WDR Big Band + Christina Fuchs: »Newton’s Cradle«

2019, Bigband Records

Die Kölner Saxofonistin Christina Fuchs zählt seit vielen Jahren zu den herausragenden deutschen Komponist*innen und Arrangeur*innen. Beim WDR 3 Jazzfest 2014 in Gütersloh spielte die WDR Big Band unter Leitung von Ansgar Striepens ein Programm ihrer Kompositionen, das jetzt auf CD erhältlich wird. Gleich der erste Titel »Shadow and Light« demonstriert Fuchs’ Arrangeurkunst. Auch über 11 Minuten bleibt die Musik jederzeit fesselnd mit gelungener Abfolge von farbigen Ensemblepassagen und Soli von Posaunist Andy Hunter, Trompeter Andy Haderer und Altsaxofonistin Karolina Strassmayer, die Fuchs rhythmisch abwechslungsreich mit spannenden Bläsersätzen unterlegt. Der Titelsong, für den Fuchs den WDR Jazzpreis für Komposition erhielt, wird geprägt von Johan Hörlén’s ausgedehntem Sopransaxofonsolo, das Fuchs einbettet in ein durchdachtes Potpourri der Klangfarben der Band, mit dem sie das physikalische Prinzip von Newton’s Kugelstoßpendel in Musik umsetzt. »Textures of Memory« startet mit einem klassisch anmutenden unbegleiteten Pianosolo von Frank Chastenier, bevor die Band über John Goldsbys ausdrucksstarkem Bass einsetzt. Es folgen faszinierend gegeneinander gesetzte Bläsersätze, dann ein expressives Solo von Tenorsaxofonist Paul Heller und ein einfallsreiches Solo von Trompeter Rob Bruynen, beide angetrieben von Hans Dekkers drängendem Schlagzeugspiel, der dann selbst soliert. Dies ist zeitgenössischer Big Band Jazz mit anspruchsvollen und doch zugänglichen Arrangements, die nur wenige Big Bands so umsetzen könnten, wie es die WDR Big Band hier tut.

Text: Hans-Bernd Kittlaus