Billy Harts 80. Geburtstag

William »Billy« Hart zählt zu den vielseitigsten Schlagzeugern der Jazz-Welt. Trotz seines stolzen Alters ist er außerhalb des Lockdowns noch sehr aktiv.


Billy Hart

Am 29.11.2020 ist der 80. Geburtstag des Schlagzeugers, Musiklehrers und Band Leaders William »Jabali« »Billy« Hart, der noch immer höchst aktiv ist und auf der ganzen Welt auftritt (außerhalb des Lockdowns). Er zählt zu den vielseitigsten und meistaufgenommenen Schlagzeugern der Jazz-Welt und wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Einen Überblick über seine Karriere gibt dieser Jazz Times Artikel von Ted Panken. 

Billy Hart wurde am 29. November 1940 in Washington, DC, USA, geboren. Er wuchs in einem Jazz-begeisterten Haushalt auf. Seine ersten Erfahrungen waren ebenso geprägt vom Soul eines Otis Redding wie vom Straight Ahead Jazz des Saxofonisten Buck Hill oder der Sängerin und Pianistin Shirley Horn, mit denen er schon als Jugendlicher spielte. 

Größere, auch internationale Sichtbarkeit kam dann mit seinem mehrjährigen Engagement bei Hammond-Orgel-Star Jimmy Smith, hier 1965 in der TV Sendung Jazz 625 der BBC:  

Davor und danach spielte er mit Gitarrist Wes Montgomery und seinen Brüdern, hier in Detroit 1968:

In dieser Zeit wurde er zunehmend von Avantgarde-Schlagzeugern wie Sunny Murray und Rashied Ali beeinflusst. John Coltrane wollte ihn als zweiten Schlagzeuger neben Rashied Ali in seiner Band, aber Hart fühlte sich noch nicht bereit. Dann engagierte ihn Tenorsaxofonist Pharoah Sanders, mit dem er auf der LP »Karma« 1969 spielte, unter anderem das legendäre »The Creator Has a Master Plan« (nur Audio):

In dieser Zeit gab der Perkussionist Mtume ihm den Ehrennamen »Jabali«, was in Swahili Weisheit bedeutet. Billy Hart zählte nun zu ersten Liga der Jazz-Schlagzeuger. Er spielte mit McCoy Tyner 1970 (nur Audio): 

Miles Davis engagierte ihn für seine »On the Corner« Band-mit Herbie Hancock und schrieb sogar den Song »Jabali« für ihn, hier in einer Aufnahme 1972 (nur Audio): 

Er war Mitglied in Herbie Hancocks Band Mwandishi mit Bennie Maupin + Julian Priester + Eddie Henderson + Buster Williams, hier in Paris 1972: 

Seine Vielseitigkeit wurde immer größer. Stan Getz engagierte ihn. Hier mit Getz + Joanne Brackeen + Niels-Henning Ørsted Pedersen im Montmartre Jazz Club, Kopenhagen 1977 (nur Audio): 

und mit Stan Getz + Andy LaVerne + Mike Richmond in Oslo 1977:

Parallel dazu entstand seine erste LP unter eigenem Namen, »Enchance« mit einer auch heute noch hörenswerten Mischung aus Avantgarde und Fusion Jazz mit Hannibal Marvin Peterson + Oliver Lake + Dewey Redman + Don Pullen + Dave Holland 1977 (nur Audio): 

Eine Reunion mit Shirley Horn gab es beim North Sea Jazz Festival in Den Haag 1981, der Auftritt, der Shirley Horn’s internationale Karriere startete (beginnt bei Minute 1:40): 

1987 spielte Hart mit Joe Henderson + Woody Shaw in Kongsberg, Norwegen:

1988 mit Gary Bartz + Wallace Roney + Joanne Brackeen + Clint Houston im Subway, Köln:

Anfang der 1980er Jahre wurde er Mitglied der Band Quest mit Dave Liebman + Richie Beirach + Ron McClure, hier in einer Live-Aufnahme von 1991 (nur Audio): 

Mit Kenny Werner + Ray Drummond spielte er im Trio in Vienne 1998: 

Bis heute wirkt er in der Band Saxofone Summit mit, hier mit Michael Brecker + David Liebman + Joe Lovano + Phil Markowitz + Rufus Reid im Birdland, NYC, 1999: 

Bei Jazz Baltica 2000 trat er im Charles Lloyd Quartet with John Abercrombie + Marc Johnson auf: 

Bis heute ist er Mitglied der All Star Band The Cookers, hier mit Billy Harper + Eddie Henderson + David Weiss + Craig Handy + Kirk Lightsey + Cecil McBee in Viersen 2008:

und mit Billy Harper + Eddie Henderson + David Weiss + Donald Harrison + George Cables + Cecil McBee in Buenos Aires 2016: 

Er spielte über viele Jahre mit dem deutschen Saxofonisten Johannes Enders im Quartett, hier in Karlsruhe 2011:

Ebenfalls seit vielen Jahren hat er ein eigenes amerikanisches Quartett mit Ethan Iverson + Mark Turner + Ben Street, hier im Bimhuis, Amsterdam, 2016: 

Im selben Jahr spielte er eine CD mit der WDR Big Band in Köln ein: 

2018 führte er ein exzellentes Quartett mit Joshua Redman nach Getxo, Spanien: 

und ins New Morning, Paris: 

Billy Hart ist seit langer Zeit auch als Musiklehrer tätig, unter anderem in Oberlin und am New England Conservatory, wo er dieses Solo 2019 spielte:

Organist Joey De Francesco wollte unbedingt mit Billy Hart spielen wegen dessen Zusammenarbeit mit Jimmy Smith in der 1960er Jahren. Hier sind sie mit Saxofonist Troy Roberts beim North Sea Jazz Festival in Rotterdam 2019: 

Im März 2020 sollte Billy Hart im King Georg Jazz Club, Köln, mit Christophe Schweizer + Pablo Held + Sebastian Gille auftreten, doch das fiel dem ersten Corona-Lockdown zum Opfer. Die vier hatten diese CD eingespielt (nur Audio):

Pablo Held sprach kürzlich ausführlich mit Billy Hart in seiner Reihe »Pablo Held investigates«: 

Billy Hart ist ein sehr junger 80-jähriger. Wenn internationale Reisen wieder möglich sind, sollten wir ihn in Deutschland wieder regelmäßig genießen können. Zur Ruhe setzen will er sich jedenfalls nicht.

Text: Hans-Bernd Kittlaus, Foto: Joe Mabel