Marc Cary: »Life Lessons«

2019, Sessionheads United

Pianist und Komponist Marc Cary ist zwar erst 54, aber kann auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere zurückblicken, die allein schon den Albumtitel »Life Lessons« rechtfertigt. Sein Trio mit seinen beiden jungen Schülern Bassist Dan Chmielinski und Schlagzeuger Diego Joaquin Ramirez ist bestens eingespielt durch jahrelange wöchentliche Auftritte in New Yorker Clubs im Rahmen von Carys Reihe »The Harlem Sessions«. Im Zentrum des Albums steht Carys intensive, mit E-Piano und E-Bass eingespielte Komposition »It’s not a good day to die«, entstanden nach 9/11 und jetzt durch die Erlebnisse der Corona-Zeit ins Bewusstsein gerückt. Cary erinnert sich an seine Zusammenarbeit mit Abbey Lincoln mittels ihrer Komposition »And it’s supposed to be love«. Eingeleitet von Chmielinskis fettem akustischem Basssound erreicht Cary die Ausdrucksstärke von Lincolns Gesang mit seinem Pianosolo. Das lebensfrohe »It’s tricky« vertreibt alle trüben Gedanken mit schnellem Tempo. Mit »Trust«, das Roy Hargrove in Carys Haus schrieb, gedenkt der Pianist dem verstorbenen Trompeter, unterstützt durch Ramirez‘ höchst kreative Perkussion. Carys Religiösität kommt im Stück »God is love« zum Vorschein. Das Album endet mit zwei nicht auf dem Cover angekündigten Bonus-Stücken, einer Solo-Piano-Interpretation von »Trust« und einer akustischen Trio-Version von »It’s not a good day to die“. Über die gesamt Laufzeit von 65 Minuten drücken sich Triumph und Tragik des Lebens in einem breiten musikalischen Spektrum aus – Life Lessons. 

Text: Hans-Bernd Kittlaus