»Hamp’s Boogie«

Mal wieder ein Lieblingssong, der Spaß macht und Menschen aus dem Sessel treibt. Er steht zugleich für den Vibraphonisten Lionel Hampton. Ich habe mehrere Aufnahmen ausgesucht, einmal aus dem Jahr 1994 aus der Münchener Philharmonie, als  Hampton mit dem klassischen Orchester St. Peterburg im Alter von 76 Jahren den Saal zum Kochen brachte. Sicher merkt man sein Alter und »Junior« Mance am Piano ist »vorne« – und trotzdem ist da so viel Power und Spielvergnügen, dass es einen mitreißt. Der Song stammt von Milt Buckner, der oft mit Hampton zusammen spielte. 

Die Leute mit diesem Song mitzunehmen, gelang Hampton nicht nur einmal – als weiteres Beispiel eine Aufnahme aus 1978 vom North Sea Festival, hier sein ganzes Konzert (»Hamp´s Boogie« ab 40:08)

Und dann zeitlich zwischendurch 1988:

Der 1908 geborene und 2002 verstorbene Lionel Hampton war und ist einer der überragenden Vibraphonisten des Jazz – neben Milt Jackson –, wobei er seine Karriere als Schlagzeuger startete und außerdem Klavier spielte. Jedenfalls war er der erste, der das erst 1920 erfundene Vibraphon bekannt machte. Er schaffte dies über die Zusammenarbeit mit Benny Goodman.

Zusammenarbeit mit Benny Goodman

Goodman war zunächst vorsichtig: Er riskierte in Zeiten der »Segregation« nicht sofort, Schwarze in seiner Bigband zu integrieren. Der erste war Pianist Teddy Wilson, den er zusammen mit dem Schlagzeuger Gene Krupa – und sich selbst – als Abwechslung zur BigBand ins Programm nahm. Die »Band within the Band«. Das Konzept war erfolgreich, und als Hampton dazu stieß, war »The Quartet« geboren. Zwei weiße, zwei schwarze Musiker – damals eine Sensation. Musik zum Zuhören – durchaus anders als viele spätere Nummern von Hampton. Oft fast Kammermusik in Abgrenzung zur Swing-Tanzmusik (aus dem Jahr 1937)

Hier aber in einer frühen Aufnahme aus dem Jahr 1937. »Vollgas«: Benny Goodman, Teddy Wilson, Gene Krupa und eben Lionel Hampton in »full speed«.

Trotz des Namens war »Hamp’ s Boogie« nicht die Erkennungsmelodie von Lionel, sondern der Titel »Flying Home«. Das Stück entstand 1939, als die Goodman Band von Los Angeles aus nach Atlantic City flog und Hampton erstmals ein Flugzeug bestieg. Gegen seine Angst vor dem Flug summte er vor sich hin. Goodman fragte ihn, wie das Stück heiße, worauf er antwortete: »Flying Home«. Am gleichen Abend spielte Goodman das Stück mit dem Quartett. 

Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1988 (»Flying Home« ab 3:25)

Und noch etwas: »Flying Home« aus dem Jahr 1942 gilt manchen als erste Rock-’n’-Roll-Platte. Für Quincy Jones war Hampton »so etwas wie ein Rock ’n’ Roller«.

Als Ergänzung des großartigen  Könnens des Vibraphonsten Lionel Hampton noch eine Aufnahme des Jahres 1947 des Songs »Stardust« in der Besetzung Lionel Hampton (Vibraphon)  / Charlie Shavers (Trompete) / Willie Smith (Altsaxofon) / Corky Corcoran (Tenorsaxofon) /Tommy Todd (Piano) / Barney Kessel (Gitarre) / Slam Stewat (Bass) / Lee Young (Schlagzeug)


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.