s too too too too darn hot

It’s too darn hot
It’s too darn hot
I’d like to call on my baby tonight
And give my all to my baby tonight
I’d like to call on my baby tongiht
And give my all to my baby tonight
But I can’t play ball with my baby tonight
‘Cause it’s too darn hot

It’s too darn hot
It’s too darn hot
I’d like to coo with my baby tonight
And pitch the woo with my baby tonight
I’d like to coo with my baby tonight
And pitch the woo with my baby tonight
But brother, you pitch my baby tonight
‘Cause it’s too darn hot

According to the Kinsey report
Every average man you know
Much prefers his lovey-dovey to court
When the temperature is low
But when the thermometer goes way up
And the weather is sizzling hot
Mister Pants for romance is not
Cause it’s too too too darn hot

It’s too darn hot
It’s too darn hot
I’d like to fool with my baby tonight
Break every rule with my baby tonight
I’d like to fool with my baby tonight
Break every rule with my baby tonight
But pillow, you’ll be my baby tonight
‘Cause it’s too darn hot

It’s too darn hot
It’s too darn hot
I’d like to meet with my baby tonight
Get off my feet with my baby tonight
I’d like to meet with my baby tonight
Get off my feet with my baby tonight
But no repeat with my baby tonight
‘Cause it’s too darn hot

According to the Kinsey report
Every average man you know
Much prefers his lovey-dovey to court
When the temperature is low
But when the thermometer goes way up

Mister Gob for his squab
A marine for his queen
A G.I. for his cutie pie is not
‘Cause it’s too too too darn hot
It’s too darn hot
It’s too darn hot

Der Hinweis auf den Kinsey Report führte dann auch im Film »Kinsey« (2004) zu einem Zitat des Songs.

Und dann gibt es auch noch den Film »Kiss Me, Kate« (1953) mit Ann Miller – aber damit steht dann nicht mehr die Musik im Vordergrund, sondern eher der Tap-dance und die Show. 

Immerhin aber ein gutes Beispiel, wie die Zeiten sich geändert haben….


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Ein Jazzklassiker des Hardbop als Bossa-Nova. Der Pianist und Komponist Horace Silver kombiniert brasilianisches Rhythmuskonzept und eine an kapverdische Linien angelehnte Melodie – und ehrt damit seinen von den Kapverden stammenden Vater.  

Die Aufnahme mit dem Horace Silver-Quintett stammt aus einem Konzert 1968 in Kopenhagen in der großartigen Besetzung Bennie Maupin (Tenor Sax), Bill Hardman (Trompete), Johnny Williams (Bass) und Billy Cobham (Schlagzeug).

Horace Silver  (1928-2014) wurde 1950 von Stan Getz entdeckt, Anfang der 50iger Jahre gründete er mit Art Blakey  die Jazz Messengers und entwickelte dort den Hardbop – die erste Aufnahme unter diesem Namen stammt von 1954. Eine Formation, die stilbildenden Einfluss bei der Entstehung des Hardbop hatte. Er spielte in diesen Jahren mit fast allen Jazzgrößen seiner Zeit, ehe er durch sein eigenes Quintett in den 1960er Jahren seinen Stil mit treibenden, sehr exakten  Rhythmen und einprägsamen Melodien weiter entwickelte und später auch begann, einen Soul-Jazz zu etablieren. Er komponierte eine Vielzahl von Jazzstandards, der bekannteste ist vielleicht »Song For My Father«.  

Das vollständige Album von 1964 ist natürlich mehr als hörenswert. Es zeichnet sich dadurch aus, Hardbop in bester Manier zu sein und gleichwohl nicht schroff, sondern geradezu einladend daherzukommen.

Wer noch mehr Hardbop von Horace Solver hören will, mag das (ältere) Album »Blowing The Blues Away« aus dem Jahr 1959 anspielen. Die Besetzung: Horace Silver (Piano), Blue Mitchell (Trompete), Junior Cook – Tenor Sax), Gene Taylor (Bass), Louis Hayes (Schlagzeug)

Silver war ein Jazzer mit Haut und Haaren. Er sei zitiert:

»Jazz music stimulates the minds and uplifts the soul of those who play it as well as of those who listen to and immerse themselves in it.«

»Jazz stimuliert den Geist und erhebt die Seele sowohl derer, die ihn spielen, wie derer, die ihn hören und voll und ganz in ihn eintauchen.«


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Take the A-Train« ist ein Swing-Klassiker par excellence aus dem Jahr 1939.  Bereits 1999 wurde das Stück vom National Public Radio als eines der hundert bedeutendsten amerikanischen Musikstücke des zwanzigsten Jahrhunderts in die NPR 100 aufgenommen. Es wird Duke Ellington zugeschrieben und war auch Erkennungsmelodie seiner BigBand, oben in einer Originalaufnahme aus dem Jahr 1962.

Mit dem »Duke« wurde das Stück auch Teile des Films »Reveille With Beverly« von 1943, daher der Ausschnitt aus diesem sehr Us-amerikanischen Film der damaligen Zeit

Komponiert wurde es aber von Billy Strayhorn, dem  großartigen Arrangeur und Komponist des Duke Ellington Orchestra. Der Titel bezieht sich auf die Linie A der New York City Subway, die von Brooklyn über Lower Manhattan nach Harlem führt – und mit der Strayhorn vor seinem ersten Besuch in New York auf Anraten des Duke zu diesem gefahren war. Strayhorn blieb immer im Schatten des Duke, war aber für den Sound der BigBand absolut prägend. Etliche Stücke gehen auf ihn zurück. Und offenbar war die Zusammenarbeit zwischen Ellington und Strayhorn trotz des Schattens, den Ellington warf, für beide Seiten so in Ordnung. Das LP-Cover aus 1946 mit dem Titel »Tonk« und dem Piano-Duo der beiden beschreibt in Bild und Schrift vielleicht am ehesten das Verhältnis der beiden Künstler  – und deren Zusammenspiel auch außerhalb der BigBand.

Zurück zum A-Train und einigen anderen Aufnahmen, zunächst mit Gesang und dem Vergleich ganz unterschiedlicher Stimmen und Interpretationen:

Duke Ellington mit Ella Fitzgerald:

Sodann in einer Aufnahme die Versionen mit Sarah Vaughan und Diana Krall:

Aus neuerer Zeit – und gleichzeitig als Erinnerung an den bereits 1999 verstorbenen fantastischen Pianisten Michel Petrucciani – eine Aufnahme aus Stuttgart von 1998 mit Anthony Jackson und Steve Gadd: 

Und zum Abschluss noch ein anderes Stück, das auf dem Standard aufbaut und gleichzeitig die Offenheit des Duke und die wichtige permanente Weiterentwicklung des Jazz beschreibt: »Take The Coltrane« aus dem Jahr 1962 (in der Besetzung  Duke Ellington – Piano, John Coltrane – Saxofon, Jimmy Garrison – Bass und  Elvin Jones – Schlagzeug). Nicht zuletzt Vorlage der klugen Bezeichnung »A-Trane« für den wunderbaren Jazzclub in Berlin.


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Ein Standard, ein Welthit, eine Jazz-Melodie, die fast jeder kennt – komponiert 1962 von Herbie Hancock im zarten Alter von 22 Jahren, gespielt mit den herausragenden Dexter Gordon und Freddie Hubbard. 

Da ich mich nie mit allzu viel Technik und musikalisch-technischen Experimenten anfreunden konnte, bleibt mein Favorit die Original-Einspielung. Gleichwohl wurde die Melodie Teil des Fusion Jazz und daher hier einige Aufnahmen von Herbie Hancock in verschiedensten Formationen – allesamt sehr unterschiedlich.

Und als Zugabe, da es ja um den Song geht, auch noch zwei Einspielungen von anderen Gruppen, die mir durchaus auch zusagen:

Übrigens: Mit 22 Jahren hat Herbie Hancock nicht nur einen Klassiker komponiert, sondern eine ganze Reihe. Also gerne noch zwei Beispiele:

Cantaloupe Island 

Maiden Voyage (Aufnahme live München 1989)


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.

Lee Konitz With Warne Marsh

Ein Klassiker des Cool Jazz aus dem Jahr 1955. Hier von dem Originalalbum mit dem Namen »Lee Konitz with Warne Marsh. Ein gemeinsames Spielen zweier Freunde, ohne Druck und Angeberei, ein Altsaxophonist, ein Tenorsaxophonist und sparsame Begleitung durch Oscar Pettiford am Kontrabass. Cool – nothing more, nothing less. Und in Nachfolge des großen Lennie Tristano. Wer das Album komplett hören mag, kann dies hier tun (und hört dann auch noch Sal Mosca, Piano, Track 2, 4-6 und 8, Ronnie Ball Piano Track 7, Billy Bauer an der Gitarre und niemand geringeren als Kenny Clarke am Schlagzeug),  

Glücklicherweise hat Lee Konitz »I Can’t Get Started« auch zu späteren Video-Zeiten gespielt, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2012, in der er 84jährig das Stück interpretiert.

Optisch schon ein bisschen verändert, naja, wem geschieht dies nicht. Aber deshalb hier noch eine Aufnahme aus dem Jahr 1965 mit dem großartigen Bill Evans am Klavier und den Stücken »How Deep is the Ocean« und »Beautiful Love« – in der Besetzung mit Niels-Henning Orsted Pedersen (Bass); Alan Dawson (Drums).


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.