Edmar Castaneda + Grégoire Maret: »Harp vs. Harp«

2019, ACT

Der Titel der CD ist für Deutschsprachige etwas irritierend. Im Englischen gibt es »harp« nicht nur als Harfe, sondern auch als »mouth harp«, was für Mundharmonika stehen kann. Genau das sind die Instrumente des gebürtigen Kolumbianers Castaneda und des gebürtigen Schweizers mit afro-amerikanischen Vorfahren Maret. Die Kombination dieser beiden Instrumente im Duo erzeugt ein faszinierendes Klangbild, das überraschenderweise ein Novum zu sein scheint. Castaneda spielt die Harfe eher perkussiv und damit jazz-affin und verzichtet weitgehend auf die ausschweifenden Glissandi, für die die Harfe in der Klassik bekannt ist. Maret ist legitimer Nachfolger von Toots Thielemans, von dem er einiges in sein Spiel übernommen hat. Gemeinsam machen sie auf dieser CD höchst abwechslungsreiche Musik mit starkem Fokus auf melodische Improvisation. Béla Fleck’s Gastbeiträge am Banjo bleiben eher im Hintergrund, während Andrea Tierra, Sängerin und Ehefrau Castanedas, mit ihrer schönen dunklen Stimme zusätzliches lateinamerikanisches Flair zaubert. Als Beispiele herausgegriffen seien Charlie Haden’s „Our Spanish Love Song“ mit Maret’s etwas schwermütiger Darbietung der Melodie und Castaneda’s melodischer Improvisation, bei der seine Harfe mitunter an eine Gitarre erinnert, sowie Luiz Bonfá’s etwas schnelleres »Manha de Carnaval«. Die beiden Virtuosen stellen sich ganz in den Dienst der Musik und produzieren Schönheit mit Ecken und Kanten.

Text: Hans-Bernd Kittlaus