Dee Dee Bridgewaters 70. Geburtstag

Sie spielte schon Billie Holiday am Broadway und gehört selbst zu den absoluten Top-Sängerinnen der Jazz-Welt. Wir gratulieren zum Siebzigsten.


Am 27.5.2020 ist der 70. Geburtstag der Sängerin und Schauspielerin Dee Dee Bridgewater, die seit Jahrzehnten zu den absoluten Top-Sängerinnen der Jazz-Welt gehört. Biografische Informationen sind ihrer Webseite und diversen Jazz-Zeitungsartikeln entnommen.

Dee Dee Bridgewater wurde am 27. Mai 1950 in Memphis, Tennessee, als Denise Garrett geboren und wuchs in Flint, Michigan, auf. Mutter und Großmutter waren Sängerinnen, ihr Vater spielte Trompete mit Dinah Washington und arbeitete als DJ für eine Musik-Radiostation in Memphis. So war sie von Kindheit an von Musik umgeben, nicht nur Jazz, sondern auch Blues, Soul und R’n’B.

Schon als Teenager trat sie professionell als Sängerin auf. 1969 lernte sie den Trompeter Cecil Bridgewater kennen und heiratete ihn (nach ihrer Scheidung in den 1980er Jahren behielt sie den Namen). Aus dieser Ehe stammt ihre Tochter Tulani, die heute ihre Managerin ist. Einem größeren Publikum wurde Dee Dee bekannt als Sängerin der Thad Jones – Mel Lewis Big Band von 1971 bis 1974. Hier ein Auftritt in dieser Zeit mit »Bye bye blackbird«:

1974 bis 1976 spielte sie am Broadway im Musical »The Wiz« und erhielt dafür einen Tony Award und ihren ersten Grammy für die Soundtrack LP. Hier singt sie »If You Believe« aus dem Musical:

1974 kam »Afro Blue« heraus, ihre erste LP:

Danach versuchte sie es mit eher Pop-orientierten LPs, die aber nicht den erwünschten Erfolg brachten. Sie heiratete den Regisseur Gilbert Moses. Anfang der 1980er Jahre trat sie im Musical »Lady Day« als Billie Holiday am Broadway auf und tourte damit auch in Europa. Hier eine Aufnahme von ihrer Rückkehr in die Rolle am Broadway 2013:

1986 war ihre Ehe beendet und sie siedelte mit Töchtern nach Frankreich um. Mit ihrer CD »Live in Paris« stand sie bald im Jazz-Rampenlicht. Hier ihr Konzert in Bern 1987 mit Jon Faddis und ihrer Band mit Pianist Alain Jean-Marie, bei dem sie Clark Terry im Publikum entdeckt:

Seitdem steht sie in der ersten Reihe der Jazz-Sängerinnnen und ist weltweit sehr präsent auf Festivals und Konzertbühnen, in Klubs und auch auf Youtube. 1989 sang sie mit Ray Charles »Precious Thing«:

Hier ist sie mit ihrer Band mit Stéphane + Lionel Belmondo + Thierry Eliez + André Ceccarelli in Montreal 1995:

Mit dem Ray Brown Trio und der WDR Big Band führte sie ihr Tribute to Ella beim Jazzfest Berlin 1997 auf: 

Das komplette Ella Programm sang sie mit ihrem damaligen Trio in Burghausen 1998:

Beim North Sea Jazz Festival in Den Haag 2003 spielte sie ihr Kurt Weill Programm: 

Gelegentlich brach sie gern aus dem Jazz-Fach aus, hier 2004 mit der Band Gabin »Into my soul«: 

Ihre Beschäftigung mit ihren familiären Wurzeln in Mali führte zur CD »Red Earth«. Hier führte sie das Programm bei den Jazz Open in Stuttgart 2007 auf: 

Für Ihr Billie Holiday-Tributalbum »Eleanora Fagan (1915–1959): To Billie with Love from Dee Dee« bekam sie 2011 einen Grammy. Hier sang sie das Programm mit James Carter beim North Sea Jazz Festival in Rotterdam 2010:

In Nizza sang sie 2012 gemeinsam mit ihrer Tochter China Moses »Every Day I Have the Blues«:

Bei den Jazz Open in Stuttgart 2013 kam es zu einem gemeinsamen Konzert mit Piano-Legende Ramsey Lewis: 

Bei der Jazzaldia in Spanien 2014 sang sie mit ihrer Youngster Band um Trompeter Theo Croker: 

Vor wunderbarer Kulisse in Ungarn 2015 sang sie mit Irvin Mayfield und dem New Orleans Jazz Orchestra: 

In Hollywood 2016 sang sie zu Ehren von Dinah Washington und Lena Horne: 

Mit ihrem Memphis Programm begab sie sich beim Montclair Jazz Festival 2017 wieder zu ihren Wurzeln: 

Dee Dee lebt heute in Las Vegas. Sie engagiert sich seit langem als UN Botschafterin wie auch in der Ausbildung, hier in Berklee:

Trotz gesundheitlicher Probleme gibt sie weiterhin weltweit regelmäßig mitreißende Konzerte, auch oft in Deutschland. Möge das noch lange so bleiben! Happy Birthday, Dee Dee!

Text: Hans-Bernd Kittlaus