»The St. Louis Blues «

Bessie Smith (voc) Louis Armstrong (cornet)  Fred Longshaw (organ),  1925


Klassischer geht´s nicht mehr. »The St. Louis Blues« war und ist der erste  klassische Blues, von W. C. Handy 1914 geschrieben, der als Song der populären Musik langfristig Erfolg hatte. Und ist damit gleichzeitig Jazz-Standard und Evergreen.

Insbesondere die Interpretation von Bessie Smith und Louis Armstrong verhalfen dem Song zu großer Popularität. Aber natürlich soll auch die Version des Komponisten W.C.Handy hier gewürdigt werden, eine Aufnahme aus der Ed Sullivan Show 1949: 

Es geht weniger um die Stadt St.Louis, vielmehr erzählt der Text von einer  raffinierten Frau aus dieser Stadt, die der Sängerin den Freund ausgespannt hat.

Der gesamte veröffentlichte Text ist, wie oft bei einem Blues, spannend genug, um ihn hier wiederzugeben:

I hate to see de ev’nin‘ sun go down,
Hate to see de ev’nin‘ sun go down
Cause ma baby, he done lef‘ dis town.
Feelin‘ tomorrow lak ah feel today,
Feel tomorrow lak ah feel today,
I’ll pack my trunk, make ma git away.

Saint Louis woman wid her diamon‘ rings
Pulls dat man ‚roun‘ by her apron strings.
‚Twant for powder an‘ for store-bought hair,
De man ah love would not gone nowhere, nowhere.
Got de Saint Louis Blues jes as blue as ah can be.
Dat man got a heart lak a rock cast in the sea.

Or else he wouldn’t have gone so far from me. Doggone it!
I loves day man lak a schoolboy loves his pie,
Lak a Kentucky Col’nel loves his mint an‘ rye.
I’ll love ma baby till the day ah die.

Been to de gypsy to get ma fortune tole,
To de gypsy, done got ma fortune tole,
Cause I’m most wile ‚bout ma Jelly Roll.
Gypsy done tole me, „Don’t you wear no black.“
Yes, she done told me, „Don’t you wear no black.

Go to Saint Louis, you can win him back.“
Help me to Cairo, make Saint Louis by maself,
Git to Cairo, find ma old friend Jeff,
Gwine to pin maself close to his side;
If ah flag his train, I sho‘ can ride.
Got de Saint Louis Blues jes as blue as ah can be.
Dat man got a heart lak a rock cast in the sea.

Or else he wouldn’t have gone so far from me. Doggone it!
I loves day man lak a schoolboy loves his pie,
Lak a Kentucky Col’nel loves his mint an‘ rye.
I’ll love ma baby till the day ah die.

You ought to see dat stovepipe brown of mine,
Lak he owns de Dimon‘ Joseph line,
He’d make a cross-eyed o’man go stone blin‘.
Blacker than midnight, teeth lak flags of truce,
Blackest man in de whole of Saint Louis,


Blacker de berry, sweeter am de juice.
About a crap game, he knows a pow’ful lot,
But when worktime comes, he’s on de dot.
Gwine to ask him for a cold ten-spot,
What it takes to git it, he’s cert’nly got.

Got de Saint Louis Blues jes as blue as ah can be.
Dat man got a heart lak a rock cast in the sea.
Or else he wouldn’t have gone so far from me. Doggone it!
I loves day man lak a schoolboy loves his pie,
Lak a Kentucky Col’nel loves his mint an‘ rye.
I’ll love ma baby till the day ah die.

Extra choruses:
A black-headed gal makes a freight train jump the track, said a black-headed
Gal makes a freight train jump the track,
But a long tall gal makes a preacher ball the jack.

Lawd, a blonde-headed woman makes a good man leave the town, I said
Blonde-headed woman makes a good man leave the town,
But a red-headed woman makes a boy slap his papa down.

Oh, ashes to ashes and dust to dust, I said ashes to ashes and dust to dust,
If my blues don’t get you, my jazzing must.

(nicht autorisierte eigene Übersetzung)

Ich hasse es, die Sonne untergehen zu sehen,
Hasse es, die Sonne untergehen zu sehen
Weil mein Baby, er hat die Stadt verlassen.
Fühle den morgigen Tag, wie ich mich heute fühle,
Fühle morgen, wie ich mich heute fühle,
Ich packe meinen Koffer und verschwinde.

Eine Frau aus St. Louis mit ihren Diamantenringen
Zieht den Mann an ihren Schürzenbändern herum.
Sie will Puder und gekauftes Haar,
Der Mann, den sie liebt, würde nirgendwo hingehen, nirgendwo.
Hat den Saint Louis Blues, so blau wie ich nur sein kann.
Der Mann hat ein Herz wie ein Fels in der Brandung.

Sonst hätte er sich nicht so weit von mir entfernt. Verdammt noch mal!
Ich liebe den Mann wie ein Schuljunge seinen Kuchen,
wie ein Kentucky Col’nel seine Minze und seinen Roggen.
Ich liebe mein Baby bis zu meinem Todestag.

Ich war bei der Zigeunerin, um mein Vermögen zu holen,
Bei der Zigeunerin hab ich mein Glück gemacht,
Denn ich bin ganz verrückt nach meinem Jelly Roll.
Die Zigeunerin sagte zu mir: „Zieh kein Schwarz an.“
Ja, das hat sie mir gesagt: „Trag bloß kein Schwarz.

Geh nach St. Louis, du kannst ihn zurückgewinnen.“
Hilf mir nach Kairo, mach Saint Louis selbst,
Geh nach Kairo, finde meinen alten Freund Jeff,
Ich will mich an seine Seite heften;
Wenn ich seinen Zug beflagge, kann ich bestimmt mitfahren.
Habe den Saint Louis Blues, so blau wie ich nur sein kann.
Der Mann hat ein Herz wie ein Fels in der Brandung.

Sonst hätte er sich nicht so weit von mir entfernt. Verdammt noch mal!
Ich liebe den Mann wie ein Schuljunge seinen Kuchen,
wie ein Kentucky Col’nel seine Minze und seinen Roggen.
Ich werde mein Baby bis zu meinem Tod lieben.

Ihr solltet mal mein braunes Ofenrohr sehen,
Als ob ihm die Dimon‘ Joseph-Linie gehört,
Er würde einen schielenden Mann zum Blinzeln bringen.
Schwärzer als Mitternacht, Zähne wie Waffenstillstandsflaggen,
Der schwärzeste Mann in ganz St. Louis,

Schwärzer als die Beere, süßer als der Saft.
Wenn es um ein Spiel geht, weiß er eine Menge,
Aber wenn’s an die Arbeit geht, ist er zur Stelle.
Ich will ihn um einen kalten Zehner bitten,
Was man braucht, um es zu kriegen, das hat er ganz sicher.

Er hat den Saint Louis Blues, so blau, wie man nur sein kann.
Der Mann hat ein Herz wie ein Fels in der Brandung.
Sonst hätte er sich nicht so weit von mir entfernt. Verdammt noch mal!
Ich liebe den Mann wie ein Schuljunge seinen Kuchen,
wie ein Kentucky Col’nel seine Minze und seinen Roggen.
Ich liebe mein Baby bis zu meinem Todestag.

Extra Refrains:

Ein schwarzhaariges Mädel  lässt einen Güterzug aus dem Gleis, sagte, ein schwarzhaariges Mädel lässt einen Güterzug aus dem Gleis springen,
Aber ein langes, großes Mädel lässt einen Prediger den Buben bumsen.

Eine blonde Frau bringt einen guten Mann dazu, die Stadt zu verlassen sagte ich,
Eine blonde Frau bringt einen guten Mann dazu, die Stadt zu verlassen,
Aber eine rothaarige Frau bringt einen Jungen dazu, seinen Papa zu ohrfeigen.
Oh, Asche zu Asche und Staub zu Staub, ich sagte, Asche zu Asche und Staub zu Staub,
Wenn mein Blues dich nicht kriegt, muss mein Jazzen („aufpeppen“) es schaffen.

Noch eine Version von und mit Louis Armstrong mit der Sängerin Velma Middleton, außerdem:  Trummy Young (tb), Barney Bigard (cl), Billy Kyle (p), Arvell Shaw (sb), Barrett Deems (dm) aus dem Jahr 1954)

Der Titel des Liedes wurde auch der Namensgeber des US-amerikanischen Profi-Eishockey-Teams The St. Louis Blues aus St. Louis, Missouri.

In den vielfachen Coverversionen (ca. 130 !!) wurden der Melodie ganz unterschiedliche Rhythmen und Ausdrucksformen unterlegt. Beispiele mögen sein:

Benny Goodman & His Orchestra (1938, Carnegie Hall)
Dave Brubeck – piano Paul Desmond – alto saxophone Eugene Wright – bass Joe Morello – drums (1964)

Und aus neuester Zeit:

Hugh Lauire  (2013)

Selbst als Musikfilm kam der Titel, die Melodie und der Text früh zu Ehren mit Bessie Smith als Darstellerin und Sängerin und  dem Fletcher Henderson Orchester, 1929). Hier der gesamte 15minütige Film (Song ab 6:20):

Und damit: Es war Bessie Smith´Lied und sogar der kurze Film hörenswert!


Jochen Axer, Unterstützer des King Georg und über die Cologne Jazz Supporters Förderer vieler weiterer Jazz-Projekte, stellt hier jeden Sonntag einen seiner Favoriten vor.