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Boogie-Woogie-Spaß mit Oscar Peterson

»Boogie Woogie Etudes«, eine Aufnahme aus dem berühmten Londoner Ronnie Scott’s Club von 1974 mit dem Oscar Peterson Trio mit Niels Pedersen (bass) und Barney Kessel (guitar).

Boogie-Woogie ist ein Klavierstil, der im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in den USA entstand und im engen Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau in Texas steht, wo er in den Barrelhouses der afroamerikanischen Eisenbahnarbeiter in den 1870er Jahren gespielt wurde; die stampfenden Geräusche der Dampflokomotiven waren prägend. Spieltechnisch stellt der Boogie-Woogie den rollenden Bässen der linken Hand melodische bluesorientierte Off-Beat-Figuren der rechten Hand entgegen. Starke Verbreitung fand der Boogie-Woogie durch die so genannten House-Rent-Partys: Der Wohnungsinhaber organisierte einige Flaschen Schnaps und einen Musiker und finanzierte mit dem Eintrittsgeld, das er den Gästen abverlangte, seine Miete.

Diese Musik wurde später in den 1930er und 1940er Jahren regelrecht zur Popmusik. Als legendär gilt ein Konzert von John Hammond  in der Carnegie Hall in New York 1938, das die Zuhörer derart in Ekstase versetzte,, sodass die Türsteher am Ende einige Teilnehmer von den Kronleuchtern herunterbitten mussten. Es gibt etliche bekannte Pianisten des Boogie-Woogie.

Wenn ich die Etüden von Oscar Peterson hierzu ausgesucht habe, dann wegen der in der Aufnahme aus dem Ronnie Scott`s zum Ausdruck kommenden großartigen Spielfreude. Und natürlich wegen des phantastischen Jazz-Pianisten und Komponisten Oscar Peterson (geb. 1925 in Montréal; † 23. Dezember 2007) mit über 200 veröffentlichten Aufnahmen, sieben Grammys und zahlreiche weitere Auszeichnungen und damit einem der  erfolgreichsten Jazz-Pianisten aller Zeiten. 

Er spielte mit Jazz-Größen wie Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Carmen McRae, Louis Armstrong, Lester Young, Count Basie, Charlie Parker, Quincy Jones, Stan Getz, Coleman Hawkins, Dizzy Gillespie, Roy Eldridge, Clark Terry, Freddie Hubbard und dem Modern Jazz Quartet. Während seiner Karriere machte er sich mit allen Musikstilen des Mainstream Jazz vertraut und  entwickelte gleichzeitig seinen sehr eigenen, typischen Klavierstil.

Der Boogie-Woogie-Stil wurde auch fast blues genannt. Der harmonische Ablauf entspricht im Wesentlichen dem Blues-Schema. Also soll als zweites Beispiel von Oscar Peterson ein Blues musikalisch zitiert werden mit einer Aufnahme aus dem Jahr 1974 (Chicago Blues mit Joe Pass · Niels-Henning Ørsted Peder)

Die auch heute noch große Popularität des Boogie-Woogie sei noch mit zwei ganz aktuellen Aufnahmen aus 2020 dokumentiert von einem Festival zur Erinnerung an Covid-19-Verstorbene  und zur Unterstützung erkrankter Künstler und Angehöriger (San Francisco International Boogie Woogie Festival, 2020).


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.