66 legendäre Minuten 

Erinnerung an einen denkwürdigen Abend. Keith Jarretts Konzert in der Kölner Oper am 24. Januar 1975


Keith Jarrett

Manchmal hat man Glück. 1975 war ich gerade 20 Jahre alt und durfte eine Sternstunde des Jazz miterleben. Eigentlich hatte ich zuvor nur Aufnahmen von Jarrett mit Miles Davis als Jazzrock gehört und keine Ahnung von den Soloauftritten. Aber ich wollte ihn hören und hatte Glück, eine Studentenkarte zu bekommen. Und war – wie alle in der Kölner Oper – 66 Minuten sprach-, ja atemlos.

Der richtige Sound trotz falschem Flügel

»The Köln Concert« war ein frei improvisiertes Konzert. »Es ist immer wieder, als würde ich nackt auf die Bühne treten. Das Wichtigste bei einem Solokonzert ist die erste Note, die ich spiele, oder die ersten vier Noten. Wenn sie genug Spannung haben, folgt der Rest des Konzerts daraus fast selbstverständlich.« Den ersten Teil begann Jarrett dementsprechend mit der Melodie des Pausengongs der Kölner Oper; wenn man die Originalaufnahme genau anhört, dann hört man Lachen.

Bestseller für die Ewigkeit

Nichts habe ich mitbekommen von den Widrigkeiten im Vorfeld des Konzerts. Nur auf ausdrückliche Bitten der lokalen Veranstalterin Vera Brandes war Jarrett bereit, trotz des »falschen« Flügels doch aufzutreten. Sie berichtet hiervon anschaulich im WDR 

Eine Veröffentlichung auf Youtube oder ähnliches gibt es meiner Kenntnis nach nicht, auch keine ganz frei zugängliche Audio-Aufnahme. Aber schon über Spotify kann man die Originalaufnahme in aller Ruhe hören – und wer sich diese eine Stunde Zeit nimmt  – in aller Ruhe – wird verstehen, warum dieses Konzert ein Meilenstein der Jazzimprovisation ist. Und gleichzeitig ein überragender Erfolg:  Das Album ist die bis heute meistverkaufte Jazz-Soloplatte und meistverkaufte Klavier-Soloplatte mit rd. 3,5 Mio verkauften Einheiten. Das wird wohl in Zeiten von mp3 und mp4 für alle Ewigkeit so bleiben.

Text: Jochen Axer