»Lullaby Of Birdland«

Auch dieser Lieblingssong ist ein Klassiker – und vielleicht ordnet man ihn heute gar nicht mehr dem Jazz zu. So hat er etwas gemeinsam mit Sarah Vaughan, die sich nie verorten ließ und trotzdem für mich – und natürlich viele andere – eine der großartigsten Stimmen des Jazz hatte. Deshalb habe ich ihre Version des Songs aus dem Jahr 1954 ausgewählt in der Fassung mit dem Clifford Brown Sextett ( Clifford Brown – trumpet,  Paul Quinichette – tenor saxophone,  Herbie Mann – flute,  Jimmy Jones – piano,  Joe Benjamin – bass, Roy Haynes – drums) . In besagtem Jahr trat sie auch mit großem Erfolg auf dem Newport Jazz Festival auf.

Die 1924 geborene und 1990 verstorbene Sarah Vaughan steht für mich durchaus neben Ella Fitzgerald oder Billie Holiday. Sie startete in den New Yorker Jazzclubs und landete ihren ersten »Hit« 1947 mit »Tenderly«, auch das eine mehr als bekannte Melodie, hier in einer Aufnahme aus 1058 mit Ronnell Bright (piano), Richard Davis (bass), und Art Morgan (drums).

Sarah Vaughan war hoch anerkannt und gewann etliche Auszeichnungen, produzierte dann aber auch jede Menge kommerzielle Pop-Balladen der 50er Jahre – oder jedenfalls auf der Grenze zwischen Jazz und populärer Musik.

Ihren kommerziell größten Erfolg erreichte sie 1959 mit dem Song »Broken Hearted Melody«

Aus dieser erfolgreichen Zeit stammt auch die Aufnahme von 1964 bei einer Europa-Tournee, mit »Misty«, einem Song von Erroll Garner (mit Kirk Stuart (piano), Charles »Buster« Williams (bass), and Georges Hughes (drums).

Nach schwächeren Jahren kehrte Sarah Vaughan in die Spitze der Jazzsängerinnen in den 70er und 80er Jahren zurück. Dazu noch eine Aufnahme aus 1981 mit George Gaffney (piano), Andy Simpkins (bass) und Harold Jones (drums) mit dem ebenfalls sehr erfolgreichen Song »Send In The Clowns«

Nicht nur Leonard Feather war von der Stimme mit ihrer Drei-Oktaven-Reichweite beeindruckt:  »Kürzlich hörte ich eine klassische, eine Pop- und eine Jazzsängerin. Einen Sopran, einen Contra-Alt und eine Koloratursängerin. Eine Sängerin mit der Spontaneität von Ella Fitzgerald, mit der Seele von Aretha Franklin, der Wärme von Peggy Lee und der makellosen Phrasierung von Carmen McRae. Sie waren alle in der derselben Show und sie alle waren Sarah Vaughan.«


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.