Fred Hersch & WDR Big Band: »Begin Again«

2019, Palmetto

Fred Hersch zählt seit mehr als 30 Jahren zur ersten Garde der amerikanischen Jazz-Pianisten. Trotz gravierender gesundheitlicher Probleme ist er bis heute ungemein produktiv mit zahlreichen CD-Aufnahmen und Konzerten auf der ganzen Welt. Umso überraschender, dass dies sein erstes Album mit Big Band ist. Dafür hat Vince Mendoza neun Hersch Kompositionen für die Kölner Big Band arrangiert und die Einspielung der Aufnahmen im Februar 2019 geleitet. Feinfühlig spielt Mendoza mit den Klangfarben der großen Besetzung und lässt Hersch und weiteren Protagonisten der Big Band Raum für Soli. Hersch ist ein leiser Pianist, der immer wieder Anleihen in der klassischen Musik nimmt, so etwa im Titelstück bei Bach. Altsaxofonist Johan Hörlen besticht mit schönem Sound in »Song Without Words«, Tenorsaxofonist Paul Heller gibt »Havana« Feuer, Altsaxofonistin Karolina Strassmayer verleiht »Rain Waltz« zusätzliche emotionale Tiefe, Posaunist Ludwig Nuss und Trompeter Andy Haderer führen »The Big Easy« nach New Orleans. Mendozas Arrangements bewegen sich zwischen modern Jazzigem wie »Forward Motion« und Symphonischem wie »Out Someplace« und »Pastorale«. Manchmal meint man Streichersätze zu hören, obwohl gar keine Streicher dabei sind. Dieser Ansatz wird Hersch und seiner Musik besser gerecht, als es ein klassischer Big Band-Sound vermutlich gekonnt hätte.

Text: Hans-Bernd Kittlaus