Noch mal zum Valentinstag: »My Funny Valentine«

Pünktlich zum 14. Februar in einer Woche sei noch einmal an ein musikalisches Stück erinnert, dessen Text jeden Tag zum Valentinstag erklärt für diejenigen, die – jenseits aller Eigenheiten – sich lieben:

Oft gespielt, selten erreicht:  Die erste Jazz-Aufnahme von »My Funny Valentine« stammt aus dem Jahr 1952, wie hier wiedergegeben mit der Gerry Mullligan Band. Ursprünglich war »My Funny Valentine« eine Ballade aus dem Broadway-Musical »Babes in Arms«, komponiert von Richard Rodgers (Text: Lorenz Hart) aus dem Jahr 1937.

Zunächst wenig bekannt, wurde sie ab 1952 zum Jazz-Standard, den zwischenzeitlich auch in der populären Musik eine Vielzahl von Künstlern bearbeitet haben. Für den Durchbruch 1952 verantwortlich war der Bassist Carson Smith, der zusammen mit Chet Baker in der Gerry Mulligan Band spielte. Keiner von Smiths Bandkollegen kannte das Stück, also kritzelte er die Akkorde auf ein Stück Papier und sang ihnen die Melodie vor. Rodgers hatte in der ersten Phrase ein eindringliches Thema vorgegeben, das er dann immer wieder erforschte und jedes Mal subtil veränderte. Die Melodie stieg immer weiter an und erzeugte eine Spannung, die sich mit den Worten »Stay, little valentine, stay!« zu einem Höhepunkt steigerte.

Zitiert sei aus Chet Bakers Biografie:

»Mulligan und Smith entwarfen ein Konzept, das Baker in den Mittelpunkt stellte. Hier hatte der Trompeter kein ausgeklügeltes Arrangement, hinter dem er sich verstecken konnte, also spielte er die Melodie so, wie sie geschrieben stand, und dehnte ihre langsamen, sparsamen Phrasen, bis sie zu schmerzen schienen. Sein gedämpfter Ton zog das Ohr in seinen Bann; er suggerierte eine Tür, die in einer dunklen Nacht der Seele aufgestoßen und dann wieder geschlossen wurde, als die letzte Note verklang. Smith konterte die aufsteigende Melodie mit einer absteigenden Linie von Viertelnoten, bedrohlich wie das Ticken einer Uhr in der Dunkelheit. Er beendete das Stück versehentlich in einer Moll-Tonart statt in der Dur-Tonart des Notenblatts, was der Platte einen letzten, unheimlichen Touch gab.«

Und damit auch den Ton der Textes von Lorenz Hart punktgenau traf:

Sweet comic Valentine
You make me smile with my heart
You’re looks are laughable
Unphotographable

Yet you’re my favorite work of art
Is your figure less than Greek?
Is your mouth a little weak?
When you open it to speak

Are you smart?
Don’t don’t change a hair for me
Not if you care for me
Stay little Valentine, stay
Each day is Valentine’s Day

Den Text wunderbar genutzt haben der Trompeter Chris Botti , der zwar fälschlicherweise Miles Davis als Komponist nennt (was aber wegen dessen sehr bekannter Version entschuldbar ist ), gemeinsam mit Sting, der nicht weniger als ein öffentliches Liebesbekenntnis an seine im Publikum sitzende Ehefrau  Trudi Styler  ablieferte.

Und noch vielleicht noch eine andere Version dieser Melodie mit Michel Petrucciani (Piano), Miroslav Vitous (Bass) und Steve Gadd (Schlagzeug)  (München 1997) ..ab 18:25 min (aber das gesamte Konzert lohnt sich!). 


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.