Clark Terrys 100. Geburtstag

Trompeter, Lehrer und Mentor in der amerikanischen Jazz-Szene: Keiner »mumblete« wie der bescheidene Superstar Clark Terry, der am 14. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre.


Clark Terry, 1976

Am 14.12.2020 ist der 100. Geburtstag des Trompeters, Komponisten, Band Leaders und Lehrers Clark Terry. Er war einer der ganz wenigen Musiker, die sowohl in den Big Bands von Count Basie und Duke Ellington spielten. Er war auch maßgeblich an der Etablierung des Flügelhorns als Jazz-Instrument beteiligt. Und er war der wohl am meisten verehrte Musiker, Lehrer und Mentor in der amerikanischen Jazz-Szene, ein Rollenmodell. Sein Leben und Werk sind beschrieben in seiner Autobiografie »Clark« und im Dokumentarfilm »Keep On Keepin‘ On«.

Clark Terry wurde am 14. Dezember 1920 in  St. Louis, Missouri, als siebtes von elf Kindern geboren. Er wuchs in einer nicht musikalischen Familie auf, aber war schon als Kind ein großer Fan der Ellington Band und wollte Trompete spielen. Ersten Unterricht bekam er von seinem Schwager, dann in der Schule. Während des zweiten Weltkriegs spielte er in der Navy Big Band, u.a. mit den Trompetern Snooky Young und Gerald Wilson. Sein Spitzname wurde CT. 

In der Folge wirkte er in verschiedenen Bands mit, z.B. Lionel Hampton und Charlie Barnett. 1948 nahm Count Basie ihn in seine Big Band, nach Auflösung der Big Band in seine Small Band. Hier eine Filmaufnahme mit Basie, Wardell Gray und Buddy DeFranco 1950: 

CT wurde in dieser Zeit zum Mentor für Trompeter wie Miles Davis und Quincy Jones, obwohl sie nur wenige Jahre jünger waren. Sie blieben ihm ihr Leben lang verbunden.

Duke Ellington warb ihn 1951 ab für sein Orchester. Hier in einer Aufnahme im Concertgebouw, Amsterdam, 1958: 

Dann startete Quincy Jones eine eigene Big Band mit ihm für eine Europa-Tournee, hier in Belgien und der Schweiz 1960: 

1960 trat CT in die Dienste des amerikanischen Fernsehsenders NBC, um mehr Geld zu verdienen. Parallel tourte er als Solist. Er hatte viel Humor, den er nun auch auf der Bühne zeigte mit einem Gesangsstil namens »Mumbles«. Hier ist er im Quintett mit Bob Brookmeyer + Laurie Holloway + Rick Laird + Allan Ganley in BBC’s Fernsehserie Jazz 625 ca. 1965, mit Mumbles ab Minute 24: 

Konzertorganisator Norman Granz setzte CT ab den 1950er Jahren in Konzerten ein, hier mit Oscar Peterson + Ray Brown + Ed Thigpen in Finnland 1965:

und bei Jazz at the Philharmonic in London 1967 mit James Moody + Zoot Sims + Dizzy Gillespie + Coleman Hawkins + Benny Carter + Teddy Wilson + Bob Cranshaw + Louie Bellson + T-Bone Walker: 

CT startete seine eigene Big Band, genannt Big Bad Band, hier in Norwegen 1974:

Granz präsentierte CT auch beim Montreux Jazz Festival, hier mit einer All Star Band in Montreux 1977: 

CT zählte nun zu den Top Stars der internationalen Jazz-Szene. Hier ist er mit Lionel Hampton + Illinois Jacquet + Dave Brubeck + Ron Carter + Frankie Dunlop in Ronald Reagon‘s White House 1981:

Er trat sehr häufig in Europe auf, hier mit Duke Jordan + Jimmy Woode + Svend Norregaard im Jazzhus Montmartre in Kopenhagen 1985 (startet in Minute 27): 

im Duo mit Red Mitchell beim ZDF Jazz Club 1987: 

mit den Sky Masters beim North Sea Jazz Festival 1989 

im Quartett mit Dado Moroni + Pierre Boussaguet + Alvin Queen in Genf 1994: 

mit den Legendary Trumpet Masters Doc Cheatham + Snooky Young + Harry Sweets Edison + Alec Wilder + Hank Jones + Jesper Lundgaard + Clarence Penn in Bern 1997:

mit der Illinois Jacquet Big Band in Bern 1998: 

mit seinem Quintett mit Sylvia Cuenca + Don Friedman + Marcus McLaurine + David Glasser in Burghausen 2000: 

CT war nun der hochverehrte Elder Statesman des Jazz und wurde mit vielfältigen Ehrungen und Doktorhüten bedacht. Selbst Superstar Aretha Franklin lud ihn ein und sang mit ihm Mumbles 2001: 

CT’s Gesundheitszustand verschlechterte sich, aber er trat weiterhin auf. Hier mit Jimmy Heath + James Williams + Ray Brown + Les Harris Jr. beim Clark Terry Jazz Festival 2002: 

Über die Jahrzehnte hatte CT einer Vielzahl von Musikern geholfen, nicht nur TrompeterInnen wie Ingrid Jensen, sondern auch z.B. dem Pianisten Justin Kauflin und der Sängerin Dianne Reeves, die hier über diese Erfahrung spricht: 

Er gab an vielen Musikhochschulen Unterricht, hier als Trompetenlehrer 1981:

und 2004:

Sänger Joe Williams führte ein Interview mit CT 1995: 

Seine Krankenbehandlungen in den letzten 10 Lebensjahren fraßen sein gesamtes Vermögen auf, aber er bekam Hilfe von Musikern durch Benefit-Konzerte und nicht-öffentliche Zuwendungen. Am Ende wurde er überhäuft mit Liebe und Ehrerbietungen. So besuchten ihn Wynton Marsalis und das Lincoln Center Jazz Orchestra zu seinem 94-sten Geburtstag am Krankenbett im Dezember 2014:

Zehn der besten Jazz-Trompeter der Welt spielten ein Tribute to CT auf der Jazz Cruise Anfang 2015, das live an sein Krankenbett übertragen wurde:

Kurze Zeit später, am 21. Februar 2015 starb Clark Terry, der bescheidene Superstar. 

Text: Hans-Bernd Kittlaus, Foto: Tom Marcello